Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 2 (1910)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1910)
- Date
- 1910-08-01
- Page
- Seite 180 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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180 Mir Nürnberger Versammlung — Protokoll Rabbiner Dr. Vogel st ein- SLettin ersucht die Delegierten und Mitglieder zur Nachmittagssitzung ebenso zahlreich wie setzt zu erscheinen. Um U Uhr schließt die Vormittagssitzung und wird nachmittags um 3 Uhr fortgesetzt. * -i- * Der Vorsitzende eröffnet um 3 Uhr die Sitzung und stellt als erstes die Deckung des Defizits zur Beratung. Louis Sachs beanttagt die Einsetzung einer Finanz-Kommission, welche beauftragt wird: \. Mit denjenigen als Ortsgruppen fungierenden vereinen, die bisher weniger als Mk. 3.— pro Kopf bezahlt haben, in Verhandlung zu treten, damit diese entweder durch Erhöhung der Mitglieder-Beiträge oder durch anderweite Maßnahmen der Vereinigung alljährlich einen Beitrag bezahlen, der sich, unbeschadet der Mitglieder-Beiträge der direkten Mitglieder der Vereinigung auf Mk. 3.— pro Kopf der Ortsgruppe beläuft. 2. Mit den Ortsgruppen in Verhandlung zur Deckung des Defizits zu treten, wobei das Defizit möglichst nach Kopfteilen auf die Mitglieder der Vereinigung zu verteilen ist. Zu Mitgliedern der Kommission werden folgende Herren gewählt: Emil Lohn-Berlin als Vorsitzender der Kommission; 2. Dr. med. A. Baerwald-Frankfurt a. M.; 3. Ingenieur Kuczynski-posen; Magistratsrat Heim-Nürnberg; 5. Iustizrat Bernhard Breslauer-Berlin. Es kommen nunmehr die Anträge Dr. Seligmann-Frankfurt a. M., Dr. Vogelstein- Stettin, der Ortsgruppe Elberfeld, Rabbiner Dr. Freudenthal-Nürnberg und Max I. kvolff-Lharlottenburg für die praktische Arbeit der Vereinigung zur Besprechung, Anträge über allgemeine religiöse Grundsätze und spezielle religiöse Einrichtungen im Gottesdienst, im privaten und bürgerlichen Leben, sowie der Antrag des Rabbiners Dr. Seligmann zur Beratung dieser Anträge eine besondere Kommission einzusetzen. Der Schriftführer Professor Dr. Schaefer verliest die Anträge. Rabbiner Dr. Seligmann- Frankfurt a. M. begründet seinen Antrag: Ehe ein bestimmtes Prinzip festgelegt sei, könne man nicht über die einzelnen Anträge Beschluß fassen. Ehe die Meinungen prinzipiell geklärt seien, sei eine Einigung über Detailfragen unmöglich. Bei jeder Einzelfragekäme man schließlich nach uferlosen Debatten doch dahin, daß man sich über die grundlegenden Fragen aussprechen und einigen müsse. Ueber Anttäge, wie sie hier vorliegen, könne wohl heute diskuttert, nicht aber abgestimmt werden. Es seien deshalb heute noch keine Beschlüsse zu fassen, sondern alle Anträge als Material der von ihm beantragten Kommission, welche auf Grund wissenschaftlicher ernster Erörterung ihre Anträge zu stellen habe, zu übergeben. Vogel st ein-Stettin ist prinzipiell derselben Meinung, hält aber eine Besprechung der eingebrachten Anttäge für zweckmäßig, ja für geboten. Ls müsse der Beweis gebracht werden, daß wir uns nicht scheuen, an die Lösung praküscher Fragen heranzutreten. Ls müsse der Welt gezeigt werden, daß diejenigen, die nicht mehr alle Zeremonien innehalten und beobachten, wenn sie sonst den sittlich-religiösen Anforderungen genügen, als religiöse Juden zu betrachten seien, wir müssen bestrebt sein, nach verschiedenen Richtungen hin Erleichterung zu schaffen. Die Delegierten - Versammlung brauche zwar keine Beschlüsse zu fassen, aber sie müsse wenigstens Stellung zu den Fragen des religiösen Lebens nehmen. Er bitte deshalb, auch bei Annahme des Seligmannschen Antrages über die anderen An-