Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 1 (1908-1909)
- Issue
- 16 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 381 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus David Einhornes Werken 381 dienst, der es vermag, die Schäden und Nisse in unserem Schicksale, in unserem wollen, Empfinden und Tun zu heilen, und den zerrissenen, weil mit Gott und sich selbst zerfallenen Menschen, zum Isok tarn wieder ganz zu machen; einen Gottesdienst, der die israelitische Lehre in ihrer vollen Reinheit, Erhabenheit und Herlichkeit leuchten läßt und allein im Stande ist, die erkalteten Gemüter wieder für dieselbe zu erwärmen und zu begeistern. — * * * .Wir wollen eine Schule, die sich zur Aufgabe stellt, das kindliche Gemüt die Religion aus der eigenen Tiefe schöpfen zu lassen, anstatt ihm dieselbe als ein blos Aeußerliches und Fremdes mechanisch einzupumpen, das Judentum zu einer Sache des Herzens und Lebens und nicht blos des Gedächtnisses und der Einbildungskraft zu machen. — * * versucht es doch, dieser Jugend, die frei unter freien Menschen sich bewegt, ein Judentum einzuimpfen, das die Schranken zwischen Israel und den Völkern verewigt wissen will, den Israeliten von der Gesellschaft förmlich ab schneid et und mit seinem hoffen und wünschen der tiefsten und lebendigsten Strömung der Gegenwart gegenüberstellt; versucht es, sie für die Gotteshäuser zu gewinnen, worin ihr mittelalterliche Klagen entgegentönen, und Gebete um Rückkehr nach der uralten Heimat, um Wiederherstellung des Oxferkultus und des menschlichen Königtums in ^Israel, und ihr werdet nur zu bald Gleichgültigkeit, Geringschätzung, wo nicht entschiedene Feindschaft gegen das finden, wofür ihr Liebe säen wollt. . . wir wollen unsere Kinder Hinweisen auf die welterlösende Macht in dem unsterblichen Wesen der Sinailehre, auf die Wandelbarkeit ihrer Formen, auf die glorreichen Triumphe, die sie auch außerhalb Jakobs bereits errungen, auf die beispiellosen Opfer, die ihre Erhaltung gekostet, auf die wunderbare Lebenskraft, womit sie durch zusammenstürzende Welten unversehrt dahinschritt, auf den dereinstigen großen Völkerbund in Gott, den sie gerade durch die ehemalige volkstümliche Absonderung Israels erzielen wollte. -i- * Die Reform ist weit "davon entfernt, mit den religiösen Zeremonien in Bausch und Bogen aufräumen zu wollen; sie bricht den Stab nur über die seelenlos gewordenen und seelenlos geübten, ... die lebendigen und mit lebendigem Sinne geübten Formen dagegen gelten ihr fort und fort als unentbehrliche Lampen für das welterhellende Licht der Gotteslehre. Die sogenannte Orthodoxie will diese Unterscheidung freilich ebensowenig anerkennen, als überhaupt die zwischen Wesen und Form. Für sie ist alles Wesen. . . Eifern denn aber nicht schon die Propheten gegen den gedankenlosen Opferprunk ohne sittliche Heiligung? Sind nicht tatsächlich die Zeremonien an gewisse Zeiten, Räume und Personen gebunden, während das Sittengesetz immer und überall und für jedermann seine Geltung anspricht? Scheidet nicht schon das talmudischr Judentum zwischen religiösen Geboten, die, wenn sie auch nicht in den Büchern Moses niedergeschrieben wären, in Kraft treten müßten, weil sie im Menschengeift selbst geschrieben stehen, und solchen Geboten, . . wogegen wegen ihrer Unergründlichkeit . . die . . Vernunft Einwand erhebt, und die in unserer Sprache tote Zeremonien heißen, Lampen, deren Licht erloschen? -i- Das Zeremonialgesetz ist durchaus nicht das Band, das die Zerstreuten verbindet, es ist vielmehr die Scheidewand, die die Zusammengehörenden voneinander trennt.