Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 2 (1910)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1910)
- Date
- 1910-02-01
- Page
- Seite 26 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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26 Nr. Ungeistern: Schulfeiern sein, so will es der Verfasser, und er beklagt es, daß jetzt von dem zu seiner Schulzeit üblichen Zwange abgesehen und den Rindern jüdischer Eltern die Teilnahme entweder freigestellt pder gar nur auf Grund einer Eingabe der Eltern gestattet wird. Er erblickt darin eine „traurige Neuerung, durch die das Gefühl der Zusammengehörigkeit zerstört und eine Spaltung begünstigt wird, die von der Schule eher vermieden als gefördert werden sollte." viele werden mit mir der Meinung sein, daß das jetzt in den Schulen eingeführte Verfahren als ein Fortschritt gegenüber den früher in manchen höheren Lehranstalten üblich gewesenen — allgemein war es niemals — anzusehen ist, und daß wir Duden uns mit Fug und Recht über Gewissenszwang beklagen würden, ja, die nötigen Schritte zur Beseitigung eines solchen Zwanges tun müßten, wenn man unseren Rindern die Pflicht auferlegen würde, sich an Feierlichkeiten zu beteiligen, und womöglich aktiv durch das Mitsingen von Chorälen, die rein christlicher — sei es nun evangelischer oder katholischer — Natur sind, die zur Verherrlichung von christlich bedeutsamen Ereignissen stattfinden und den Zweck haben, christliche Anschauungen in den Gemütern der Schüler zu befestigen. Die Frage, die der Herr Verfasser aufwirft: „Glaubt man denn wirklich, daß es einem kindlichen Gemüte schade, wenn es bei einer solchen Feier etwas vom Christkinde hört oder vom Weihnachtsengel?" beantworte ich ohne weiteres mit einem kategorischen „Ja". In des Rindes Seele wird durch eine derartige weihevoll ausgestattete Feier, durch die unter Orgel- oder Harmoniumklang gesungenen Festlieder, durch die auf den Segen des christlichen Glaubens hinweisenden Reden leicht eine gewisse Hinneigung zum Christentum, eine leise Sehnsucht, dieser großen Glaubensgemeinschaft zuzugehören, erzeugt, seine eigene Religion erscheint ihm dann wohl dürftig, das bescheidene Lhanukalicht, wenn es überhaupt eines solchen im Elternhause ansichtig wird, wird von der Fracht des im Hellen Rerzenglanze erstrahlenden Weihnachtsbaumes verdunkelt, zum mindesten wird in vielen Fällen ein Zwiespalt und eine Verwirrung die fast notwendige Folge sein, die erst durch den Religionslehrer oder durch die Belehrung seitens der Eltern wieder beseitigt werden kann. Db aber der Eindruck, den die religiöse Schulfeier hervorgebracht hat, sich völlig verwischen läßt, ist sehr die Frage. Die Möglichkeit einer schädlichen Einwirkung der Weihnachtsfeier auf den Schüler ist auch in dem Leitartikel zugegeben, ihr wird jedoch mit dem Einwurf begegnet: „Dann sind Vater mnd Mutter dazu da, um ihre Anschauungen jener fremden entgegenzusetzen." Mit Verlaub, Vater und Mutter sind dazu da, um soviel als möglich zu verhüten, daß falsche, antijüdische Anschauungen in ihren Rindern sich festsetzen; erfüllen sie diese ihre Pflicht, dann haben sie nicht nötig, auf Heilmittel zur Rurierung des eingetretenen Schadens zu sinnen. Die j)roxhylaxis ist bei der Erziehung wichtiger und wirksamer als die Theraxeutik! Man täusche sich doch nicht über den Charakter einer Weihnachtsfeier; es ist ein Selbstbetrug, wenn die Juden sich einreden, die Mitfeier der Weihnachten geschehe nicht aus religiösen Gründen, es sei vielmehr nur das altgermanische hülfest, das zur Zeit der Wintersonnenwende begangen wird. Auf den Ursprung des deutschen Weihnachtsfestes kommt es nicht an, sondern lediglich auf die Gedanken und Vorstellungen, die jetzt damit verbunden sind. Sie feiern „die Geburt des Herrn", sie singen: „Stille Nacht, heilige Nacht" und preisen das Heil, das Gott durch seinen eingeborenen Sohn