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Liberales Judentum · 1910-02-01 · Heft 2 (Februar 1910) · p. Seite 27

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Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 2 (Februar 1910)
Date
1910-02-01
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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Mr. UsgeLstriu: Schulfeiern 27 der sündigen und dem verderben anheimgefallenen Menschheit beschieden hat. Bei aller Toleranz, die wir üben, wollen und dürfen wir unsere Kinder nicht der Gefahr aussetzen, Lehren und Begriffe, noch dazu in weihevollen Momenten, in sich aufzunehmen, die dem Judentum schnurstracks zuwiderlaufen. wir wollen wahrlich die Kluft zwischen uns und unseren christlichen Mitbürgern nicht erweitern, wir beklagen es schmerzlich, daß unsere Kinder schon in der Schule unter den antisemitischen Gesinnungen der Schüler und mitunter auch der Lehrer zu leiden haben, daß ihnen die Zugehörigkeit zum Iudentunr manche Zurücksetzungen, manche Verletzung ihres zartbesaiteten Gemütes zuzieht, wir wünschen sehnlichst, daß ein einträchtiges kameradschaftliches Verhältnis zwischen den jüdischen und andersgläubigen Schülern besteht, wie es ja auch glücklicherweise vielfach der Fall ist, aber wir möchten dieses Gefühl der Gemeinsamkeit nicht durch Gefährdung der harmonischen Entwickelung unserer Kinder erkaufen, und wir wollen uns nicht das Recht nehmen lassen, selbst zu entscheiden, was in religiöser Einsicht unseren Kindern gut und heilsam ist. Daß die jüdischen Schüler und Schülerinnen sich von den Sammlungen zu den Weihnachtsbescherungen, wo sie eingeführt sind, nicht ausschließen, ist selbstverständlich; zu Wohltätigkeitsakten, die von der Schule ausgehen, und für deren zweckmäßige Handhabung die Lehrer bürgen, sollen auch unsere Kinder freudig ihr Scherflein beisteuern, aber der Freude, die Wirkung ihrer Gabe zu bemerken, in die leuchtenden Augen der beschenkten Kinder zu blicken und an deren Freude sich zu erfreuen, mögen sie ohne Bedauern verlustig gehen. Es genüge ihnen das Bewußtsein, an einem guten Werke mitgewirkt und in die Hütten der Dürftigen einen Strahl der erquickenden Menschenliebe gesandt zu haben. Die öffentlichen Bescherungen, die den verschämten Armen die Freude an den empfangenen Geschenken wesentlich trüben, manche sogar zur Verzichtleistung auf die ihnen so notwendige Unterstützung veranlassen, kommen glücklicherweise mehr und mehr aus der Mode und werden durch minder in die Augen faltende Arrangements, durch Zusendung ins Haus ersetzt. Keinesfalls brauchen wir unsere Söhne und Töchter zu bemitleiden, wenn sie die obligaten Danksagungen der bei einer Weihnachtsfeier der Schule mit Geschenken bedachten Armen nicht zu hören bekommen; sie mögen sich 'daran gewöhnen, Mildtätigkeit ohne Anspruch auf Dank zu üben. Den Eltern aber rufe ich wohlmeinend zu: Machet von dem Rechte, durch eine Eingabe an den Leiter der Schule euren Kindern die Beteiligung an einer Weihnachtsfeier zu erwirken, keinen Gebrauch, bleibt vielmehr standhaft in der Verweigerung ihres Wunsches, wenn sie auch um eine solche Eingabe bitten. Das ist keine Intoleranz, das ist eine Pflicht, die euer jüdisches Selbstbewußtsein euch auferlegt. Auch die Feier des Reformationsfestes, die in einigen evangelischen Schulen begangen wird, hat für die jüdischen Schüler nicht die geringste Bedeutung, denn daß „der Reformationstag ein Tag der Verherrlichung der Freiheit ist, so daß die Teilnahme daran auch einem jüdischen Kinde Herzenserhebung bereitet," ist, soweit die Freiheit der Juden in Frage kommt, sehr zu bestreiten. wie Luther über die den Juden zu gewährende Freiheit, wenigstens in seinen späteren Jahren, gedacht hat, und wie man in protestantischen Ländern in der ungerechten Behandlung der Juden mit den katholischen gewetteifert hat, ist allzu bekannt, um uns zu veranlassen, durch die Beteiligung unserer Kinder an Reformationsfesten Partei für den Protestantismus zu nehmen. Nein, ebenso wie

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