Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 2 (1910)
- Issue
- Heft 4 (April 1910)
- Date
- 1910-04-01
- Page
- Seite 87 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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o o o o Prof. Ar. K. Meudrlsohrr: Are Mischen- RitnaLgesrtze 87 Gefolge des Genusses von Austern und Weißmuscheln, die von bestimmten Rüsten stammen, beobachtet hat. Ein dunkles Gebiet, welches aber seine Schatten auch auf erlaubte Tierklassen erstrecken kann. Wenden wir uns zu den Wirbeltieren, zunächst zu den Fischen. Der Mangel an Floßfedern und Schuppen, soll ein Zeichen von Erlaubtem und Unerlaubtem sein, ein schon recht bedenkliches Unterscheidungsmittel. Der Unterschied zwischen den echten Schuppen der eßbaren Fische, den Schildern der Störe und den Rnochenkörnern der sogen. Selachier d. h. der Rochen und Haie ist nur ein gradueller. Sie alle sind Verknöcherungen der Lederhaut, welche bei den nächsten Verwandten bald auftreten, bald fehlen. Man hat es aufgeben müssen, auf die Form der Schuppen eine systematische Anordnung der Fische zu gründen, da verschiedene Schuppenformen bei demselben Individuum zusammen Vorkommen. Vielen jist gewiß nicht bekannt, daß der verbotene Aal echte Schuppen besitzt, der erlaubte Lederkarpfen aber keine Schuppen trägt. Ferner daß die Gattung der eßbaren Schollen in manchen Arten kleine Schuppen neben Rnochenhökern, zeigt, in anderen frei von Schuppen rst; daß die verwandte Gattung Rhombus ohne Schuppen ist, aber am Ropfe Hautknochen besitzt, welche eben durch Verwachsung von Schuppen entstanden sind, wie man an den wenigen Beispielen erkennt, hat die Natur jeden scharfen Unterschied der vier Arten von Gberflächenbekleidung mit Hart- Leilen bei den Fischen verwischt. Nicht besser steht es mit den Flossen der Fische. Schon der Unterschied zwischen Flossen mit harten und weichen Strahlen ist kein durchgreifender, da alle Arten von Uebergängen Vorkommen. Was nun die sogenannte Fettflosse betrifft, welche gar keine Flossenstrahlen besitzt, so kommt sie z. B. in der Lachsfamilie zugleich mit den anderen Flossenarten vor. was nun weiter das Vorhandensein und Nichtvorhandensein der Flossen anbelangt, so variieren die Größenverhältnisse derselben ungemein auch bei verwandten Gattungen von riesenhafter Entwicklung bis fast zum Verschwinden. Zur Gruppe der Scomberosoces gehört z. B. unser Hecht mit kleinen Brustflossen und der fliegende Fisch mit den mächtigen, als Fallschirm entwickelten Brustflossen. In der Familie der Aale fehlen bald die Bauchflosse, wie bei der Muräne, beide aber besitzen die als notwendig geforderte Rückenflosse, nebst der Schwanz- und Afterflosse. Eine Einteilung der Fische, wie sie Linn6 gegeben, und auf der Flossenstellung, sowie der Abwesenheit gewisser Flossen beruht, hat sich bei der Weiterentwicklung unserer Renntnisse nicht festhalten lassen. Gehen wir über die nur selten zum Genuß herangezogenen Amphibien und Reptilien hinweg, zu den vögeln, so lassen sich diese schnell erledigen. Die meisten der genossenen Vögel sind Rörnerfresser, doch verschmähen manche derselben, wie die Hühner, durchaus nicht Würmer etc. heranzuziehen und die Ente ist fast ein Allesfresser. Die Raubvögel werden wohl nirgends genossen und die reinen Insektenfresser werden nur — zu unserem allseitigen Bedauern — von der armen, omnivoren Bevölkerung Italiens fortgefangen. Das umstrittendste Gebiet ist das der Säugetiere. Die meisten Familien derselben sind allerdings schon durch ihre Seltenheit vom Genüsse ausgeschlossen, wir brauchen hier nur die domestikierten Säugetieren in Betracht zu ziehen, von den Iagdtieren spielt allein noch der Hase eine Rolle, doch nicht eine solche, daß er des Streites wert wäre. Das Reh gehört zu den Wiederkäuern und ist deshalb an sich erlaubt, nur verlangt man hier ebenso wie bei den anderen erlaubten Säugetieren, daß es geschächtet wird.