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Liberales Judentum · 1910-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1910) · p. Seite 139

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1910)
Date
1910-06-01
Page
Seite 139 (sequence 19)
Language
German
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o o e o Klau: Dient dir Liberale Bewegung zur Erhaltung des Judentums? 139 innerhalb der Gemeinde die religiöse Befriedigung findet, die sie sucht. Berechtigt erscheint uns aber in einer, jüdischen Gemeinde jede Richtung, die auf den erwähnten ewig unverrückbaren Grundlagen des Judentums ruht. Ist so der Frieden und die Einheit trotz Verschiedenheit der Auffassung im Verhältnis der einzelnen zu einander wie yn Leben der Gemeinde überhaupt und namentlich in der Gemeindeverwaltung gewahrt, so werden wir um so kraftvoller und mächtiger zusammen stehen da, wo es so bitter not Lut, in Fragen unserer Gleichberechtigung im Staate, in Fragen der Ehre der Juden heit und des Juden t u m s. Ob ein solch gleichberechtigtes Nebeneinanderleben der verschiedenen Richtungen innerhalb einer Gemeinde möglich ist? Schauen wir auf den deutschen Protestantismus, besonders auf den preußischen, in welchem Orthodoxie und Liberalismus mit ähnlichen, keinesfalls weniger scharfen Richtungsunterschieden existieren, und wo in den Gemeinden beide Richtungen einmütig Zusammenwirken. Denn wenn schon einmal in Bezug auf unsere Richtungen auf das Christentum exemplifiziert werden soll, so muß jeder die Verhältnisse unbefangen Beurteilende zugeben, daß viel mehr als der Unterschied zwischen Katholiken und Protestanten der zwischen den kirchlich- 0 r t h odoxen und den kirchlich - liberalen Protestanten zum Vergleich herangezogen werden muß; wenn unsere Separatisten dies nicht tun, so ist der Grund hierfür leicht erkennbar: sie wollen eben nicht mit ihren eigenen Argumenten geschlagen werden. Ob ein solch gleichberechtigtes Nebeneinanderleben der verschiedenen Richtungen innerhalb einer Gemeinde möglich ist? Schauen wir auf Breslau, wo diese Rlöglichkeit seit Jahrzehnten in mustergiltiger Weise zur Wirklichkeit geworden ist. Schauen wir auf Frankfurt a. 7X1., auf die alte, die Uluttergemeinde Frankfurt, nicht auf die Israelitische Religionsgesellschaft, die sich von ihr getrennt hat und ihre gesonderten kultuellen und rituellen Institutionen noch heute unterhält, trotzdem die Rluttergemeinde solche seit Jahrzehnten in einer Art aufzuweisen hat, deren Rkustergiltigkeit und Religionsgesetzmäßigkeit im Sinne der strengsten Observanz selbst die orthodoxesten osteuropäischen Autoritäten weder in Zweifel ziehen können noch wollen. Dieselbe Gemeindeverwaltung, unter deren Schutz und mit deren Mitteln die erwähnten Institutionen blühen, gewährt auch den nichtorthodoxen Gemeindemitgliedern das, was nach deren Ansichten zu ihren religiösen Lebensnotwendigkeiten gehört, mit der gleichen Liebe und der gleichen Freudigkeit. Man frage irgend ein orthodoxes Frankfurter Gemeindemitglied, ob je seit Jahrzehnten der orthodoxen Richtung irgend etwas verweigert worden ist, was mit der Begründung eines Bedürfnisses der Orthodoxie gefordert worden ist. von besonderem Interesse in Bezug auf das Verhältnis zwischen den beiden Richtungen im Judentum ist es, wie es mit der Erteilung des Religionsunterrichts in der Frankfurter Muttergemeinde bestellt ist. Für Religions- und hebräischen Unterricht außerhalb der höheren Lehranstalten ist durch private, von der Gemeinde stark subventionierte Schulen reichlich gesorgt. Da in Frankfurt der Religionsunterricht nicht einmal für die im schulpflichtigen Alter befindlichen Kinder obligatorisch ist, hat die Gemeinde es dank dem Entgegenkommen der städtischen und staatlichen Schulbehörden zu Wege gebracht, daß in sämtlichen höheren Lehranstalten Frankfurts innerhalb der lehrplanmäßigen Zeit jüdischer Religionsunterricht erteilt wird. Wiewohl in einem Teil der Schulen liberale, in dem anderen orthodoxe Lehrer, ja oft in denselben Schulen in verschiedenen Klassen liberale und orthodoxe

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