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Liberales Judentum · 1910-08-01 · Heft 8-9 (August 1910) · p. Seite 211

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 8-9 (August 1910)
Date
1910-08-01
Page
Seite 211 (sequence 43)
Language
German
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Me Nürnberger Versammlung — Vortrag non Justizrat Krrslauer 211 errichten. Darin erblicken wir unsre historische Aufgabe. Diesem Beginnen weihen wir Hand und Herz, in der Gewißheit, daß das Judentum als Weltanschauung und Lebensauffassung die Gegensätze, welche heute noch Völker und Schichten entzweien, auszugleichen vermag wie keine andere Religion. Und zwar deßhalb, weil keine zweite so wie die unsrige die sittliche Persönlichkeit des Menschen betont und zu ihrer vollen Betätigung hinleitet. Daher aber auch freuen wir uns in Amerika des Wiedererwachens des alten Geistes, in der deutschen Iudenheit, des Geistes, der durch deutsche Führer uns zugetragen, uns befähigt hat, dem liberalen Judentum würdigen Ausdruck zu leihen in unsrem Lande. Glück auf zu Ihrem hoffnungsreichen Werke. — (Stürmischer langandauernder Beifall.) Justizrat Breslauer - Berlin. Hochverehrte Anwesende! Wahrlich selten haben wir so begeisternde Reden gehört, wie sie soeben dem Munde zweier begnadeter Redner entflossen sind. Ls wird mir daher sehr schwer werden, Sie nun noch in so später Stunde hier festzuhalten. Ihr hochverehrter Herr Rabbiner hat zu Ihnen gesprochen, Herr Professor Hirsch hat vor Ihnen seine Ansicht entwickelt, und nun soll ich, armes Menschenkind und Laie auch noch einnral Ihre Aufmerksamkeit in so später Stunde fesseln. Ich bin aber (leider) der Vorsitzende. Ich muß daher den Anderen den Vortritt lassen und die nehmen mir natürlich dann die schönsten Gedanken und Gefühle fort, und so muß ich nun still und bescheiden an den Platz treten, der mir zugewiesen, und wenigstens versuchen, Ihre Gedanken auf einige Minuten anzuregen. Ich soll vor Ihnen über unsere Gegner sprechen, d. h., ich soll Sie von der Höhe herabführen, auf der Sie bis jetzt gewandelt sind, von der Höhe der Geistesbewegung Sie herunterführen auf die Stätte des täglichen Kampfes. Line unerquickliche und unersprießliche Aufgabe! Ich will gar nicht Gegner haben; ich will gar nicht Gegner sein. Und trotzdem muß ich ..es sein, trotzdem habe ich Gegner; trotzdem hat die liberale Bewegung Gegner und muß dann naturgemäß auch Gegner sein. Bei der Darstellung unserer Gegner möchte ich meinen Ausführungen den Wahrspruch zu Grunde legen, der Ihnen hier in Nürnberg, in Bayern ganz besonders ans Herz gewachsen sein wird. Ich möchte sagen, die liberale Vereinigung befolgt den Ihnen bekannter: Wahlspruch: „In Wahrheit treu." Das ist es, worauf die liberale Bewegung beruht, „in Wahrheit treu" sein will sie dem Judentum, „in Wahrheit treu sein," will sie sich selbst. Und wer sind nun die Gegner? Man möchte sagen, wenn der eine liberal ist, so ist notwendigerweise der andere orthodox, so ist also der Orthodoxe ein Gegner. Aber das stimmt nicht. Gerade der Orthodoxe, der wahrhafte Orthodoxe, ist nicht mein Gegner, dessen Gegner bin ich nicht. Ich achte jeden, der an Grundsätzen festhält, die nicht die meinen sind, wenn er nur Grundsätze hat und ihnen treu bleibt. Ich kann jeden als gleichberechtigten Freund ansehen, der eine andere Anschauung hat, in wirtschaftlicher und in gesellschaftlicher Beziehung; sollte ich 'da nicht den achten, der andere Anschauungerr auf dem Gebiete der Religion, des religiösen Gedankens hat? das.wäre doch widersinnig. Also der Orthodoxe, der wahrhaft Orthodoxe, ist nicht mein Gegner; er wird erst dann mein Gegner, wenn er mich nicht anerkennen will, wenn er mir sagt: Du bist kein Jude mehr. Wer sich zu diesem Standpunkt erniedrigt, der kann auf dem Gebiet der Religion

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