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Liberales Judentum · 1910-08-01 · Heft 8-9 (August 1910) · p. Seite 170

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Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 8-9 (August 1910)
Date
1910-08-01
Page
Seite 170 (sequence 2)
Language
German
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170 Nie Nürnberger Versammlung — Festpredigt ringer Zahl, sich zusammenfinden zu solcher Bekundung, zur Förderung solch' reinen Strebens, zur Verwirklichung solch' guten Willens, zur Annäherung an dieses höchste und hehrste Ziel der Gegenwart und Zukunft, da haben wir alle ohne Unterschied Grund zu aufrichtiger Freude und zu brüderlichem willkommengruß. Unserer Gemeinde ist es zum erstenmal seit ihrem jungen Bestände vergönnt, aus dem ganzen deutschen Vaterlande Männer und Frauen bei sich versammelt zu sehen, die ausschließlich und allein das lebhafteste Interesse am Fortbestand unserer heiligen Religion Hierselbst zusammenführt, Männer und Frauen, die im letzten Grunde nur darüber Beratung pflegen wollen, wie sich die prophetische Verheißung von der g e i st i g e n Zukunft Israels verwirklichen, wie es sich ermöglichen läßt, daß bei der ä u ß e r e n Geringzahl Israels wenigstens alle in seinem Innern und selber innerlich und in Wahrheit sich als Rinder des lebendigenGottesfühlen, wenn ich denjenigen unter den Versammlungsteilnehmern, die bereits heute und hier in unserem Gotteshause erschienen sind, und unter denen ich zu meiner Freude so manchen mir lieben und vertrauten Amtskollegen erschaue, herzlichen Willkommengruß auch von dieser geweihten Stätte aus entbiete, so geschieht es nicht, um damit irgend eine religiöse jDarteistellung kundzutun oder ihr gar hier das werbende Wort zu reden. Der Grt, auf dem ich stehe, ist heilig, und wie er über die ganze Gemeinde emxorragt, so kann auch das Gotteswort, das von ihm ausgeht, nur an die ganze Gemeinde sich richten und nur das zum Inhalt haben, was uns allen in diesem Hause gemeinsamer Glaube, gemeinsame Anschauung, gemeinsame Wahrheit ist oder zum mindesten sein sollte. Aber gerade darum möchte ich eben auf das Gemeinsame Hinweisen, das uns alle, die ständigen wie die heute zufälligen Besucher unseres Gotteshauses, die Angehörigen wie die Gäste unserer Gemeinde miteinander verbindet und doch nichts anderes ist als der eine Wunsch, der uns beseelt: dem schönen Traumbild von unserer geistigen Zukunft den Gdem des Lebens einzuhauchen, die Rraft der Wirklichkeit dem Worte des Propheten von heute zu schaffen: „Ls wird geschehen, statt daß man von ihnen sagt: Ihr seid nicht mein Volk, wird man sie nennen: Rinder des lebendigen Gottes." wir werden nach zwei Seiten hin, nach außen und an uns selber, für diese Verwirklichung zu arbeiten haben. Aber was die Arbeit leichter und ersprießlicher macht, — es ist dieselbe Saat, die wir hier und dort zu säen, es sind dieselben Rörner, die wir auszustreuen haben, auf daß dieselbe Frucht in Israel und unter den Menschen endlich reife! Nach außen zunächst geht unsere Arbeit, denn von dort her vernehmen wir noch immer, ja sogar gefährlicher als je zuvor, die Worte, die der Prophet in der Zukunfk bereits für überwunden hielt: „Ihr seid nicht mein Volk, Ihr habt nicht das Recht, Luch Rinder des lebendigen Gottes zu nennen." Die Vereinigung, die morgen ihre Tagung hier abhält, hat erst kürzlich aufs glänzendste durch die Tat bewiesen, daß gerade wir modern denkenden Israeliten nicht gewillt sind, einen solchen aus finsteren Jahrhunderten überkommenen Vorwurf stillschweigend hinzunehmen, und daß wir nicht bloß den Mut, sondern — was ebenso wichtig ist — auch den Takt der rechten Verteidigung gegen solche Zurücksetzung des geistigen und sittlichen Gehalts unseres Glaubens besitzen. Aber eine solche Verteidigung kann man nuv wagen, wenn man die Ergebnisse der Wissenschaft als schneidige Waffe zu handhaben weiß, und wenn man sich zum Gedanken eines ständigen Fortschritts-

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