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Liberales Judentum · 1910-12-01 · Heft 12 (Dezember 1910) · p. Seite 280

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 12 (Dezember 1910)
Date
1910-12-01
Page
Seite 280 (sequence 16)
Language
German
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28© Liberaler Kultus o o o c gesagt, ich gestehe: Ich gleiche in der Sabbatfrage „dem Mann, der vor dem Bären flieht und entkommt ins fjcrns, und da sticht ihn die Schlange." Vielleicht ersteht dem Liberalismus der Genius, der ihm den Ausweg zeigt! Bis dahin müssen wir uns mit dem Kompromiß begnügen, die Gottesdienste am Sabbat auf eine möglichst bequeme Zeit zu verlegen. Im übrigen wird der Liberalismus normieren müssen: LVer es irgend kann, und soviel man es irgend kann, soll man sich von feiner Berufsarbeit fernhalten, und sich positiv in religiösem Sinne beschäftigen. Verboten kann weiter nichts werden. Weder tragen, noch schreiben, noch rauchen. Das wird ja von niemandem als unreligiös empfunden, sondern nur als nicht religionsgesetzlich.— Zur positiven religiösen Arbeit aber ist für den, der sie am Sabbattage selbst nicht leisten kann, der Freitag-Abend festzusetzen. Dieser ist viel mehr noch als bisher als Familienfeier auszugestalten, nicht nur durch Licht und Barches und Wein und Fisch und Fleisch, sondern auch durch wirkliche geistig-religiöse Beschäftigung en famille. Für den Freitag - Abend sollte die liberale Gesetzgebung bestimmen: das Lesen religiöser und jüdisch-geschichtlicher Bücher und die Nachfrage der Eltern nach den Leistungen der Kinder, besonders in der Religionsschule: sollte sie verbieten, die Familie zu verlassen, Gesellschaft- und Theaterbesuch, und statt dieser empfehlen Gastfreundschaft und Wohltätigkeit. Für den Freitag-Abend ist daher auch eine Hausbibel zu schaffen, — nach Art der Auerbachschen, nur nicht in der unschönen inneren Ausstattung wie diese und mit noch etwas geschmackvollerer und modernerer Uebersetzung und Auswahl, sowie mit noch größeren Anhängen, die klassische Stellen der talmudischen und späteren jüdischen Literatur enthalten. — Wenn so der Geist der Wahrhaftigkeit in Sabbat und Gottesdienst wieder einzieht — dann müßte es ja merkwürdig zugehen, wenn nicht ein stark pulsierendes religiöses Leben wieder begänne! Im Anschluß daran noch ein paar Worte über die Feste! Von einer Verlegung derselben darf keine Rede sein aus denselben Gründen, welche ich beim Sabbat namhaft gemacht habe. — Die Abschaffung des 2. Feiertages, welche die Rabbinerversammlungen beschlossen, aber wohl nirgends durchgesetzt haben, beruht auf dem schon besprochenen Irrtum, das Ursprüngliche müsse wieder zur Geltung kommen. In Wahrheit erscheint (wenigstens mir) ein eintägiges Wochen- und Neujahrsfest sehr seltsam. Nur müßte das Ritual der 2 Festtage möglichst verschieden von einander sein. Am j)esach und Sukkoth dagegen wird der 2. Feiertag von allen als ein Zuviel empfunden. Besonders Simchath - Torah leidet sehr unter der Anhäufung der Tischrifeiertage. Ulan feiere also am Gefach 'den l.. und?., am Sukkoth den und 8. Tag. Schemini Azereth hat sowieso keine zu rechtfertigende Bedeutung. Seine Bitte um Regen gehört schon demSukkothfest selbst; denn der Feststrauß, von dem 3 Bestandteile Wasserpflanzen sind, stammt vom alten Wasserschöpffeste und hat deshalb auch für uns nicht die Segnungen des vergangenen Sommers, sondern des kommenden Winters zu symbolisieren (wie auch der Talmud sagt: b,68Ä6iL0t1io1i6iu seüeöriä lochem motor). Die Seelenfeier aber am Schemini Azereth (nach polnischem Ritus) ist eine geschmacklose Wiederholung derjenigen am Versöhnungstage. Auch am Wochenfest ist sie m. E. zu streichen! — An den Gebräuchen der Feste ist noch weniger zu ändern, es sei denn ihr Gesetzescharakter. Laubhütte und Lulow und Fasten am versöhnungstag sind so sinnige Bräuche, aus religiöser Empfindung zu erklären und sie erzeugend, daß ich zuversichtlich hoffe, sie werden unter der Sonne der Freiheit viel besser xrosxe-

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