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Liberales Judentum · 1910-01-01 · Heft 1 (Januar 1910) · p. Seite 19

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Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 1 (Januar 1910)
Date
1910-01-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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Rundschau IS Franziska Mann, von Rindern. Neue Erzählungen. Verlag von Axel Juncker, Stuttgart, Leipzig und Berlin- Lharlottenburg, Sybelstr. U. Preis 2 Mk., gebunden 3,50 Mk. Diese neuen Erzählungen der bekannten Verfasserin sind ein Buch für die Mütter, für Eltern, für alle, die Rinder lieb haben. Die Leser unserer Monatsschrift werden unter dem Titel „Ihr Fehler" eine von uns veröffentlichte Erzählung wie'derfinden. Franziska Mann ist eine der wenigen Auserwählten, die in unserer Zeit berufen sind, die Rinderseele zu erforschen und zu offenbaren. Sie kennt viele Rinder und es sind nicht geputzte Engel, sondern richtige, ganz gewöhnliche Rinder. Wenn sie in manchen von ihnen eine stille, feine, zärtliche öder auch heldenhafte Seele findet, so findet sie nicht das Wunderbare, das Wunderkind, sondern nur das Menschliche. Die stillen, ein wenig schwermütigen Akkorde der Erzählungen fließen zusammen zu einer brausenden Melodie mit dem machtvollen Leitmotiv: „Alle Liebe, alles verstehen, alles Mitleben unseren Rindern." Das Buch sei allen Müttern warm empfohlen. Rundfchau. Are Repräsentanten-Wahlen in Posen haben am 6. Januar cr. stattgefunden und mit einem vollen Siege der Liberalen geendet — zum ersten Male seit dem Bestehen der Synagogengemeinde Posen! Diesen Wahlen ging ein Wahlkampf voran, wie er in solcher Heftigkeit in den Annalen der deutschen Synagogengemeinden kaum zum zweiten Mal>e vorgekommen sein dürfte. Unter dem Namen „positiver Block" hatte sich die zionistische Ortsgruppe, der Verein zur Förderung jüdischer Interessen, die freie Vereinigung für das orthodoxe Judentum zusammengefunden; diese Gruppe, die sich in ihren Flugblättern als die alleinige „Partei des wahren Liberalismus, als die Partei des Friedens, der Einigkeit, der Toleranz, des sozialen Fortschrittes, der jüdischen Solidarität und der Erhaltung des Judentums" bezeichnete, umschloß nach eigenen Angaben „Männer aller religiösen und politischen Richtungen im Judentum: Orthodoxe, Mittelparteiler und Liberale, Zionisten und Antizionisten". Ihr gegenüber kämpfte, auf sich selbst angewiesen, der vor 3A Jahren gegründete „Verein liberaler Juden", nach seinem Wahlaufruf „erfüllt von dem Gedanken der Toleranz gegen Andersdenkende, für eine gesunde, pietätvolle Fortentwickelung unseres religiösen Lebens, für eine politisch, wirtschaftlich und sozial ersprießliche Verwaltung der jüdischen Gemeinde, in treuer Liebe zum Judentum aufbauend nicht niederreißend, unbekümmert um schnöde Angriffe und wahrheitswidrige Entstellung seiner Ziele". Der liberale Verein mußte aber unter Berücksichtigung lokaler Erscheinungen den Wahlkampf auch gegen die zersetzenden Bestrebungen und die unerfreulichen' Rampfmethoden richten, die sich unter zionistischer Flagge seit Jahren den Gemeindefrieden störend unliebsam breit machten. Die Partei des „positiven Blockes" hielt Wahlversammlungen ab und versandte 3 Flugblätter, der „Verein liberaler Juden" begnügte sich mit einer Wahlversammlung und 3 Flugblättern. Von 1\57 in den Wählerlisten eingetragenen Wählern übten ^030, also 00°/o ihr Wahlrecht aus, und zwar hatten in den ersten zwei Stunden des östündigen Wahlganges bereits 75 °/o aller Wähler ihr Wahlrecht ausgeübt, ein Beweis für das fieberhafte Interesse, das sich in der gesamten Gemeinde kundgab. Alle waren sich dessen bewußt, daß es nach vielen Jahr-

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