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Liberales Judentum · 1910-04-01 · Heft 4 (April 1910) · p. Seite 86

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 4 (April 1910)
Date
1910-04-01
Page
Seite 86 (sequence 14)
Language
German
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86 Knrf. Ar. S. Mrndrlfohn: Air jüdischen NituaLgrsetzr o o o Braten, pökeln oder Räuchern, ein sicheres Zerstörungsmittel gegen Vergiftungen. Die Uebereinstimmung der Fisch-, Fleisch-, Wurst- und Käsevergiftung in vielen Symptomen, lassen mich annehmen, daß ein gemeinsamer Stoff in allen diesen Fällen wirkt." Welcher Art diese Gifte feien, darüber sind wir — von gewissen Bakterienwirkungen abgesehen — bis zum heutigen Tage nicht klar geworden. „Den versuch, diese giftigen Produkte zu chemisch gut charakterisierten ptomainen in Beziehung zu setzen, habe ich schon früher zurückgewiesen." Gesetzt aber, wir würden solche Ptomatropine — wie sie Robert nennt — auch wirklich isolieren, so ständen wir ihrer Unschädlichmachung höchst wahrscheinlich ohne Waffen gegenüber. Nach diesen Ausführungen würden wir noch heute gut tun, an dem bewährten Grundsatz „nur frisch geschlachtete Tiere als Nahrungsmittel zu verwenden" festzuhalten. Die Einrichtung von gemeinsamen, gut kontrollierten Schlachthäusern in den Städten, ist gewiß ein Zeichen dafür, daß auch in nicht jüdischen Kreisen die Ueberzeugung von der Trefflichkeit dieses jüdischen Speisegesetzes durchgedrungen ist. Der Unterschied liegt nur in der Art der Schlachtung. Ueber das Für und Wider der Schächtung ist in neuerer Zeit so viel geschrieben worden, und die Sicherheit der Schächtmethode so wenig zu bestreiten, daß wir kein Wort darüber verlieren wollen. Sollte einmal eine zweifellos bessere Methode für die Tötung eines Tieres gefunden werden, so brauchen wir uns dem Besseren nicht zu verschließen, aber die jüdischen Schächtgebote hatten auch 'dann ihre Kulturaufgabe durch Jahrtausende erfüllt. Anders als mit der Schächtmethode selbst, steht es schon mit der Untersuchung des geschlachteten Tieres. Kein Mensch dentt heute daran, seine Gesundheit, oder auch nur die eines Tieres, einem Mitglieds der Priesterkaste oder einem Rabbiner anzuvertrauen. So wenig wir nun über die auf modernen naturwissenschaftlichen Basis beruhenden Kenntnisse eines Menschenarztes hinweggehen können, so wenig dürfen wir uns bei der Untersuchung eines geschlachteten Tieres auf die Schäfermedizin eines Mannes verlassen, dessen Kenntnisse 2—3000 Jahre rückwärts liegen. Mhne Lupe und Mikroskop, ohne bakteriologische Untersuchung, darf eben kein verdächtiges Fleisch aus dem Schlachthause heraus, dem Verkehr übergeben werden. Diese Tätigkeit jüdischer Kultusbeamten hat sich überlebt und kein einziger Jude, sei er noch so orthodox, wird sich auf solche Untersuchungen allein verlassen wollen, falls er nicht in frivoler weise Leben und Gesundheit den Seinigen auf's Spiel fetzen will. was nun die Auswahl der Tiere betrifft, welche genossen werden dürfen oder nicht, so müssen wir die einzelnen Tiergruppen kurz getrennt behandeln. Daß die I wirbellosen Tiere ausgeschlossen sind, wäre im Allgemeinen kein nennenswerter Nachteil. Die wenigen hierhergehörigen Tiergruppen, welche überhaupt genossen werden — wenn wir von den Chinesen absehen, sind meist Delikatessen, wie Krebse, Hummern und Weichtiere. Immerhin würde wohl jene Einschränkung auch im Talmud anders gelautet haben, wenn man einer Seebevölkerung gegenübergestanden hätte, wie sie die Inseln oder das langgestreckte Italien und ähnliche Länder bewohnt. Dem Menschen ist die Erde samt allem Lebenden jn der Schöpfungsgeschichte zur Herrschaft und zur Benutzung übergeben worden. Für die oben genannten Bevölkerungsschichten wäre aber dieses Verbot z. T. ein Mittel zur Ausrottung der Bevölkerung selbst. Das einzige was man hierfür anführen könnte, wären gewisse Krankheitserscheinungen, welche man im

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