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Liberales Judentum · 1910-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1910) · p. Seite 137

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1910)
Date
1910-06-01
Page
Seite 137 (sequence 17)
Language
German
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Man: Ment dir lidernte Sewrgrmg zur Erhaltung des Judentums I 137 der Entrüstung über die Anmaßung der Orthodoxie und einen Ruf nach Sammlung auch der Nichtorthodoxen hervorgerufen — Rufe, die nicht ungehört verhallt sind und die den äußeren Anlaß zur Gründung der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland gegeben haben, der bereits über 5000 Mitglieder angehören und die danach strebt, möglichst alle nichtorthodoxen Juden Deutschlands als begeisterte Mitglieder heranzuziehen. Der Ruf der Sammlung, der in weiten Kreisen bereits Nachhall gefunden, aber lautet: wir sind Juden, wenn auch viele von uns nicht glauben, daß die Bibel unserem Lehrer Moses von Gott direkt in die Feder diktiert, wenn viele von uns auch die Offenbarung mehr geistig auffassen. Wir sind ßuben, wenn wir alle auch nicht glauben, daß das Religionsgesetz, wie es im Schulchan-Aruch gesammelt vorliegt, göttlich inspiriert und darum in allen seinen Bestimmungen ewig verbindlich und unabänderlich ist. Wir sind Juden, weil wir mit der ganzen Glut unserer Seele an den einen, einzigen, heiligen Gott als den Urquell der natürlichen und der sittlichen Welt und an die Berufung Israels zum Träger und Verbreiter dieser Lehre glauben und diese beiden Sätze mit ihren Konsequenzen allein als die ewig unabänderlichen Grundlehren des Judentums betrachten, im übrigen aber davon überzeugt sind, daß das, was man Religionsgesetz nennt, in der Zeit und für die Zeit entstanden, daher in geänderten Zeitverhältnissen entsprechender Aenderung fähig ist — wie es denn auch tatsächlich schon geändert worden ist — und daß wir demgemäß, wenn die Zeitverhältnisse, unter denen wir leben, es erfordern, gleichfalls zu Aenderungen berechtigt und, wenn es sich um die Erhaltung des Judentums handelt, geradezu verpflichtet sind. Gb rojir so gute Juden sind wie die Orthodoxen, das wird die Zukunft lehren. Für die Gegenwart liegt die Bewährung und die Bewertung des Judentums darin, daß und wie viel der einzelne Jude mit seinem Herzen, seiner Seele und — seinem vermögen für das bedrohte Judentum tätig ist. Dieser Ruf hat einen prägnanten Ausdruck gefunden in dem Programm, das die liberale Vereinigung sich gegeben hat und das, weil ein Programm präzise und nicht zu lang sein darf, vielleicht Manches, was dem einen wesentlich erscheint, nicht enthält, und manches wiederum sagt, das nicht die Billigung aller findet, das aber um der notwendigen Einigung und Einigkeit willen doch tel quel akzeptiert worden ist, weil es im allgemeinen als der Ausdruck des Gesamtwillens des liberalen Judentums angesehen werden konnte. Für diejenigen „Nichtorthodoxen", die an dem Programm manches auszusetzen haben — dazu gehören nicht etwa bloß mehr nach rechts, sondern auch noch weiter nach links neigende Elemente — sei gesagt, was auch in der Versammlung, in welcher das Programm angenommen worden ist, gesagt worden ist, daß dieses Programm weder seinem Wortlaut noch seinem Inhalt nach unabänderlich ist und sicher im Laufe der Zeit und auf Grund gesammelter Erfahrungen noch manche Aenderung erleiden wird. Der Anschluß an die liberale Vereinigung bedeutet demnach nicht eine Billigung jedes Wortes und jedes Gedankens des Programms; er soll nur zum Ausdruck bringen, daß nach der Ansicht des sich Anschließenden dem orthodoxen Judentum unserer Tage nicht die Fähigkeit inne wohnt, auch die nichtorthodoxen deutschen Juden bei der Fahne des Judentums zu erhalten, daß es aber im dringendsten Interesse, im

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