Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 2 (1910)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1910)
- Date
- 1910-08-01
- Page
- Seite 215 (sequence 47)
- Language
- German
- Belongs to
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Air Nürnberger Versammlung — Vortrag von Instizrat Srrslauer 215 sten und kiefsten Kerzen heraus, nicht für äußere Dinge, die ich zu erreichen bestrebt bin, nicht um Zwecke, *bie auf anderen Gebieten liegen, wollen sich die Zionisten hierbei meinen Gegnern anschließen, nun so muß ich auch sie als meine Gegner bekämpfen. Und nun komme ich zum letzten unserer Gegner. Meine geehrten Damen und Herren! Das sind leider wir s e l b st (sehr richtig, sehr gut), wir selbst sind unsere schlimmsten Gegner. Ueberzeugt von den Anschauungen, begeistert von den Ausführungen, die unsere Führer so früher wie heute gemacht haben, gehen wir jetzt nach Hause, das Herz voll; und wenn wir nun im täglichen Leben einen Schritt tun sollen, fragen wir sogleich wieder ängstlich, ob es dem guten Nachbar wohl gefällt, ob wir nicht dadurch einen Freund, einen Onkel, einen Verwandten irgendwie in seinen Anschauungen verletzen, ob es nicht besser sei, aus Toleranz gegenüber den anderen zurückzuhalten. Das aber ist absolut falsch. Meine Damen und Herren! Man soll sich nicht vordrängen und nicht behaupten, daß man der beste sei, daß nur das richtig sei, was man selbst dafür halte; aber die Anschauungen, die man als wahr und richtig anerkannt hat, muß man vertreten im Leben und in der Welt. Seine Anschauung und Ueberzeugung in Wahrheit treu auszuüben, ist die Aufgabe?ines Jeden von uns, und seine Anschauung und Ueberzeugung seinen Rindern einzupflanzen, den Rindern, auf denen unsere Zukunft beruht. (Sehr richtig.) Nicht Rücksicht nehmen, auf rechts oder links, bei aller Freundschaft, bei aller Liebe, bei aller Anerkennung. Vorwärts und geradeaus gehen, das als richtig Erkannte, auch im Leben verwirklichen, das ist Pflicht. Wenn wir ins Leben hinaustreten, müssen wir unsere Anschauung von der Religion „in Wahrheit treu" bekennen und betätigen, und so lange wir das nicht tun in Rücksicht auf andere, aus Furcht, aus Aberglaube, so lange sind wir unser eigener Gegner. Nun, meine Damen und Herren! Ich halte Sie nicht länger auf; aber ist es nicht erstaunlich? in meinen Ausführungen habe ich immer nur von Gegnern gesprochen, nicht ein einziges Mal von Gegnerinnen, woran liegt das? wir haben eben keine Gegnerin. wir haben die Frauen auf unserer Seite. Die jüdische Frau hat einsehen gelernt, daß wie überall im Leben, so auch auf dem Gebiete der Religion der Fortschritt unausbleiblich ist, daß es nichts nützt, sich gegen die Entwicklung zu stemmen, daß sie in alte Rnechtschaft zurückfallen würde, wenn sie nicht mitfortschreiten würde; sie hat deshalb eingesehen, daß sie sich zu uns halten muß, denn ihr ist heute der Schutz der Rinder fast ausschließlich anvertraut, sie muß für und mit den Rindern vorwärtsgehen, dann handelt sie in Wahrheit nach den echten Vorschriften der jüdischen Religion. Deshalb haben wir nirgends Gegnerinnen. Hiermit schließe ich meinen Vortrag über die Gegner. Möge Zeder daraus entnehmen, daß wir den Rampf nicht suchen, aber auch nicht scheuen, daß wir ihn immer nur aufnehmen, wenn er uns aufgezwungen wird, dann ihn aber auch ehrlich für unsere Grundsätze durchfechten. „Zn Wahrheit treu!" (Lebhafter Beifall.) Ar. Vogelstein - Stettin. Der Herr Vorredner hat zu Beginn seiner Ausführungen zum Ausdruck gebracht, daß es ihm vielleicht nicht gelingen werde, nach den begeisterten und begeisternden Ansprachen der vorhergehenden Redner auch noch Znteresse für sich in vollem Maße anzuregen. Nun, Sie haben durch Zhren lebhaften Beifall Zhren Dank den Ausführungen des