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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 16 (1909) · p. Seite 380

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
16 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 380 (sequence 20)
Language
German
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880 Aus Aavid Einhornes Merken hat, so wandelt er die Feinde ihm zn Freunden um." Das Einhorn'sche Gebetbuch, das Werk eines schöpferischen religiösen Genius, von Dr. pirsch ins Englische übertragen und in Lhicago und in Baltimore eingeführt, ist die Grundlage der von 250 jüdischen Gemeinden angenommenen englischen Vereins - Gebetbuchs (Union Prayer Book) geworden. Die jüngste Linhorn-Feier hat in großartigem Maßstabe gezeigt, daß trotz der russisch-rumänischen Reaktionsbewegung im Osten das Judentum Amerikas im Geiste Einhornes fortschreitet, der, ohne an die Darwinischen Evolutionstheorie oder die moderne Bibelkritik zu glauben, das Judentum als eine ewiger Fortentwicklung fähige Religionswahrheit erklärte, die mit dem ersten Menschen beginnend, erst in der durch Israels Lehre geeinten Menschheit ihr Endziel findet. Neben Abraham Geiger, dem Bahnbrecher des Reformjudentums, hat keiner der großen Reformxioniere für den Gedankenaufbau, das Glaubenssystem des freien, fortschrittlichen Judentums so wertvolles und positives geleistet, als der gemüts- und gedankenreiche, prinzipienfeste und mit schöpferischem j)rophetengeist ausgerüstete Meister des Worts und der Schrift, David Einhorn. Bus Daoid Cinhorn’s Werken. Das Judentum ist in einen Wendepunkt getreten, ... In Folge der unbezwinglichen Macht des Lebens ist ein tiefer Zwiespalt zwischen dem ganzen Tun und Lassen und der religiösen Ueberzeugung im allgemeinen eingetreten, der nachgerade aufhört, die Gewissen zu beängstigen, und die Fortdauer eines solchen Zustandes wäre das größte Unglück, das über Israel nur immer kommen könnte. Einerseits ist man daran gewöhnt, die wichtigsten Zeremonialgesetze alltäglich zu übertreten und sich dennoch als Israelite dazu verpflichtet zu halten, andererseits spricht man im Gebete religiöse wünsche und Hoffnungen aus, die im Kerzen nicht den geringsten Anklang mehr finden und mit dem wahren Geiste der Sinailehre in schneidendem Widerspruch stehen. Dies müßte nach und nach dahin führen, daß das religiöse Gefühl. . . völlige Abstumpfung erleidet .... Alles Reden und Ermahnen gegen diesen Zwiespalt zugunsten des Herkommens hat die Erfahrung als fruchtlos herausgestellt, als unfähig, dem Toten wieder Leben einzuhauchen... Es handelt sich um einen Riß, der das Judentum in innerster Seele berührt. ■ * * * warum haben seit Jahrzehnten viele Juden unseren Gotteshäusern sich entfremdet? Weil die reichen Schätze unseres Kultus durch eine unverständliche Sprache verschlossen sind und ohnehin unter mittelalterlichen Klagen und den verblichenen Wünschen nach Wiederherstellung des alten jüdischen Staatslebens und Opferkultus wie perlen im Sande vergraben liegen, warum haben viele tausende von Israeliten fast alles jüdische Bewußtsein verloren und kaum noch. ein dunkles Gefühl des Zusammenhangs mit der Gemeinde? weil sie unter den veralteten Sitten das ewig lebendige Wesen des Judentums nicht mehr erkennen, weil verrostete Gebräuche wie verwitterte Felsblöcke den Grundstein des Weltenheils ihnen verdecken. . . . All diese Erkalteten will die Reform des Judentums wieder zurückerobern, wieder begeistern für unser Heiligtum. * * vor allem wollen wir einen Gottesdienst, der diesen Namen in Wahrheit verdient, der die Kraft besitzt, uns zu erbauen, zu läutern und zu erquicken, unsere Seele zu laben, wenn sie dürftet, zu trösten, wenn sie leidet, zu ihrem Urquelle zurückzuführen, wenn sie sich in Uebermut von ihm entfernt; einen Gottes-

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