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Liberales Judentum · 1910-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1910) · p. Seite 138

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Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1910)
Date
1910-06-01
Page
Seite 138 (sequence 18)
Language
German
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138 Sla«: Airnt die librrslr Bewegung zur Grhultung des Judentums? o o o o Interesse der Erhaltung des Judentums liegt, dieses Ziel möglichst zu erreichen. Die liberale Vereinigung ruft zur Erreichung dieses Zieles alle Nichtorthodoxen auf, sowohl die sogenannten Radikalen als auch die sich im Gegensatz zu den Orthodoxen konservativ Nennenden, auch letztere, weil den Orthodoxen feder nicht voll auf ihrem Standpunkt Stehende als Sünder, als Lösche Iisroel gilt, und wenn er noch so konservativ ist, und wenn er noch so sehr bemüht ist, ihren Beifall zu erringen. Das liberale Programm, das, wie aus der bisherigen Schilderung ersichtlich ist, nicht etwa erst Unterschiede zwischen Orthodoxen und Nichtorthodoxen schafft, sondern die vorhandenen und bekannten zum Ausdruck bringt, hat schon in der konstituierenden Versammlung, in der es zur Annahme gelangt ist, eine Ergänzung erfahren. Um die Befürchtung zu entkräften, daß die liberale Vereinigung eine Kampfvereinigung gegen die Orthodoxie sei, haben die Verfasser des Programms der Versammlung eine Resolution vorgelegt, welche folgendermaßen lautet: „Der religiöse Liberalismus im Judentum entnimmt seine Berechtigung aus dem Wesen des Judentums und seiner geschichtlichen Entwickelung und stellt somit neben der Orthodoxie einen vollberechtigten Faktor im Leben der deutschen Juden dar. wie der religiöse Liberalismus das Selbstbestimmungsrecht der Orthodoxie in ihren religiösen Angelegenheiten anerkennt und jeden Gewissenszwang verwirft, so verlangt er das gleiche Recht und die gleiche Freiheit für sich. Die Anerkennung dieser Grundsätze bildet die unverrückbare Grundlage eines friedlichen und gedeihlichen Zusammenwirkens innerhalb der Gemeinden. Unser Programm enthält die Forderungen, die der jüdische Liberalismus für sich aufstellt und im Gemeindeleben betätigen will; dem liberalen Prinzip der Gewissensfreiheit entsprechend wird bei seiner Durchführung den lokalen Verhältnissen Rechnung zu tragen sein. Unter Berücksichtigung dieser Erklärungen empfiehlt sich die unveränderte Einnahme des Programms." während das Programm in der Versammlung nicht die Billigung aller, wenn auch der überwiegenden Majorität gefunden, ist diese Resolution einstimmig, angenommen Worden. Damit aber ist in unzweideutiger weise zum Ausdruck gekommen: wir liberalen Juden verlangen die Berücksichtigung unserer Auffassung mit ihren Konsequenzen füx Kultus, Ritus und Religionsunterricht für uns; die hergebrachte Auffassung mit ihrem Kultus und Ritual wollen wir in jeder Weise unbeeinträchjtigt lassen, wir wollen den orthodoxen Besitzstand in keiner weise angreifen. Wie in der Politik, so stehen wir auch in der Religion auf dem Grundsatz der Gewissensfreiheit; wie in der Politik so auch in der Religion chalten wir ein retardierendes und ein fortschrittliches Element für gleich notwendig, damit der lebendige Strom einerseits nicht versande und andererseits nicht über seine Ufer hinausschieße. Ja wir wollen, wenn nur die Orthodoxie unser Selbstbestimmungsrecht in unseren religiösen Angelegenheiten in gleicher weise unangetastet läßt, wie wir das Selbstbestimmungsrecht der Orthodoxie in ihren religiösen Angelegenheiten, auf die lokalen Verhältnisse, auf Gewohnheiten, Sitten weitgehendste Rücksicht nehmen und jede Reibungsfläche und jede Beeinträchtigung auch da vermeiden, wo unsere orthodoxen Brüder sich in der Minorität befinden, wir meinen es wahrhaft ernst mit dem Frieden und der Einheit der Gemeinden; der Frieden und die Einheit werden aber nur dann gewahrt, wenn es keine Unzufriedenen in der Gemeinde gibt — wenn jede eine entsprechende Anzahl von Anhängern aufweisende berechtigte Richtung

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