Mannheim
Compact Memory

Liberales Judentum · 1910-03-01 · Heft 3 (März 1910) · p. Seite 66

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 3 (März 1910)
Date
1910-03-01
Page
Seite 66 (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/3126481-3126526-3126530--0481-3127261
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

66 Prof. Ar. S. Mrndelfshn: Me jüdischen Nitrmlgesetze und noch im j6. Jahrhundert waren in Schweden die letzteren die einzige Brotform, welche das Volk bereitete. Uebrigens kann man noch heute in Gst-Afrika und vorder- Asien den Gebrauch dieser Gsterbrote konstatieren. Aegypten scheint zuerst ein mit Sauerteig gegorenes Brot bereitet zu haben, während Mesopotamien, nach Abrahams eigenen Gebräuchen zu schließen, nur das ungegorene Brot bereitete, von Egypten aus kam das gesäuerte Brot nach phönizien und die Phönizier brachten es nach Griechenland. Wie hoch man diese Erfindung — welche die Griechen dem Dyonisius zuschrieben — schätzte, zeigen die Feste, bei welchen, dem Gotte zu Ehren, große Schaubrote in Prozession herumgetragen wurden. Gb nicht bei den jüdischen Schaubroten vielleicht ein ähnlicher Gedanke zu Grunde lag? Die Römer machten patt zum Erfinder des gegoreiten Brotes — daher soll auch das Wort xanis stammen, von den Galliern wird berichtet, sie hätten das Brotbacken von den Römern gelernt — aber den Sauerteig zuerst durch Hefe ersetzt. Aus den obigen Angaben ersieht man, welche hohe Verehrung die Völker dem gegorenen Brote zollten. Mit Recht, denn dasselbe ist bedeutend leichter verdaulich, als das ungegorene. Der Sauerteig bewirkt nicht nur eine Gasentwickelung, welche das Brot hebt und porös macht, sondern führt auch einen Teil der Stärke und des Eiweißes in leicht verdauliche Formen über. Wenn demnach von Moses ein siebentägiger Genuß von ungesäuertem Brot vorgeschrieben ist, so liegt darin eine Art Aasteiung zur Erinnerung an den Auszug aus Egypten. Die Ansicht, daß durch Uebereiluug der Teig damals nicht zum Säuern kam, wird wohl bei der hohen Temperatur jener Gegend kaum stichhaltig sein. Der Teig, der zu Haus nicht zur Gährung kam, wäre stcherlich unterwegs sauer geworden, es sei denn, daß er noch vor dem Auszuge, sofort nach der Herstellung, verbacken wurde. Der tägliche Gebrauch der ungesäuerten Brote ist übrigens noch heutzutage bei Juden üblich, wie wir aus dem Berichte von Haim Nahum, dem Gberrabbiner von Ronstantinoxel ersehen können. Die Falaschas, die schwarzen Juden in Abessynien, welche, wie oben erwähnt, wohl aus dem dritten Jahrhundert vor unserer Zeitrechttung datieren, lassen ihr Getreide durch die Frauen in einem gehöhlten Baumstamm mit zwei Steinen zerreiben. Das zerstampfte Getreide wird mit Wasser zu einer Art Kleister vermengt. Diesen schüttet man auf eine eiserne Scheibe, welche über Holzfeuer ruht und breitet ihn mit der Hand aus. Dann wendet man ihn und nach zwei bis drei Minuten sind die Brote, „Kibbas" genannt, fertig. Frisch schmecken sie vorzüglich und werden von den Reisenden statt der Biskuits gegessen. Sie bereiten auch ein gesäuertes Brot, welches sie Iudichas nennen und einen säuerlichen Geschmack besitzt. Im Bibeltext heißt es nun weiter: „Ungesäuertes Brot soll die sieben Tage gegessen werden, und nicht soll von Dir Gesäuertes gesehen werden, und nicht soll von Dir Sauerteig gesehen werden in deinem ganzen Gebiete." Der ' Kommentar hat sich hier an das Gesäuerte gehalten und Alles, was einer Gärung unterliegen kann, verboten. Wie aber, wenn die Säuerung im Munde und Magen des Menschen vor sich ging, wie ferner, wenn die verschiedenartigsten Früchte oder Zucker und stärkehaltigen Stoffe ohne unser Zutun, ja ohne unser Wissen gärten oder säuerten? Diese Prozesse sind noch heute ein nur z. T. erschlossenes Gebiet. Bald sind es Gxydationsvorgänge, wie bei der Essiggärung, bald reine Spaltungserscheinungen, wie bei der Ueberführung von Trauben-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.