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Liberales Judentum · 1910-08-01 · Heft 8-9 (August 1910) · p. Seite 184

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Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 8-9 (August 1910)
Date
1910-08-01
Page
Seite 184 (sequence 16)
Language
German
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184 0 O o o Air Nürnberger Versammlung — Protokoll Riten verböten dies. Es habe ja auch in früheren Zeiten verschiedene Riten, z. B. polnischen und deutschen Ritus, gegeben und jetzt noch gäbe es verschiedene zu Recht bestehende Riten. Die häusliche Andacht müsse durch Schaffung einer Hagada unterstützt werden. Ls sei ferner unbedingt nötig, daß auch von Seiten der Rabbiner den Leuten gesagt werde: Ihr dürft am Sabbat mit der Straßenbahn auch zum Gottesdienst fahren usw. und eine Einigung in allen diesen Fragen und Bestimmungen müsse herbeigeführt werden. Rabbiner Dr. Seligmann- Fra nkfurt a. M. teilt mit, daß er im Aufträge der Frankfurter Gemeinde ein häusliches Andachtsbuch als dritten Band seines Gebetbuches verfasse. Darin werde die Hagada u. s. w. enthalten sein, was die Ehegesetze betreffe, so helfe da am allerwenigsten eine sogenannte praktische Kleinarbeit, da müsse er sich schon eher auf den Standpunkt des Herrn Iustizrat Simon stellen und die prinzipielle Uebertragung des Dina demalchuta dina vom Kriminal- und Zivilrecht auf das Lherecht befürworten. — Aus der Debatte habe sich ihm ergeben, daß über das Wort „Religionsgesetz" Unklarheit herrsche. Für den religiösen Liberalismus müsse vor allem über diesen Begriff Klarheit geschaffen werden. Das sei das „prinzipielle", das er immer betone. Fragen des individuellen Lebens dürfen nicht vom Liberalismus als „Gesetz" angesehen werden. Sein Antrag beziehe sich nicht auf die „individuellen Vorschriften", sondern auf Dogma als das Prinzip und auf Gemeindeinstituttonen. Einzelne praktische Fragen könnten als Paradigmata zu den generellen Erörterungen hingestellt werden. DerVorsitzende erklärt hierauf, daß er die einzelnen Anträge dahin aufgefaßt habe, daß es nicht genüge, allgemeine Regeln aufzustellen, sondern daraus auch die praktischen Konsequenzen gezogen werden müßten. Die Kommission dürfe sich nicht nur auf allgemeine Grundsätze beschränken, und es gelte, nicht nur den Rabbinern, sondern auch den Laien zu sagen, was sie zu tun und zu lafsen hätten. Inzwischen ist ein Antrag von Herrn Dr. Seligmann eingegangen, welcher lautet: Die Beschlüsse der dritten Rabbiner- Versammlung über die Sabbatfrage, der zweiten über den Kultus und die Beschlüsse der Synoden werden der Kommission als Material und Richtlinie zu ihrer Arbeit gegeben. Dieser Antrag wird, wie der Vorsitzende auf Befragen feststellt, einstimmig angenommen. Rechtsanwalt Dr. Geiger- Frankfurt a. M. bittet, zur Kommission Vertrauen zu haben, wenn auch Theologen in der Kommission seien, so werde das kein Hinderqis bedeuten, denn die Laien werden schon auf Lösung der praktischen Fragen drängen. Er bitte, alle Anträge der Kommission zu überweisen. — Die Beerdigungsverhältnisse in Frankfurt a. 7X1. liegen sehr im Argen. Er bitte die Kommission, auch hierzu Vorschläge zu machen, sowie um Vorschläge für die Beerdigung von Aschenresten. Endlich beantrage er, alle Anträge der Kommission nicht nur als Material, sondern zur Berücksichtigung zu überweisen. Bruno Heidenheim-Töln spricht sich aus lokalen Gründen gegen die Elberfelder Anträge aus und ersucht, die Anträge der aus Laien und Theologen zusammenzusetzenden Kommission zu überweisen, was die Hagada betreffe,'so solle man es jedem Familienvater allein überlassen, in welcher .Weise er sie der häuslichen Andacht zu Grunde legen wolle. Rabbiner Dr. Kaelter-Danzig: Ein einheitliches Gebetbuch würde allerdings

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