Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 2 (1910)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1910)
- Date
- 1910-08-01
- Page
- Seite 173 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Aie Nürnberger Versammlung — Protokoll 173 außen sichern und zur Verwirklichung der prophetischen Verheißung führen kann. So haben es unsere weisen einst schon ausgesprochen (pesikta, Abschn. 10): „Die äußere Zahl Israels wird immer mangelhaft sein; aber ein Heilmittel gibt es: Jede Zahl unter ihnen selber, die sich fest zusammenschließt, wird ihnen zur Sühne werden für jeden Fehl und Mangel, wird erwirken, daß Israel rein und leuchtend dasteht vor Gott und vor den Menschen!" Gesegnet ein Jeder unter uns, der daran mitarbeitet! Gesegnet ein Jeder, der vorbereiten hilft die Zeit, da man draußen nicht mehr von uns sagen wird: Ihr seid nicht mein Volk, und da wir drinnen uns alle nennen dürfen: Rinder des lebendigen Gottes! Amen! II. Protokoll cler Zweiten Delegierten- und Mitgliederversammlung der Vereinigung tür das liberale Judentum in Deutschland am Sonntag, den 5. Juni 1910, im Hotel „Goldener Hdler“ zu Nürnberg. Anwesend sind 89 Delegierte und Mitglieder aus allen Teilen Deutschlands. (Siehe Präsenzliste.) vom Vorstand sind außer dem Vorsitzenden anwesend: Herr Oberlehrer Professor Dr. Schaefer-Berlin, Herr Iustizrat Dr. Hermann Veit SirNon-Berlin, Herr Rabbiner Dr. Vogelstein-Stettin, Herr Sanitätsrat Dr. Tarl Reich-Breslau, Herr Bruno Heidenheim- Töln, Herr Rabbiner Dr. Seligmann-Frankfurt a. M., Herr Rabbiner Dr. Freudenthal- Nürnberg, Herr Realschuldirektor Gombrich- Nürnberg, Herr. Rechtsanwalt Moos I-Ulm, Herr Albert Landauer-München, Herr Kommerzienrat Max Elb-Dresden, Frau Rosa Sachs-Berlin. Dervor sitzende eröffnet um 8V2 Uhr morgens die Versammlung. Er begrüßt die Erschienenen. Zum ersten Mal sei man zusammengekommen, um öffentlich auszusprechen, was die Vereinigung wolle, um die Oeffentlichkeit von dem in Kenntnis zu setzen, was wir über die jüdische Religion und ihre Ausübung denken und zu sagen haben. Aus fast allen Landesteilen des deutschen Reiches seien Delegierte und Mitglieder erschienen. Auffallend sei nur, daß aus der Provinz Westfalen, wo die Vereinigung einen starken Anhang hat, niemand erschienen sei. Die zwei Jahre des Bestehens der Vereinigung haben gezeigt, daß der Kreis unserer Anhänger ein sehr großer ist, größer als man bei Gründung der Vereinigung gedacht habe, zumal nicht alle Freunde der Vereinigung zugleich ihre Mitglieder geworden sind. Die Anschauungen gehen im einzelnen zwar weit auseinander, sowohl nach rechts als nach links; der Vereinigung aber liege es ob, den richtigen Mittelweg zu finden, auf dem sich alle einigen können. Den Linksstehenden sei gesagt: Es geht noch nicht fo, wie sie es gern möchten, den Rechtsstehenden: Ls geht nicht mehr so, wie es bisher gegangen ist. Alle müßten aber das Beste des Judentums im Auge behalten: Erhaltung und dauern^ Förderung des Judentums, als der Religion, auf der die Zukunft der Menschheit beruht. Direktor Gombrich-Nürnberg, der Vorsitzende des Vereins für die liberalen Interessen des Judentums in Nürnberg, begrüßt die Erschienenen im Namen der Orts-; gruppe Nürnberg. Es gelte Hand anzulegem an die Befreiung der Lehre und des Kultus; denn die Fesseln, in denen sich beide befinden, seien nicht göttlichen Ursprungs, sondern von Menschen angelegt, die als solche Kinder-