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Liberales Judentum · 1910-08-01 · Heft 8-9 (August 1910) · p. Seite 216

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Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 8-9 (August 1910)
Date
1910-08-01
Page
Seite 216 (sequence 48)
Language
German
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216 Air Nürnberger Versammlung - Oeffentlrche Versammlung Redners dargebracht und bekundet, daß seine Befürchtung, die wir ja überhaupt nicht gehegt haben, grundlos war. Ich danke nochmals namens der Versammlung den: geehrten Herrn Redner, den wir so glücklich sind, als Vorsitzenden unserer Vereinigung zu besitzen. (Bravo.) Wir alle, Und ganz besonders diejenigen, die mit an der Spitze der Bewegung stehen, wir würdigen die Verdienste des geehrten Herrn Vorsitzenden Ejerm Iustizrat Dr. Breslauer vollauf. Er ist die Säule der Vereinigung für das liberale Judentum. Wir sind ihm zu hohem Dank verpflichtet, nicht nur für die Rede, die er gehalten hat, in der er sehr klar und warnt zu Kerzen gehend uns die Verhältnisse, wie sie im deutschen Judentum vorhanden sind, auseinander gesetzt hat. Wir zollen ihm auch herzlichen und tiefgefühlten Dank für die unendliche Alühe, die er sich seit Jahren, seit Begründung der Vereinigung, ja um diese Gründung zu bewirken, gegeben hat, und ich glaube, wir bekunden den Dank am besten dadurch, daß wir der Vereinigung für das liberale Judentum fernerhin unser vollstes Interesse — auch in Wahrheit treu — widmen, daß wir nicht von unserem Führer weichen, und daß wir Gott anflehen, Er möge ihn uns noch recht lange, lange erhalten zur weiteren Erstarkung unserer Vereinigung und zur Ehre des gesamten Judentums. (Bravo!) (lebhafter Beifall.) Vorsitzender. Ich schließe die öffentliche Versammlung. Schluß p Uhr nachm. Nachtrag. Durch ein Versehen des Setzers ist in der vorigen Doppelnummer der letzte Absatz des Vortrags von Justizrat Dr. Blau: „Dient die liberale Bewegung zur Erhaltung des Judentums?" weggefallen. Derselbe lautet: Und endlich: die liberale Bewegung erhält dem Judentum die Mittel, deren es so dringend bedarf, um zu kämpfen und zu leben und alle Richtungen zu befriedigen. Vor einigen Monaten erschien in dem Organ der separatistischen Orthodoxie, dem „Israelit", ein Leitartikel, in welchem gesagt wurde, daß die orthodoxen Juden auch in der Wohltätigkeit nicht mit den Nichtorthodoxen zusammengehen dürfen; denn der orthodoxe Jude übe die Wohltätigkeit nach anderen Grundsätzen, nämlich nach den Grundsätzen des Schulchan-Aruch aus. Das ist eine gefährliche Sprache, die die separatistische Orthodoxie da spricht, und wenn es ihr gelingen könnte, hier Einfluß auf die Gesamtorthodoxie zu erlangen, so würde das zur Folge haben, daß das einzige Bindemittel, das weite Kreise des nichtorthodoxen Judentums heute noch bei den Gemeinden erhält, eben die Wohltätigkeit, beseitigt und daß diese Kreise in Scharen die Gemeinde verlassen würden. Jeder in der Gemeindeverwaltung Tätige weiß, daß gar viele dieser Leute nur auf einen einigermaßen stichhaltig aussehenden - Grund warte::, um sich von der Gemeinde los! zu sagen und die großen Lasten los zu werden, j die das Judentun:, das für sie so gut wie gar keinen \ Wert mehr hat, ihnen auferlegt. Es ist ein Frevel j am Judentum, diese Elemente vor den Kopf zu stoßen,! abgesehen von der Heuchelei und dem Widersinn, \ von ihnen als J:ü>en im Namen des Judentums das Geld zu nehmen, um ihnen im nächsten Augenblick das Judentun: abzusprechen. Im Gegenteil, es ist ein großes, ein unermeßliches Verdienst des Liberalismus um die Erhaltung des Judentums, die Bande zu stärken, die diese Leute mit dem Judentum verbinden. Denn abgesehen von allem anderen rann das Judentum auch ohne große Mittel in unseren Tagen nicht bei Kräften erhalten und in bessere Zeiten übergeführt werden. Ich bin am Schluß. Und nun wende ich mich an Sie, und zwar zunächst an diejenigen meiner Zuhörer und. Zuhörerinnen, die im orthodoxen Lager sich befinden. Die beschwöre ich, auf die Einflüsterungen und Hetzereien gewisser Kreise, die ich vorhin gekennzeichnet habe, nicht zu hören und nicht den Geist der Zwietracht in dem deutschen Judentum auskommen zu lassen. Mögen sie doch auch den Andersdenkenden das Recht der Betätigung ihrer Anschauungen lassen, wenn sie auf der Grundlage des Judentums arbeiten und die Orthodoxie nicht beeinträchtigen. Diejenigen aber unter meinen verehrten Zuhörern und Zuhörerinnen, die nicht auf orthodoxem Standpunkt stehen, diese bitte und beschwöre ich von ganzer Seele und mit der ganzen Jnn.igkeit und Begeisterung, die mich für das Judentum erfüllt: Schließen Sie sich unserer liberalen Vereinigung als mitarbeitende Glieder an! Nur so erhalten Sie das Judentum und sich und Ihre Nachkommen dem Judentum, nur so erhalten Sie dem Vaterland und der Menschheit alleredelstes Kulturgut! . . . Lerausgegeben von bet Vereinigung firr das liberale Judentum Berlin C 2, -Leiligegeistltrah e 45. Nur die Redaktion und den Verlag verantwortlich Dr. Ä. Seligmann, Nrankfurt a. Al., Nrieörichstr. 29 Druck und TLpsöitio» von Voigt &> Slsiber, Nrankfurt a. Al., Aibergasse 6.

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