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Liberales Judentum · 1910-02-01 · Heft 2 (Februar 1910) · p. Seite 39

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Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 2 (Februar 1910)
Date
1910-02-01
Page
Seite 39 (sequence 15)
Language
German
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o o o o Süchrrfchau 39 Bücherfchau. Hochgeehrter Herr Doktor! Dorf ich für die nachfolgenden Ausführungen, welche ursprünglich in einen allgemeineren Zusammenhang hineingestellt waren, in Ihrem Blatte „Gastrecht erbitten"? Dieselben sind Bruchstücke einer eingehenderen Besprechung des Philippsonschen Werkes über die neueste Geschichte des jüdischen Volkes und der 5. Heynemannschen Biographie gewesen. Beide Bücher waren mit einer Reihe anderer zusammen im Literaturblatt der Frankfurter Zeitung besprochen worden. Ich darf hier wohl die Titel derselben anführen: Lewin: Geschichte der badischen Juden, — Unna: Die Lemle Moses Rlaus-Stiftung in Mannheim, — Grz^misch: Die Weisheit der heiligen Schriften der Israeliten, — Nordau: Zionistische Schriften, — Münz: Religiöse Zeitfragen, — Lschelbacher: Unsere Tora, — Tenzler: Der Unsterblichkeitsglanbe und die Bibel, — Ludwig: Das hohe Lied Salomonis und Moses, Jesus, Gott, — Goldschmidt: Tine talmudische Realkonkordanz, — Bertholet: Das religionsgeschichtliche Problem des Spätjudentums. Bei dem Druck dieser Rundschau über die jüdische Literatur im Oktober $09 stellte sich nun aber heraus, daß der zur Verfügung stehende Raum weit überschritten worden war.' So stand ich vor dem Dilemma, entweder einen Teil dieser gleichzeitig erschienenen Schriften unbesprochen zu lassen oder auf die prinzipiellen Ausführungen zu verzichten. Die letzteren konnten in einer solchen literarischen Uebersicht entbehrt werden. Dagegen hätte der erstere Modus gerade den Hauptzweck einer Rundschau vereitelt, welche die jüdische Literatur in einem vestimmten Zeitpunkt in parallele mit der gleichzeitigen katholischen und protestantischen Literatur stellen sollte. Dies also der Grund, daß ich vorzog, jene prinzipiellen Betrachtungen, welche unter sich im Zusammenhang stehen, und so ein geschlossenes Ganzes für sich bilden, herauszunehmen und für dieselben um Aufnahme in Ihre (seit der ersten Nummer mit beständig wachsendem Interesse gelesenen) Zeitschrift zu ersuchen. Selbstverständlich hätte ich für den gleichen Zweck auch an eine Reihe kirchlicher Blätter denken können. Ich gestehe aber gern, daß ich bei meinen Studien über innerkatholische Fragen nicht am wenigsten an katholische Leser denke, und ebenso bei innerjüdischen Fragen an jüdische Leser. Tine solche Methode dürfte am ehesten die Probe darauf machen lassen, wie weit solche Studien auf streng historischem Boden erwachsen sind. Bei der Bitte um Gastrecht in Ihrer Zeitschrift durfte ich mich überdies daran erinnern, daß dieselben von der Arbeit über „Religiöse Unterströmungen", für welche ich aus gutem Grunde das Freidenker-Organ „Das freie Wort" um Aufnahme gebeten hatte, freundlich Notiz genommen hat. Auch die im Literaturblatt der Frankfurter Zeitung erschienene Rezension der nachgelassenen Schrift meines Freundes Lazarus dürfte wenigstens einem Teil Ihrer Leser bekannt sein. Der jüngste Artikel ist überdies die Fortsetzung der in der Zeitschrift für wissenschaftliche Theologie $08, IV, erschienenen „Wechselbeziehungen zwischen jüdischer und christlicher Theologie". Die für den heutigen Zweck aus der allgemeinen Rundschau herausgenommenen Ausführungen beginnen mit einem Hinweis auf den Vater von Martin Philippson. Darf ich noch beifügen, daß diese Erinnerung an Ludwig Philippson auf einer nicht uninteressanten Aontroverse mit ihm beruht, aus welcher ich wenigstens für meinen Teil seit beinahe vierzig Jahren vieles gelernt habe? In der inhaltreichen (nur zu rasch vergessenen) Literatur über Strauß' alten und neuen Glauben hatte sich nämlich eine Schrift von ihm derart herausgehoben, daß ich sie an die Spitze einer Ueb er sicht über die literarischen Ergebnisse jenes Straußischen Testaments stellte. Das aus der Philippsonschen Schrift gezogene Fazit rief nun aber wenigstens teilweise den Widerspruch des Verfassers hervor, dem er in einem Artikel seiner bekannten Zeitschrift (Zur Abwehr und zur Verständigung: Allg. Ztg. des Judentums (873, Nr. 39) Ausdruck gab. Ich konnte damals auf die von ihm meinem

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