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Liberales Judentum · 1910-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1910) · p. Seite 148

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Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1910)
Date
1910-06-01
Page
Seite 148 (sequence 28)
Language
German
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148 Ar. Gsldschrrndt: Existenzberechtigung des liberalen Judentums 0 O o o Bielefeld in Nr. \3 dss. Blattes in dem Artikel : „Ist die Liberale Vereinigung auf dem richtigen Wege?" entwickelt hat? Tr sagt: „Glaubten wir doch, daß der Verein nur den Zweck verfolge, alle diejenigen zusammenzuschließen, die in der Orthodoxie den natürlichen Feind erblicken." . . . „Wie kam es nun statt dessen? Die Antwort gibt einmal die in der konstituierenden Versammlung gefaßte Resolution, die, anstatt die unversöhnliche Gegnerschaft und 'Gefährlichkeit der Orthodoxie gebührend zu betonen, es für nötig erachtet ... zu bestätigen, daß „sie einen vollberechtigten Faktor im Leben der deutschen Juden" darstelle." Ist das nicht ein Aufruf zum Kampf gegen die Orthodoxie? Ich kann mir aber nicht denken, daß Herr Dr. Katzenstein einem Kampfe gegen die Orthodoxie das Wort reden wollte. Sagt er doch selbst: „Lib eralismus ist Duldsamkeit", und sollte denn Duldsamkeit nur von der Orthodoxie gegen den Liberalismus und nicht auch umgekehrt verlangt werden müssen? Tr kann von seinem Standpunkte aus nur die Unduldsamkeit der Orthodoxie bekämpfen, nicht aber die Orthodoxie, soweit sie in ihren Grenzen bleibt und den Liberalismus in Ruhe läßt. Ts ist, ja wahr, Herr Dr. Katzenstein denkt zu viel an Kampf, er erblickt die Aufgabe der „Liberalen Vereinigung" in Irgend einem Kampfe. Freilich denkt Herr Dr. Laqueur, gegen den er polemisiert, auch nicht anders, nur daß er für einen Kampf gegen den „Monismus" und den „Materialismus" plädiert. Diese beiden Herrn teilen den Irrtum des Herrn j)rof. Dr. Berliner, sie denken ebenfalls zu viel an Prinzipien und zu wenig an die Tatsachen und die Menschen. Und doch sagt Herr Dr. Katzenstein selbst: „Die Tiferer innerhalb der Liberalen Vereinigung mögen sich doch klar machen, in wie vielen Fällen es bei den sogen. „Indifferenten" idealistische Beweggründe sind, wenn sie trotz abweichender Ueberzeugung in religiöser Beziehung es ablehnen, dem Judentum auch äußerlichdenRückenzukehren." An diese und nur an diese hätte Herr Dr. Katzenstein denken sollen und nicht an irgend welche philosophische Systeme. Nur an diese, „die trotz abweichender Ueberzeugung in religiöser Beziehung es ablehnen, dem Judentum auch äußerlich den Rücken zu kehren," hat die „Liberale Vereinigung" zu denken, nicht ihnen vorzuschreiben, was sie zu glauben haben — welcher „Liberale" läßt sich das vorschreiben? — sondern nur, um sie zu sammeln, durch Vereinigung sie stark zu machen, sie zur Schöpfung einer ihnen entsprechenden Gemeindeverfassung zu bringen, innerhalb ihrer Gemeinden gottesdienstliche Formen zu erzeugen, die ihrem modernen religiösen Bedürfnisse entsprechen, dem Liberalismus eine soziologische Struktur zu geben, wodurch er allein aus dem unproduktiven Individualismus zum geschichtlichen Leben fortzuschreiten vermag. Ich meine, diese Aufgabe der friedlichen j)flege und Gestaltung des Gegebenen gibt der „Liberalen Vereinigung" Arbeit genug für Jahrzehnte, so daß sie gar keine Zeit und keine überflüssigen Kräfte für den Kampf nach außen hat. Kampf mit den Schwierigkeiten nach innen, nicht mit den Personen nach außen! Wer sich für religiös-liberal hält und bei der Liberalen Vereinigung ankloxft, der ist willkommen. Ts wird 'ihm kein Glaubensbekenntnis vorgelegt, das er zu unterschreiben hätte. Ts genügt, daß er Jude ist und . . . „die Brüder sucht". Db er Monist ist, oder Materialist, oder Dualist, 'oder Pantheist usw. — das ist seine Sache,

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