Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 2 (1910)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1910)
- Date
- 1910-06-01
- Page
- Seite 134 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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134 Mau: Airnt die liberale Kewegrmg zur Erhaltung des Judentums wachgeküßt haben, — der eine pririj war allerdings etwas unsauber und der Ruß etwas sehr bitter — sind der moderne Antisemitismus und der gleichfalls moderne Ruf nach Verinnerlichung, nach Religion! In dem Kampfe gegen den Antisemitismus haben sich um die Fahne der bedrängten Mutter fast alle ihre Rinder geschart. Mit Peinlichkeit wurde darauf geachtet, daß nicht berührt werde alles, was sie trennte — und bas wav im wesentlichen gerade die Verschiedenheit der religiösen Anschauung. Nur das Einigende wurde betont, und Schulter an Schulter kämpften orthodoxe, religiös-liberale und gänzlich irreligiöse Juden. Mit vereinter Rraft wurden alle diejenigen Institutionen geschaffen bezw. reorganisiert, welcher das bedrängte Judentum zu seiner Verteidigung und zu seiner Kräftigung bedurfte. Man schuf den Zentralverein deutscher Staatsbürger Jüdischen Glaubens, der, wenn ich mich einmal, um die Funktionen dieser Institutionen kurz zu kennzeichnen, der Einrichtungen des Staates als parallele bedienen darf, gleichsam die Rolle des Ministeriums des Aeußern übernahm; man kräftigte und baute den deutsch-israelitischen Gemeindebund aus, der auf diese Meise den Posten des Ministeriums des Innern besser ausfüllen konnte, und man gründete endlich den Verband der Deutschen Juden, der, wo es notwendig erscheint, die Kräfte der verschiedenen Ministerien auf das einheitliche Ziel, die Erhaltung des Judentums, zusammenfassen sollte. Die Arbeit der inneren Mission im schönsten Sinne dieses Mortes, ich meine die Sorge für die geistige und sittliche Hebung der Gemeinschaft übernahm der nach Deutschland verpflanzte Grden Bne Briß; und als die Verfolgung und Unterdrückung unserer osteuropäischen Glaubensgenossen das Eingreifen ihrer deutschen Brüder erheischte und der tiefe Bildungsstand der orientalischen Juden eine lebhafte materielle Unterstützung unsererseits erforderlich machte, da erstanden ber Hilfsverein der deutschen Juden und die Deutsche Konferenzgemeinschaft der Alliance israelite universelle — garnicht zu reden von der Masse großer und kleiner, lokaler, provinzieller und Landes - Vereine und Verbände, die neben diesen Hauptorganisattonen neu geschaffen oder gestärkt wurden, nicht zu reden von dem Miederaufblühen, das die jüdischen Gemeinden durch das Heranziehen dieser Kräfte zu ihrer Verwaltung erfahren haben. Im Garten des Judentums fing es zu blühen an; das Gemeindeleben begann das fast erstorbene Interesse vieler Gemeindemitglieder wachzurufen; eine Reihe vernachlässigter oder gefährdeter religiöser Instituttonen erfuhr Förderung und Kräftigung; selbst das Interesse am Kultus erfuhr eine Neubelebung, und das alles dank der Zusammenarbeit aller, die der Mille zum Judentum einte, während die Einzelnen in Bezug auf religiöse Anschauungen und religiöse Betättgung weit auseinandergingen. Mie wenig durch dieses Zusammenarbeiten die religiösen Interessen und Gefühle unserer orthodoxen Brüder je eine Beeinträchtigung erfuhren, dafür kann ich mich auf das Zeugnis eines anerkannten Führers der deutschen Orthodoxie, Benjamin Hirsch-Halb erstadt, berufen, der auf dem vorletzten Gemeindetag des D.-I. G.-B. erklärt hat, gerade damit es gewisse abseits stehende orthodoxe Kreise hören: — „Meine Herren! Ihnen ist bekannt, daß ich der orthodoxen Richtung des traditionellen Judentums angehöre. Ich bin von mancher Seite deshalb angegriffen worden, trotzdem habe ich's überall erklärt: In meiner Zugehörigkeit zum D.-I. G.-B., in meiner Zugehörigkeit zum Ausschuß und zum Vorstand habe ich nie etwas erfahren, was dem orthodoxen Juden entgegen ist."