Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 2 (1910)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1910)
- Date
- 1910-08-01
- Page
- Seite 174 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3126481-3126526-3126534--0593-3127377- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
174 Air Nürnberger Versammlung — Protokoll ihrer Zeit gewesen seien. Die Welt sei inzwischen fortgeschritten, und auch an das Judentum trete die Forderung heran, den Ansprüchen der modernen Kultur gerecht zu werden. Ls sei abzulehnen, wenn von gewisser Seite verlangt würde, daß das Judentum bewahren solle, was mit dem Fühlen und Denken unserer Zeit nicht mehr im Linklang stehe. Da die Fesseln sich als überflüssig erwiesen, gelte es, den Kampf zur Befreiung des Judentums durchzuführen. Der Vorsitzende dankt den Herren in Bayern für ihre Mühewaltung und für ihren Lrfolg. Lr erteilt dem Schriftführer, fjerm Professor Dr. Schaefer, das Wort zum Geschäftsbericht. Professor Dr. Schaefer-Berlin gibt einen ausführlichen Geschäftsbericht (vergl. Anlage). Nach dem Referat teilt Der Vorsitzende mit, daß zu dem Geschäftsbericht Anträge der Ortsgruppe Llberfeld betreffend .ein Normal-Statut für die Ortsgruppen und betr. provinzial-verbände vorliegen, und daß diese Anträge zugleich mit der Besprechung über den Geschäftsbericht erledigt werden sollen. Professor Dr. Schaefer-Berlin gibt den Kassenbericht. Der Vorsitzende ersucht die Versammlung, bei °der nunmehr beginnenden Diskussion folgende Reihenfolge innezuchalten: 1. Monatsschrift, 2. Vorträge der Wanderredner, 3. Kasse und Beitragszahlungen. Rabbiner Dr. Freudenthal- Nürnberg bittet, den Geschäftsbericht und Kassenbericht behufs Verbreitung drucken zu lassen. Louis Sachs-Berlin macht darauf aufmerksam, daß nicht alle Einzelheiten des Berichts zur Verbreitung in der weitesten Oeffentlichkeit geeignet wären. Der Vorsitzende konstatiert, daß die Versammlung sich einstimmig für eine Verbreitung des Geschäfts- und Kassenberichts erklärt, soweit er für die Oeffentlichkeit bestimmt und geeignet ist. Die JTlonatsfchrift. so fährt der Vorsitzende fort, hat verschiedene Aufnahme gefunden. Die auf sie bezüglichen wünsche seien mannigfaltig und sehr verschieden. Manche wollen sie populär gestaltet wissen, andere wünschen, daß sie in der Art einer Tageszeitung gehalten werde, wieder andere wünschen Einfügung eines Annoncenteils, was solle nun geschehen. Sollen etwa Mitteilungen über Zubiläen und dergleichen erscheinen, oder sollen nur populäre Artikel veröffentlicht werden, oder sollen mehr Tagesnachrichten gebracht werden? Lr bitte um Aussprache hierüber. Rabbiner Dr. Seligmann- Frankfurt a. M. als Redakteur der Monatsschrift führt hierzu aus: Lr sei, da er die Monatsschrift nicht allein schreiben könne und wolle, auf die Beiträge von Kollegen und Laien angewiesen. Lr habe aus den ihm übersandten Aufsätzen stets die populärsten herausgesucht. wenn man nun sage, die Aufsätze in der Monatsschrift seien zu hoch und zu theoretisch, so könne er der Versammlung nur sagen: Lr habe seine Mitarbeiter stets gebeten, ihm populäre Arttkel für die Zeitschrift zu liefern. Lr habe Rundschreiben an die Mitarbeiter um solche Artikel entsandt, das Resultat aber sei gewesen, daß 99°/° der eingelaufenen Arbeiten unbrauchbar waren, weil sie unserer Weltanschauung widersprachen. Feuilletonistische Arbeiten finde man fast nur bei tzen Zionisten. Auf ein tieferes Niveau können wir nicht hinabsteigen, die Monatsschrift müsse auf einer gewissen geistigen Höhe stehen, da sie erzieherische Wirkung ausüben solle. Die Damen und Herren mögen ihn durch Mitarbeit