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Liberales Judentum · 1910-02-01 · Heft 2 (Februar 1910) · p. Seite 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 2 (Februar 1910)
Date
1910-02-01
Page
Seite 29 (sequence 5)
Language
German
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Krsf. Ar. §. Mendelsohn: Air jüdischen Ritusigrsetze 29 ausgedehnten Unrwallungsmauern, Rücksicht genommen, so wäre ,der Draht hinfällig geworden. Aber der Mauerring lag längst in Trümmern und keine zweite Stadt der damaligen Welt hatte ähnliches aufzuweisen. Heute erinnert schon der Ring von Forts an den großen Festungen wie z. B. s)aris an das gewaltige Babylon. Die Zurücklegung, einer Wegstrecke von 2000 Ellen sollte die äußerste Grenze der Wanderung am Sabbat sein. Allein der Talmud gestattet selbst — durch Hinterlegung einer Speise am Lndorte — ein weiteres Hinausschieben um abermals 2000 Ellen, wer heute feinen Weg nach überseeischen Ländern mit dem Dampfer macht, muß mehrere Wochen sich fortbewegen. Er kann am Sjabbat nicht festliegen, er könnte höchstens, rbejnn er den durch Feuerskraft betriebenen Dampfer meiden will, ein Segelschiff benutzen. Dies leitet zu der wichtigen Frage des Feuermachens hinüber. Zweifellos war die Herstellung des Feuers im Altertum eine schwere Aufgabe, zu deren Lösung eine wirkliche Arbeit erforderlich war, sonst hätte man nicht bei Juden und Nichtjuden im Altertum dem heiligen Feuer diese Aufmerksamkeit geschenkt. Erst im $. Jahrhundert wurden diese Schwierigkeiten überwunden; zuerst durch die Tunkhölzchen von Lhamel, dann \832 durch die Tongreveschen Streichhölzchen und endlich 1(833 durch die j)hosphorhälzchen. Rein Mensch kann behaupten, daß die Entzündung eines heutigen j)hosphorzündholzes eine Arbeit sei, sie ist jedenfalls eine geringere, als das Rauen von vielen Speisen. Aber die Scheu vor dem Feuer berührt auch das ganze große Gebiet der Elektrizität in ihrer Anwendung auf unsere moderne Rultur. Darf man am Sabbat elektrisch klingeln, telegraphieren, telephonier ren, die elektrische Bahn benutzen usw? Zst der elektrische Funke und das elektrische Glühlicht überhaupt als Feuer im Sinne der Bibel zü deuten? Wärme und Helligkeit verbreitet auch die Sonne und die Fixstere. Das Rriterium für Feuer im Sinne der Bibel ist die Verbrennung. Eine solche findet in dem Glühlicht der Birne gar nicht und beim Bogenlichte, sowie bei sonstigen elektrischen Funken, nur nebenbei statt, wesentlich für Licht und Wärme ist die Verbrennung durchaus nicht. Funken zwischen jDlatindrähten sind frei von jeglicher Verbrennung, wenn nun die Erzeugung des elektrischen Stromes noch durch Wasserkraft geschieht, nicht durch Rohlenverbrennung, so können die Gesetze über das Feuermachen bei elektrischer Beleuchtung und elektrischer Beheizung keinerlei Anwendung finden. Sind aber die elektrischen Funken nicht als Feuer im Sinne der Bibel anzusehen, so steht auch dem Telegraphieren und dem elektrischen Läuten am Sabbat keine Schwierigkeit entgegen, noch weniger beim Telephon, welches durch die Luftbewegung beim Sprechen schon Ströme und Stromschwankungen erzeugt. Bei der elektrischen Bahn sind die Funken, sei es an der Dynamomaschine, sei es an den Schienen ünd der Leitung, nur zufällige Unvollkommenheiten, wie sie auch beim Auftreten raus Steinen mit den Stiefelnägeln entstehen könnten. Mit dem Betriebe selbst haben diese Funken nichts zu tun. Die neueste Zeit hat zu den älteren Fortbewegungsformen noch eine -Anzahl von neueren gefügt, welche zwar teilweise nur als Sport betrieben werden, zum Teil auch schon gewerbliche Anwendung gefunden haben. Die Einen werden mit unseren eigenen Beinen betrieben, wie das Rodeln, Schlittfchuh- Und Rollschuhlaufen und das Skifahren. Es gibt Länder in denen Ski- und Schlittschuhlaufen überhaupt die einzige Möglichkeit des Fortbewegens darstellen. Es wäre sinnlos, anzunehmen, daß hierdurch die Sabbatfeier verletzt würde. Den Gebrauch der eigenen Gliedmaßen hat niemals ein Tal-

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