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Liberales Judentum · 1910-08-01 · Heft 8-9 (August 1910) · p. Seite 213

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 8-9 (August 1910)
Date
1910-08-01
Page
Seite 213 (sequence 45)
Language
German
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Nie Nürnberger Versammlung — Vortrag von Justizrat Srrstaurr 213 Das sind unsere Gegner, ganz besonders diese sind es. Denn sie kennen die Grundsätze nicht, auf denen das liberale Judentum beruht, sie wollen sie nicht kennen, und sie treten den Liberalen entgegen, weil diese für sich dasselbe fordern, was für die anderen gilt. „In Wahrheit treu!" wenn ich etwas als wahr anerkannt habe, so habe ich es zunächst auf mich anzuwenden und nicht nur von den anderen zu verlangen, wenn ich etwas für wahr und richtig halte, muß ich es zuerst selbst durchführen, es nicht nur von den anderen fordern und mich selbst darüber hinwegsetzen. _3cf} komme zu einer weiteren Kategorie von Gegnern. Mancher von Ihnen wird vielleicht erstaunt sein, daß ich sie dazu zähle. Ich komme zu den Zionisten. Die Bewegung des Zionismus ist nicht mit wenigen Worten abzumachen, nicht in der kurzen Zeit, wie sie mir heute gegeben ist. Einiges wenige, das nicht mit den Zwecken und Zielen des Zionismus selbst, sondern nur mit seiner äußeren Betätigung in Deutschland zusammenhängt, muß ich aber hier anführen. Es gibt in der ganzen Welt \0\000 Zionisten, genau \°/o aller jüdischen Bevölkerung. Es gibt in Deutschland 6800 Zionisten, d. h. ^O^o/o der jüdischen Bevölkerung Deutschlands. Nun meint man, das könne nicht möglich sein, daß die Zahl so gering ist, denn man spricht so viel von den Zionisten, die Zeitungen geben allerlei Notizen, es wird immer Neues vorgebracht und Neues vom Zionismus gedruckt. Das ist aber nicht wunderbar, denn die Anhänger dieser Richtung vertreten ihre Anschauungen mit großem Eifer, ja mit Fanatismus. Dann aber waren und sind die drei Lsauxtführer des Zionismus Journalisten; für alle drei war und ist der Gebrauch der Feder Lebensgewohnheit; ihre Jünger haben es ihnen nachgemacht und machen es ihnen weiter nach. Jeder Gedanke, der einem von ihnen durch den Kopf geht, muß sofort aus der Feder fließen und gedruckt werden. Und ich bin überzeugt, auch nach dem heutigen Tage wird vieles über uns geschrieben und gedruckt werden, bevor man noch weiß, was wir hier gesprochen und beschlossen haben. Es soll gar nicht geleugnet werden, daß viele Zionisten ein guter und edler Geist beseelt; aber dieser Geist müßte sich auch in der Praxis äußern und nicht hierbei Formen annehmen, die jeden anderen verletzen. Auch dürften die Zionisten nicht vergessen, daß 99<yo der deutschen Juden anderer Meinung sind als sie. Nun kann ich auch mit den Zionisten gut leben. Ich persönlich habe eine Anzahl von ihnen zu meinen Freunden. Aus meiner persönlichen Anschauung heraus kann ich es wohl begreifen, daß sie sich dafür begeistern, ein nationales Judentum wieder aufzurichten, daß sie sich bemühen, ihrer Umgebung ihre eigenen Gedanken einzuxflanzen und ihre Absichten in der Welt zu verwirklichen. Aber der Zionismus, der deutsche Zionismus, hat den Fehler, daß er zu viel diplomatisiert. Er sagt nicht, ich will einen Iudenstaat in Palästina errichten, sondern er sagt, ich will eine rechtlich gesicherte Heimstätte schaffen; das kann ein Staat sein, braucht aber nicht ein Staat zu sein. Für die Errichtung einer Heimstätte aber, die keine staatliche Eigenschaft besitzt und nur zur Aufnahme unserer verfolgten Glaubensgenossen dient, können wir wohl alle sein. Mit diesem Diplomatisieren und denj)olitisieren will ich nichts zu tun haben, das darf ich bei den Arbeiten, die mir obliegen, nicht zulassen, das muß für mich aufhören, sobald ich mich auf das Gebiet der Religion begebe. Hier heißt es: „in Wahrheit treu" sein. Und ebenso wie ich die Zionisten ehren kann, wie ich anerkennen kann, daß sie ein heiliger Eifer für ihre (von mir allerdings

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