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Liberales Judentum · 1910-01-01 · Heft 1 (Januar 1910) · p. Seite 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 1 (Januar 1910)
Date
1910-01-01
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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18 Sücherschau nähme zur Messiasfrage eng zusammen. Das rabbinische Judentum behauptet die Ankunft eines persönlichen Messias; das Reformjudentum verwirft diese Ansicht und lehrt das Kommen des messianischen Zeitalters mit seinem allgemeinen Frieden und Wohlwollen unter den Menschen. Den Spuren jenes großen, unbekannten Propheten aus der babylonischen Gefangenschaft folgend, den man den zweiten Jesaja zu nennen pflegt, schreibt das Reformjudentum den Gedanken einer niessianischen Führerschaft dem Volke Israel zu, nicht einer einzelnen Person, wie in der Theologie des Reformjudentums an die Stelle der Priesterschaft der Nachkommen Aarons die Priesterschaft des ganzen Volkes Israel getreten ist, so hat auch der Glaube an die messianische Sendung des Volkes den überlieferten Glauben an die Ankunft eines persönlichen messianischen Königs verdrängt. (Fortsetzung folgt.) Bücherfchau. Hermann Zivi, „Freitag Abend-Gottesdienst" für Kantor, einstimmigen Gemeindegesang und Orgel. Op. ss. Verlag von 7X1. W. Kaufmann, Leipzig, $0(5. „Abend - Gottesdien st für 8 cho - lösch - Regolim" für Kantor, einstimmigen Gemeindegesang und Grgel. 0p. 20. Verlag von I. Kauffmann, Frankfurt a. M., $09. „K önigsx sal m" für Bariton- oder Alt- Solo, vierstimmig gemischten Thor und Orgel. 0p. 1(7. Es ist erwiesen, daß der Gemeindegesang zur Hebung des modernen Gottesdienstes wesentlich beiträgt. Neben Meistern wie Kir s ch n e r - München und Tennenbau m - Stuttgart ist es hauptsächlich Zivi- Elberfeld, der diese Literatur pflegt und bereichert. In seinem „Freitag - Abend- Gottesdienst" bringt Zivi drei verschiedene Lecho dödi: eine schlichte weise für den gewöhnlichen Sabbat, einen Omer Lecho dödi und einen Lecho dödi für die drei Trauerwochen unter Zugrundelegung der bekannten alten weisen. Die Unisono-Thöre sind einfach, sanglich und schön. Originell ist der Schäbbos-Mismör, der in dem Komponisten sofort den Süddeutschen erkennen läßt, prächtig ist der Weschomru; von dem an ist er streng Original und hebt sich 'durch schöne Melodie vorteilhaft ab. Besonders erwähnt sei noch der Liddusch, der eine angenehme Abwechslung neben dem stereotyp gewordenen Lewandowsky'schen bilden dürfte. Der Grgelpart ist überall schön und korrekt durchgeführt und verrät den erfahrenen Musiker. I Op. 20 „Abend-Gottesdienst für Scholösch-Regolim" ist als Fortsetzung von 0p. gedacht. Fünf interessante Präludien nach den verschiedenen Festmelodien eröffnen das Werk, und in gleicher Weise ist der Mi chomöchoh fünfmal komponiert. Mit einem einfachen Lecho dödi, einem Zaddik katomor jifroch und Adonoj moloch beginnt der textliche Teil des Festgottesdienstes. Sehr schön ist das Maarowith; das ist echt aschkenasisches Lhasonus, „alte weisen in neue Formen gegossen", wie der Komponist in seinem Vorwort sagt. Der „K önigspsal m", eine freie metrische Uebersetzung des 2\. Psalms und vom verstorbenen Großherzog von Baden als Widmung angenommen, ist als großzügiges Tonwerk angelegt. Nach zwei Takten Grgelvor spiel folgt ein 'kerniges Rezitativ für Bariton oder Alt, dem sich eine Arie im Andante religioso anschließt. Die Arie ist mit viel Wärme und Empfindung komponiert, und die Worte: „Du setztest ihm auf's Haupt den edlen Kranz, der widerstrahlet Majestät und Glanz; erleuchte ihn usw." strahlen auch in der Melodie Majestät und Glanz durch eine wunderbare musikalische Steigerung, worauf ein Bittgebet die Arie beschließt. Unmittelbar darauf folgt in überraschendem Szenenwechsel das Grando-maestoso für gemischten Thor im 6/s Takt als Fuge, unterbrochen durch ein Solo-Tuartett und schließend mit einem mächtigen Iubelchor. Die Grgelbegleitung ist obligat und durchweg meisterhaft. Für nationale Festgottesdienste existiert kein besseres Werk. Abr. Nußbaum-Wiesbaden.

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