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Liberales Judentum · 1910-03-01 · Heft 3 (März 1910) · p. Seite 54

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Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 3 (März 1910)
Date
1910-03-01
Page
Seite 54 (sequence 6)
Language
German
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54 Arr Entwurf rtnrs Orgamfationsgrfrtzrs o © 0 o machten Anregungen zu berücksichtigen, den weiteren Arbeiten der Kommission mit vertrauen entgegenzusehen. Der Provinzialverband Sommern hat auf die Beschlüsse des Gemeindetags verwiesen und bemerkt, daß er erst im nächsten Jahr zusammentrete. Dagegen haben sich zustimmend zu dem Entwurf ausgesprochen: Die pro* vinzialverbände von Ost- und Westxreußen, Oberschlesien, Sachsen, Westfalen, Rheinxrovinz und sämtliche größeren Gemeinden, darunter Berlin, Breslau, Frankfurt a. 2TL, Köln, Danzig, Stettin, Magdeburg, Kassel, Wiesbaden und von mittleren schlesischen Gemeinden die zu Gleiwitz und Beuthen. Ablehnungen des Entwurfs von Seiten der "Gemeinden sind nur eingegangen aus Altona, Thorn und München-Gladbach. Für den Antrag Friedmann haben sich von Gemeinden ausgesprochen, nur die zu Posen, Zabrze und Dortmund. Es haben sich also, selbst wenn man den Bezirk Breslau-Liegnitz ohne die Gemeinde Breslau und den Bezirk pommern ohne die Gemeinde Stettin zu den Gegnern zählte, bis jetzt die Vertretungen von mehr als 3\5 000 preußischen Juden für den Entwurf und etwa 50 000 gegen den Entwurf bezw. für den Antrag Friedmann ausgesprochen. Dabei rechne ich den Bezirk Bromberg mit etwa ft 000 Seelen zu den Gegnern. Selbst wenn man alle, die sich nicht geäußert haben, zu den Gegnern zählt, so haben die Freunde des Entwurfs mehr als % Mehrheit aller preußischen Juden aufzuweisen. II. Bei der Betrachtung der Gegner des Entwurfs und der von ihnen vorgebrachten Gründe ergibt sich, daß sich hier die verschiedensten, zum Teil einander widersprechenden Richtungen zusammengefunden haben. In den Aeußerungen der presse und auf dem Gemeindetag find folgende Gruppen von Gegnern hervorgetreten: s. die Orthodoxen der strengsten Richtung, die im „Israelit" ihr Organ haben. Sie sind grundsätzliche Gegner jeder Organisation, weil sie eine Einheit der Juden Preußens leugnen. Sie erklären, daß sie sich in ihrem Gewissen bedrückt fühlen würden, wenn sie zu Beitragsleistungen für Institutionen herangezogen würden, die nicht ihrer Richtung entsprechen! Die gegenwärtige religiöse Zwiespältigkeit im Judentum lasse überhaupt eine gesetzliche Regelung der Gesamtverhältnisse nicht angezeigt erscheinen. Man solle damit bis zum Eintritt besserer Zustände warten. Dieser Aufforderung können wir, wie ich glaube, nicht Nachkommen, weil das die Organisation auf unabsehbare Zeit verschieben würde. Denn daß die sogenannten Neologen sich jemals der Richtung des „Israelit" anschließen werden, möchte ich bezweifeln, wie ich auch andererseits nicht annehmen kann, daß jene Richtung in absehbarer Zeit sich religiös-liberalen Anschauungen zuwenden wird. Obwohl ich nun nicht glaube, daß die religiöse Verschiedenheit zwischen den sogenannten Neologen und Orthodoxen eine so tiefgehende ist, wie sie von jener Seite dargestellt wird, und obwohl ich dringend wünsche, daß ein festes Band alle Juden Preußens umschließe, so kann die Verschiedenheit, wenn, sie besteht, doch keine Veranlassung bieten, die Organisation überhaupt zu unterlassen. Wollen dio Orthodoxen jener Richtung nicht der provinzial- und Landesgemeinde angehören, so würde nichts übrig bleiben, als das Austrittsgesetz dahin auszudehnen, daß die Austrittsgemeinden auch aus der provinzial- und Landesgemeinde austreten, bezw. daß die bereits vorhandenen Austrittsgemeinden

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