Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 2 (1910)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1910)
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Krsf. Ar. Krrttner: Szenische Sildrv aus Lee züdischrn Geschichte 1% Szenifche Bilder aus der jüdiichen Gefchichte. Rabbi Jodianan benSakkai. Personen: vespasian, Oberbefehlshaber der römischen Truppen vor Jerusalem. R. Iochanan ben Sakkai, stellv. Vorsitzender des großen Synhedrions zu Jerusalem. Zwei Trabanten. _ Vespasian. Steil auf, mein lieber Rabbi Iochanan, Steh auf und nahe dich getrosten Mutes! von allen Juden, die zu mir geflüchtet, Und ihre Anzahl ist fürwahr nicht klein. Ist keiner mir willkommener als du. Ich ehre deine Weisheit und dein Alter Und — du gehörst zu der Partei des Friedens. Du wünschest, daß Judäa uns sich beuge Und endlich Ruh' und Friede sei im Lande. (R. Iochanan nickt zustimmend.) Das hat dir Feindschaft und Gefahr gebracht, Ich weiß es wohl, und wundere mich sehr, Wie du, ein hundertjähriger Greis, es hast vermocht, lebendig aus der Stadt zu kommen, von soviel Römerfeinden unbemerkt. Iochanan. O Herr, mich schützte Gottes gnäd'ge Hand, Gr ließ gelingen meinen listigen plan. Durch meine Schüler ging hinaus der Ruf, Ich sei gestorben; und in einer Lade, Gleich einem Toten, trugen mich die Treuen Auf ihren Schultern durch das Tor der Stadt. vespasian. Gin kluger plan fürwahr, ich muß ihn loben. So klug, wie kühn! Mißlang er, war's gefährlich . . . U)er je für Rom sich in Gefahr begeben, Der hat des Römervolkes Dank verdient, Und diese Dankesschuld bezahl' ich gleich. Drum, hast du einen Wunsch, so sprich ihn aus! Was ich gewähren darf, gewähr' ich gern. Iochanan (sich verneigend). Hab' Dank, o Herr, für dieses Trosteswork, Das mich erfreut in meinem tiefen Gram Und meine kurze Lebensfrist erleuchtet! Wohl Hab' ich für mich selber einen Wunsch; Doch willst dü, wie du sagst) mich ganz erfreuen. So laß mich erst für meine Freunde bitten! vespasian. Für deine Freunde? Sind das auch die mein'gen? Iochanan. Noch nicht; doch steht's bei dir, daß sie es werden. vespasian. Beim Zeus, du weißt geschickt es einzufädeln! So laß mich endlich deinen Wunsch vernehmen! Iochanan. O Herr, daß wir dem Untergang geweiht Und Stadt und Tempel sinken in den Staub, Das sah ich längst und mancher Gdle mit mir. Krank ist darüber Rabbi Zadok worden. Denn seit Jahrzehnten betet er und fastet Und ist so schwach und elend, daß ich dich vor allem bitte: send' ihm einen Arzt! Vespasian. Gs soll gescheh'n. Was wünschest du für dich? Iochanan. G Herr, den zweiten Wunsch wag' ich nur schüchtern. Denn Rabbi Simons Vater ist)" du weißt es, Gin Römerfeind; doch'Simon ist es nicht. Drum bitt' ich dich: wenn du die Stadt erstürmst. Laß meinen Schüler Simon Gnade finden! vespasian. Gr soll sie finden, weil du für ihn bittest. Doch sage nun, was wünschest du für dich?