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Liberales Judentum · 1910-02-01 · Heft 2 (Februar 1910) · p. Seite 41

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Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 2 (Februar 1910)
Date
1910-02-01
Page
Seite 41 (sequence 17)
Language
German
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Süch erschau 41 vollen wie sittlich verderbten Gentz". Philipxson kommt zu diesem Urteil, weil Gentz durch eines seiner vielen „Taschenspielerkunststücke" in dem einschlägigen Paragraphen das Wörtchen „in" in ein „von" verwandelt hatte. Dadurch wurde „nur die Beibehaltung der den Juden von (statt in) den Bundesstaaten bereits eingeräumten Rechte gewährleistet". Ls hat freilich nicht lange gedauert, bis derselbe Gentz aus demselben Motiv den in der Folgezeit so verhängnisvoll gewordenen Einfluß der wiener Hochfinanz auf die priviligierten Klassen begründen half. wenn Gentz übrigens gerne „Trinkgelder" nahm, von wo sie auch kamen, so läßt sich dafür der inunerhin mildernde Umstand geltend machen, daß die „korrekte" alte Diplomatie dies durchaus selbstverständlich fand. Der päpstliche Stuhl hat bei den Bevollmächtigten der Staaten, welche ihm gegenüber die Rechte der Völker zu wahren hatten, solche „Douceurs" unbedenklich anwenden dürfen. Und ein Mann wie Niebuhr hat sich nur darüber beklagt, daß sein hoher Lhef (Hardenberg) statt seiner bei dem für alle Zukunft entscheidenden Staatsakte die Unterschrift gab und ihm so das berechtigte „Douceur" absagte. .... In dem eben erschienenen zweiten Bande sei speziell das 5. Buch der allgemeinen Beachtung empfohlen. Ls bietet obenan eine aus den verläßlichsten Quellen geschöpfte internationale Geschichte des Antisemitismus (die übrigens auch durch das erwähnte Lewinsche Werk provinziell ergänzt wird). wie rasch die bedeutsamsten Tatsachen vergessen werden können, wenn einflußreiche Parteien dafür sorgen, daß derselben nicht mehr gedacht wird, zeigt der Nachweis, daß die bekannte Stöckersche Bewegung nur die spätere Nachahmung einer von ganz anderer Seite ausgegangenen Agitation ist. Ls sind nämlich die beiden Ansprachen Pius IX. zu Weihnachten (872 und am 23. März (873, welche den Reigen eröffnet haben, die ersten Nachwirkungen derselben traten unter dem Mac Mahonh'chen Regiment in Frankreich zu tage. Dann ist (87^ die durch und durch verlogene Schrift des Prager Rohling gefolgt, und ihr wieder die Auszüge daraus in der Kölnischen Volkszeitung. Lrst im Juni (875 schloß die Kriegserklärung der Kreuzzeitung sich an. Daß die Geschichte einer so traurigen Geschichtsxeriode von einem persönlich durch dieselbe schwer betroffenen Manne nicht mit ruhigem Blut gebucht werden kann, ist selbstverständlich. Der Verfasser bemüht sich jedoch redlich, unter den Ursachen des Sturms die Fehler im eigenen Lager nicht zu verhehlen. Immerhin wäre hier und da eine kleine Korrektur, häufiger noch eine Ergänzung wünschenswert. S. z. B. mit Bezug auf die Vorgeschichte der „christlich-sozialen" Partei in Wien und die Nachahmung ihrer Taktik wie ihres Namens in Berlin. Ls verhält sich wenigstens mit Bezug auf die Namen geradezu umgekehrt. Mit Bezug auf den Dreyfus-Handel in Frankreich sollten die wichtigen Enthüllungen Michaud's in seiner Revue international de theologie (auch separat erschienen) in Deutschland eine viel größere Beachtung finden. Dagegen ist dem Referenten das kleine 5. Kapitel „Iudentaufen" besonders instruktiv gewesen. Ich gestehe offen, daß die Höhe der Zahlen mich wirklich verblüfft hat. Und doch ist der numerische Verlust, welchen die jüdische ^Konfession erleidet, noch nicht so bedenklich, als die systematische Pflege der Ueberzeugungs- und Gesinnungslosigkeit, wie sie nicht nur in diesem Punkte, sondern in nur zu vielen ähnlichen Erscheinungen zu tage tritt, Habe man eine Ueberzeugung, welche man wolle! Aber eine wirkliche Ueberzeugung sollte doch jeder Mann haben, was nicht aus Ueberzeugung stammt, das ist Sünde. Dies schlichte Wort, welches Bischof Reinkens unter sein Bild schrieb (es ist der gleiche Bibelspruch, in welchem die übliche Uebersetzung das Wort Glaube hat), ließe sich als das Schlußergebnis dieses Kapitels bezeichnen. Hier sind auch die schärfsten Ausdrücke des Verfassers nicht zu scharf. Dagegen kommen für ein volles Verständnis der rumänischen Geschichte noch manche Faktoren in Einsicht, welche in seiner Darstellung übersehen sind. -i- * Zu der S.Heynemann'schen Biographie. Auch derjenige, der den Schritt nicht billigt, wird den Motiven der Handlungsweise Heynemanns die Achtung nicht versagen. Dagegen lassen andere Bedenken prinzipieller Art gegen dieses Buch sich schwerlich zurückweifen.

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