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Liberales Judentum · 1910-01-01 · Heft 1 (Januar 1910) · p. Seite 15

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Journal
Liberales Judentum
Volume
2 (1910)
Issue
Heft 1 (Januar 1910)
Date
1910-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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Nr. Aamd PhrLipssn: Nie Rrformdewrgrmg im Judentum 15 Oie Keformdewegung IM Iuäentum. Von Dr. Daoid Philipion, übersetzt von Dr. Norden-Elberfeld. 1- Vorwort. m Oktober \897 veröffentlichte ich im „Jewish Quaterly Review“ einen Artikel unter dem Titel: „Der Fortschritt der jüdischen Reformbewegung in den Vereinigten Staaten". Dieser Artikel war der Anfang einer Reihe fernerer Studien über die Reformbewegung im Judentum. Diese Studien, welche in den Kapiteln dieses Buches niedergelegt sind, wollen eine zusammenhängende Darstellung liefern von der fortschrittlichen Bewegung im Judentum, der auffallendsten Erscheinung im jüdisch-religiösen Leben der neuen Zeit. In dieser Untersuchung konnte nur die Tätigkeit ganzer Körperschaften Berücksichtigung finden, welche die Theorien der Reformer in die Praxis umsetzten. Manche Berichte über einzelne Gelehrte und Schriftsteller, so interessant fie auch als Beiträge zu der Fülle jüdisch-liberalen Denkens fein mögen, konnten nicht mit ausgenommen werden, da dieses Buch keine Geschichte der literarischen Leistungen der Reform ist, sondern eine Geschichte ihrer praktischen Taten. Das kann am besten durch einen Hinweis auf Rußland erläutert werden. Dort ist eine ganze Anzahl hervorragender Schriftsteller in religiösen Briefen und Aeußerungen kräftig für Reformen eingetreten; dagegen wurden keinerlei öffentliche Schritte getan, um diese Reformen durchzuführen. Im jüdischen Gemeindeleben Rußlands hat dieReformbewegung keine Stätte gefunden, daher ist in diesem Werke Rußland kein Kapitel gewidmet, wie lehrreich auch immer die Nachweise sein mögen, die aus den Schriften russisch-jüdischer Verfasser gesammelt werden können. Ls war meine Absicht, die Zwecke und die Erfolge der Reformbewegung so objektiv als möglich darzustellen. Noch stehen wir dem Anfang der Bewegung zu nahe, um ihre letzten Wirkungen und Erfolge in den Kreis unserer Betrachtungen ziehen zu können. Darum habe ich von der Aufstellung irgend welcher Theorien über diese Verhältnisse Abstand genommen, sondern habe die Tatsachen für sich sprechen lassen. Mein Dank gebührt Herrn Tlaude G. Montefiore, dem Herausgeber des „.lewleb Quaterly Review“, für die Genehmigung, eine Reihe von Aufsätzen, die in den Spalten dieser Zeitschrift erschienen sind, in dieses Bnch aufnehmen zu dürfen. Tincinnati, Ohio. David j) hilipson. Erstes Kapitel. Die Anfänge der Reform bewegung im Judentum. Der Jude ist für die in seiner jeweiligen Umgebung herrschenden Einflüsse stets empfänglich gewesen. Einen besonders offenen Sinn besitzt er für die Richtung, in dersich die Gedanken derihn umgebenden Welt bewegen. Der eifrige Forscher kann die führenden Ideen der verschiedenen Kulturwelten, in deren Mitte der Jude gewohnt hat, häufig dadurch kennen lernen, daß er sich mit den Ueberresten der jüdisch-literarischen Erzeugnisse vertraut macht. Von frühester Zeit an war dies schon der Fall. *) Die Bibel weist an mancher Stelle auf die Neigung der Israeliten hin, die Gewohnheiten der benachbarten Völker anzunehmen und ihre religiösen Sitten und Lebensanschauungen sich zu eigen zu machen.1 2) Darüber, daß die babylonische Kultur, mit der die Juden während der Verbannung und nach derselben in Berührung kamen, mehr als eine nur vorübergehende Einwirkung hinterlassen hat, kann kaum ein Zweifel herrschen.3) Als ein schlagender Beweis dafür kann man das j)urimfest anführen; ursprünglich babylonisch, erhielt es später ein jüdisches Gewand und wurde dem System jüdischer Vorschriften einverleibt. 4 *) So hinterließ auch die persische Umgebung, in der sich die Juden nach dem Uebergang der babylonischen Herrschaft auf Lyrus und seine Nachfolger befanden, ihre Spuren?) Um nur ein Ergebnis der Berührung mit dem Glauben Zoroasters zu erwähnen, genügt es, auf den Einfluß der persischen Engel- und Dämonenlehre auf das jüdische Denken hinzuweisen.6) Die sogenannte hellenistische Bewegung unter den 1) Bousset: Die Religion des Judentums im neutestamentlichen Zeitalter, 448—492. Berlin 1903. 2) Kam. 25, 3; I. Sam. 8, 5 ff.; I. Kön. 11, 7; II. Kön. 23, 11; Amos 5, 26; Hosea 4,12; Jer. 7, 18; 44, 17,18,19,25. 3) Stade: I. A. 91., 23. Jahrg., S. 174 ff. r) Zimmern: „Zur Frage nach dem Ursprung des Purimfestes", Z. A. W., 11. Jahrg, 157—169. C. H. ToY: ..Bäker a8 a Babyloniam Godders“, New World, 6. Jahrg., 130—145. Bousset, a. a. £>., 467. 5) Erik Stave: „lieber den Einfluß des Persismus auf das Judentum", Haarlem 1898. Bouffet, a. a.£). S. 473 ff. Geiger: Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben, 4. Jahrg., S. 70 ff. 6) A. Kohut: „lieber die jüdische Angelologie und Dämonologie in ihrer Abhängigkeit vom Persismus". Leipzig 1866.

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