Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 2 (1910)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1910)
- Date
- 1910-12-01
- Page
- Seite 285 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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P o o o Gedicht: Chanukka — Rundschau 285 Grabe, der Mut, der nicht erschrickt vor dem Tode — sie leuchten zu allen Zeiten in heiliger Kraft, und unsere ganze Geschichte ist ein Guerillakrieg von makkabäischer Zähigkeit und heldenmütiger wehr gegen feindliche Bedrohung und Bedrückung. Auch ohne Schwerterkampf und ohne eines Schildes Schutz haben unsere Ahnen tausendfältig dem Feinde sich entgegengestellt, wenn es das Heiligtum zu verteidigen galt, das sie in ihren: Kerzen neu errichtet, nachdem des Tempels Mauern in Schutt und Asche lagen. wir haben kein Land mehr, das Männer des Schwertes erfordert, kein Heiligtum, das wir vor Entweihung zu schützen hätten mit Waffengewalt. Aber geistige Güter sind uns anvertraut, die wir schützen müssen mit den Waffen des Geistes. Es gibt werte, die Allgemeingut der Menschheit sind, über deren Heilighaltung auch wir zu wachen haben. Die Manneswürde, die sich nicht beugt vor niedrigem Begehren, des Menschen Stolz, der nicht vom Hochmut hochgestellter durch den Staub sich ziehen läßt — ist einer dieser werte. Aber wie schon im Kampfe der Makkabäer die Manneswürde des Volkes Würde bedeute, so heut' nicht minder, ist es auch nur geistiger Boden, auf dem Israel als Volk lebt. Da bringt jeder Giftpilz den Boden in bösen Geruch. Man sagt nicht, der j)ilz ist schlecht, sondern: es ist fauler Boden. „Epiphanes“., der Glänzende, der lockende Schein anderer Kulturen, geht heut' noch um und sucht unsere Augen zu blenden und unsere Sinne zu verwirren. Unsere Manneswürde sucht er zu untergraben, bis wir in den Staub fallen, sein schimmerndes Gewand zu küssen. Und „Epimanos", der Aasende, der Iudenhasser, auch er speit noch sein Gift und wühlt und ruhet nicht. Doch nicht verzagt, ihr Makkabäersöhne! Ein Fest der Ermutigung ist Thanukka. Manncswürde lehrt uns Matthatias, Mut Juda, sein tapferer Sohn, heil ihnen und uns! — Zündet Lichter an! Chanukka. Es jauchzen die Scharen! — Vorüber die Schlacht, Die Größe des Syrers zerstoben in Nacht. An einsamem Pfade lehnt Juda allein. Es sinket die Sonne mit glutrotem Schein, Und bebender Lippen der Held leise spricht: ' „Die Ströme des Blutes, ich fordert' sie nicht; Nicht trug ich nach eigenem Ruhme Begehr, Mein Kampf für Jehovah, für Israels Ehr!" Jahrhunderte stiegen seither in das Grab, Geschlechter, sie kamen und sanken herab. Und wieder durchglüht Begeist'rung die Reih'n, Dem Dienste des Glaubens sich freudig zu weih'n. Auf, stellet Euch frei in des Judentums Sold Und löset von Schlacken das lautere Gold. Dem Geist der Propheten schafft Leben und Macht! — Dann winket ein Lenz uns in'herrlicher Pracht. Sophie Jacobsohn -Berlin. Runctfchau. München. Bei den am sh Dezember stattgefundenen Wahlen in den Ausschuß der Verwaltung der Kultusgemeinde sind die liberalen Kandidaten mit großer Majorität gewählt worden. Die deutsche Iudenheit in ihrer überwiegenden Mehrheit will von den mit der Mrthodoxie verbündeten Zionisten nichts wissen. Das ist das Symptom aller in der letzten Zeit geführten Wahlkämpfe. Und das zweite erfreuliche Symptom ist die Renaissance des religiösen Liberalismus. Berlin. Der jüdisch-liberale Iugendverein, von dessen Begründung wir jüngst berichteten, hielt seine erste Versammlung am 5. d. M. unter starker Beteiligung ab. Der erste Vorsitzende, Herr Hugo Ostberg, betonte in seinen einleitenden Worten die Notwendigkeit des Zusammenschlusses der