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Liberales Judentum · 1910-12-01 · Heft 12 (Dezember 1910) · p. Seite 267

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Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 12 (Dezember 1910)
Date
1910-12-01
Page
Seite 267 (sequence 3)
Language
German
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Air Berliner Grwrindrrvrchlrn 267 Majorität haben, und daß nicht ein einziger Konservativer unter den Stellvertretern der Repräsentanten vorhanden ist, sodaß stets ein liberaler Stellvertreter nachrückt, wer auch immer während der nächsten Zahre aus der Repräsentanten-Versammlung ausscheiden mag. Line solche Position haben die Liberalen bisher noch bei keiner Wahl erfochten. Der wahre Grund für den Sieg ist ausschließlich darin zu finden, daß die weit überwiegende Mehrzahl der Berliner Gemeindewähler religiös liberal ist. Denn trotz aller Agitation haben sehr wenig Wähler mehr von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht, als früher in den Jahren des Wahlkampfes. Charakteristisch aber und für alle Gemeindewahlen in Städten, in denen sich nach der obigen Darstellung neue jüdische Gemeindevereine auf Veranlassung der Zionisten bilden, sind folgende Einzelzüge. Alle Parteien behaupteten, liberal zu sein. Mit Absicht wurde politischer Liberalismus mit religiösem Liberalismus verwechselt. Ganz instinktiv hat sich alles zusammengefunden, was religiös illiberal ist. Darunter sind natürlich eine Reihe von Persönlichkeiten, die politisch unter den gegenwärtigen Verhältnissen liberal wählen würden. Geleitet und geführt wird diese Mehrheit von den Zionisten. Der Zweck für diese aber ist, die Macht zu erlangen. vor der Wahl wehrten sich die Koalitionen dagegen, daß sie zionistisch seien. Nach der Wahl erklärt d'ie Jüdische Rundschau, daß es auf die Eroberung der Gemeinde seitens der Zionisten abgesehen sei. vor der Wahl erklärten die Gegner, der Gemeindeverein umfasse alle Richtungen. Nach der Wahl wird festgeftellt, daß sämtliche nichtliberale Wähler in Berlin (3700) den Zionisten ihre Stimme gegeben hätten. vor der Wahl wird Widerspruch dagegen erhoben, daß die zionistische Zugend als (Llaque in den Wahlversammlungen tätig sei. Nach der Wahl wird der zionistischen Zugend gedankt und ihr Eifer für die späteren Wahlen angerufen. Dem entsprechen auch folgende weitere Lharakterika. vor der Wahl erklären alle Gegner, „wir sind die eigentlichen Liberalen". Nach der Wahl wird in Zeitungen offen ausgesprochen, daß die liberale Richtung bei der nächsten Wahl gestürzt werden müsse. Vor der Wahl wird ausgerufen, daß die Liberalen das Zudentum zerstörten. Nach der Wahl und nach dem Siege der Liberalen wird überall behauptet, die Liberalen hätten gar keinen Einfluß in der Gemeinde. Und dann noch zweierlei. Zn den Wahlversammlungen hat man den Sieg vorausgenommen. Als dann die Niederlage da war, da hieß es wiederum: wir haben trotzdem gesiegt, die Liberalen haben nur einen Pyrrhussieg errungen. Als man bereits wußte, daß die Niederlage bevorstand, hat man sich damit getröstet, daß die gegnerischen Koalitionen wenigstens die Gemeinde aufgerüttelt hätten. Als sich dann aber ergab, daß trotz alledem und alledem nicht mehr Wähler wie sonst zur Urne gegangen waren, da schwieg man über seine Arbeit und ihren Erfolg. Als garnichts mehr übrig blieb, und die Niederlage nach jeder Richtung hin zugestanden werden mußte, da behaupteten die Gegner endlich, die Liberalen hätten nur durch die Machtmittel gesiegt, die ihnen zur Verfügung gestellt waren und nannten eine bestimmte Persönlichkeit, von der die Liberalen die großen Mittel („jede Summe") erhalten hätten.

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