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Liberales Judentum · 1910-03-01 · Heft 3 (März 1910) · p. Seite 68

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Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 3 (März 1910)
Date
1910-03-01
Page
Seite 68 (sequence 20)
Language
German
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68 Nr. F. Sarck: Air Chrrstusrrrythe und ist wohl nur künstlich dem Ringen Jakobs zugeschrieben worden. Weshalb sollen wir diese nie verstandene Stelle, welche vielleicht einen altheidnischen Gebrauch sanktioniert hat, bald so und bald anders zu befolgen trachten, da wir doch alle einig sind, daß derselbe mit der Mosaischen Religion durchaus nichts zu schaffen. hat. Gerade die besten Teile des Rindes überläßt der gläubige Jude den Anderen. Gewiß, Juden und Heiden haben in älterer Zeit stets die besten Teile des Tieres dem Gotte resp. den Göttern geopfert. Nun aber da die Opferung längst von uns aufgegeben ist, obwohl sie von Moses geboten wurde, könnte diese gar nicht von Moses gebotene Ritualvorschrift ohne Gewissensbisse dem Strome der Vergessenheit übergeben werden. Wir schließen hiermit unsere, nur scheinbar zu lang erscheinenden, in Wirklichkeit nur kurz zusammengedrängten Aphorismen, über die jüdischen Ritualien. Es lag nicht in unserer Absicht ein Merk über diese zu schreiben, es sollten unsere Andeutungen nur als Anregung, fermentartig wirken. Es hilft nichts, sich hinter versteinerten Gebräuchen zu verstecken, sie müssen erörtert, verändert und evt. niedergerissen werden. Ich möchte hier an jenen Kunstgriff erinnern, den Moses Mendelssohn anwandte, um seinen Glaubensgenossen die deutsche Sprache in klassischer Form zuzuführen. Er wußte wohl, daß man im J8. Jahrhundert noch das Lesen nichtjüdischer Schrift rabbinisch verpönte, obwohl schon Maimonides gar nicht in hebräischer, sondern in arabischer Schrift geschrieben hatte. So gab er denn seine klassische Bibelübersetzung mit hebräischen Lettern in deutscher Sprache heraus. Diese eine Tat hat ihn schon zum Wohltäter der deutschen Juden gestempelt. Aber fast wäre es ihm damals so ergangen, wie dem Abba Glosz teczeka im Thamisso's Gedicht. „Sie haben mich verstoßen, mißhandelt und gebannt, wäre ihnen Macht gegeben, sie hätten mich verbrannt." Aber er wagte den Schritt und die Nachkommen jener Fanatiker haben sich längst mit ihm ausgesöhnt. Zur frage der Christusmythe. Von Dr. £. Baeck-Düffeldorf I. m Ausgang des Jahrhunderts herrschte in der modernen protestantischen Theologie historischer Richtung der wohltuende Friede, der sich des Erreichten freut. Sie hatte gesiegt durch die äußeren Erfolge: sie hatte, von Greifswald abgesehen, die preußischen Fakultäten erobert und im übrigen Deutschland die Lehrstühle immer mehr ihrem Einfluß unterworfen; sie hatte, trotz Strafprozessuren, nicht nur die Anerkennung, sondern schließlich die Gunst der Gebietenden gewonnen, die theologia militans war zur theologia triumphans geworden. Dieser Erfolg war kein äußerlicher bloß; er entsprach dem wirklichen, dem geistigen Einfluß, der allgemeinen Geltung auf dem Felde der Wissenschaft. von Göttingen, von den Kathedern Albrecht Ritschl's und wellhausen's, war der Sieg ausgegangen. Diese beiden Meister, so war es die Ueberzeugung, sind die Führer zum Ziel geworden; sie haben, einander ergänzend, die Geschichte und die Bedeutung der Religion den weg der Offenbarung erst verstehen gelehrt, der eine, der jüngere, die Entwicklung Israels, und seines Glaubens, der andere das Wesen Thristi und fein Werk. Sie reichen einander die Hand und

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