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Liberales Judentum · 1910-08-01 · Heft 8-9 (August 1910) · p. Seite 214

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 8-9 (August 1910)
Date
1910-08-01
Page
Seite 214 (sequence 46)
Language
German
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214 Air Nürnberger Versammlung — Vortrag non Instixrat Breslauer für vergeblich gehaltene) Sache beseelt, so verlange ich auch von ihnen, anerkannt zu werden. Aber nun haben sich die Zionisten selbst zu unserem Gegner gemacht, vor einigen Jahren haben sie sich in einer ihrer öffentlichen Versammlungen mit ihrer Stellung zu den Gemeinden beschäftigt. Nach einem einleitenden vortrage haben sie einen Beschluß gefaßt, wie sie ihre „Gemeindepolitik" ausüben wollen. Gemeindepoliük haben sie es selbst genannt, es ist eben bei ihnen alles polttif und Diplomatie. Die Gemeindepolitik soll nun überall darin bestehen, daß sie sich den Orthodoxen anschließen. Damit sind sie selbst zu unseren Gegnern übergetreten. Geht man nämlich der Sache auf den Grund, so findet man, daß nur ein kleiner Teil ihrer Anhänger religiös ist. Sehr viele von ihnen halten sich von religiösen Fragen gänzlich fern, sie sind nur nationale Zionisten, kennen nur ihre nationalen Ziele und wollen von der Religion als solcher wenig wissen. Die jüdischen Feiertage sind ihnen nur wesentlich, soweit sie auf naüonaler Grundlage beruhen. Za es gibt sogar ganz Konsequente unter ihnen, die nur die jüdische Nation kennen und den Glauben so wenig dabei berücksichtigen, daß sie zwischen Juden jüdischen Glaubens, Juden christlichen Glaubens und jüdischen Dissidenten unterscheiden. Und trotzdem haben die Zionisten, auch diejenigen, die bloß auf naüonalem Standpunkt stehen, beschlossen, sich den Orthodoxen anzuschließen. warum sie das tun? Aus zwei Gründen. Erstens wollen sie die jüdische Sprache erhalten. Als ob wir das hebräische abschaffen wollten! Selbst wenn wir das unternehmen wollten, so wäre dies ein törichtes Beginnen. <£s fällt uns aber gar nicht ein, die hebräische Sprache aus dem Gottesdienst ausschalten zu wollen, oder sie aus dem Unterricht und der Wissenschaft zu beseitigen. Aber man stellt es so dar, als ob wir dies tun wollten, und die Zionisten dazu da wären, uns daran zu hindern. Zn Wirklichkeit liegt aber auch diesen Bestrebungen der Zionisten eine ganz andere Absicht unter, als gar mancher behauptet und glaubt. Nicht für den Gottesdienst, sondern als spätere Landessprache, für den einstigen Staat Zerusalem soll die hebräische Sprache erhalt ten werden. Sie soll als Volkssprache wieder aufleben, und deshalb treten die Zionisten für die Erhaltung des hebräischen ein. Zst das aber der Fall, dann mögen sie es offen aussprechen. Wir erklären, daß wir das Gebet in der Landessprache für notwendig halten, daß wir aber nicht daran denken, das hebräische im Gottesdienst, in der Wissenschaft, in der Erziehung vollständig abzuschaffen. Wenn wir uns offen aussprechen, verlangen wir auch eine offene Erklärung vom Gegner. „Zn Wahrheit treu." Der zweite Grund, warum sich die Zionisten den Orthodoxen anschließen, ist der, daß das Verhalten der Orthodoxen die Kluft zwischen den Zuden und den übrigen Staatsangehörigen erweitert, oder wenigstens länger offen hält (was die Zionisten Assimilierung nennen, ist nichts als die Erlangung der vollen staatlichen Gleichberechtigung), und daß sie auf anderem Wege nicht zu Macht und zu Einfluß in den Gemeinden gelangen können; denn die weit überwiegende Mehrzahl der liberalen Zuden huldigt ihren Anschauungen nicht. So haben sich die Zionisten selbst zu unseren Gegnern gesellt, obwohl auch mancher von ihnen nicht hiermit einverstanden ist und mancher Artikel in ihren Zeitungen erscheint, der die Fernhaltung von dem Streit in den Gemeinden empfiehlt, hier aber bei ihrer „Gemeindepolitik" sind sie meine Gegner, hier muß ich mich ihnen gegenüberstellen. Zch kämpfe für meine Religion, ich kämpfe für mein Zudentum, ich kämpfe für die Erhaltung des Zudentums aus dem inner-

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