Mannheim
Compact Memory

Liberales Judentum · 1910-03-01 · Heft 3 (März 1910) · p. Seite 60

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 3 (März 1910)
Date
1910-03-01
Page
Seite 60 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3126481-3126526-3126530--0475-3127255
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Arr Entwurf eines Grganisutisnsgesrtzes Sv in j>reußen bezeichnet. Diese Bedenken find nicht von der Hand zu weisen, und auch ich habe ihnen schon im Jahre $02 Ausdruck gegeben, als von einem besonderen Vorgehen der Rabbiner gesprochen wurde. Aber, meine Damen und Herren, wir sind nicht mehr vollkommen frei in unseren Entschließungen. Es dürfte auch manchem von Ihnen bekannt sein, daß der Kultusminister vor einigen Jahren eine Einzelperson beauftragt hat, ihm einen Entwurf für eine anderweite Organisation der Juden einzureichen. Alan ersieht daraus, daß eine Aenderung der Gesetzgebung auch im Ministerium erwogen worden ist. Ueber kurz oder lang drängt auch das Darniederliegen des Religionsunterrichts, die unsichere Stellung der Religionslehrer und der Verfall des Gottesdienstes in den kleinen Gemeinden dazu, die Kräfte der Juden zusammenzufassen und den leistungsschwachen und leistungsunfähigen Gemeinden die Mittel zur Erhaltung des Gottesdienstes und des Religionsunterrichtes zuzuführen. Ich glaube, daß die Juden Preußens bei solcher Zusammenfassung im Stande sind, allen auftretenden finanziellen Bedürfnissen zu genügen, — die Kostenfrage, namentlich auch hinsichtlich des Ruhegehalts und der Hinterbliebenenversorgung, muß allerdings noch geklärt werden — und es ßommt nur darauf an, daß der von uns einzureichende Entwurf von einer großen Mehrheit der Juden gebilligt ist. Gelingt es nicht, Hannover und Kurhessen für den Entwurf zu gewinnen, so muß eS schließlich genügen, wenn nur die Juden der altxreußischen Provinzen und des Bezirks Wiesbaden in ihrer großen Mehrheit sich auf einen ihren .Bedürfnissen und ihrer Gewöhnung entsprechenden Entwurf einigen. Einen solchen Mehrheitswillen wird die Regierung in ihrer Vorlage nicht unberücksichtigt lassen, wie dies ja auch der bayerische Minister in Aussicht gestellt hat. Auf die jetzige Zusammensetzung des Landtages braucht nicht entscheidendes Gewicht gelegt zu werden, denn es ist nach den bisherigen Erfahrungen nicht zu erwarten, daß der aus einer dritten Lesung hervorgehende Entwurf vor Ablauf von oder 5 Jahren im Gemeindebund und im Verband der Deutschen Juden genehmigt sein wird. Sind die Verhältnisse dann einer Einreichung des Entwurfs an ,die Regierung nicht günstig, so muß auf bessere Zeit gewartet werden. Jedenfalls müssen wir gerüstet sein, falls etwa die Regierung eine Aenderung der Iudengesetzgebung vornehmen will, und wir dürfen es nicht dahin kommen lassen, daß diese Aenderung ohne eine Jrt Ruhe und mit Sorgfalt vorbereitete Aeußerung der preußischen Juden oder gar unter Zugrundelegung der Arbeit eines einzelnen erfolgt. Sie aber, meine Damen und Herren, bitte ich, durch eine Zustimmung zu den Grundsätzen des Entwurfs die Kommission zur Weiterarbeit auf ^dieser Grundlage zu ermutigen, damit die Arbeit fertiggestellt und der Regierung überreicht werden kann, sobald die Verhältnisse es notwendig oder zweckmäßig erscheinen lassen. Ich hoffe zuversichtlich, daß die schon jetzt vorhandene große Mehrheit für den Entwurf sich noch erheblich verstärken wird, wenn einzelne Anebenheiten, auf die wir aufmerksam gemacht sind, beseitigt und die wünsche der Interessenten, soweit möglich, berücksichtigt sein werden.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.