Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 1 (1908-1909)
- Issue
- 16 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 379 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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K. Köhler: Zum hundertjährigen Geburtstag Aavid Einhornes Z79 Vor? berief er im Jahre j86H die philadelphiaer Rabbiner-Konferenz, an der sich Samuel pirsch, sein Freund und Nachfolger in Philadelphia, wie seine früheren Gegner Isaac M. wise und Max Lilienthal und all die übrigen Reformrabbiner entschiedener Richtung beteiligten, und in welcher die von ihm vorgeschlagenen Prinzipien des Reformjudentums, so weit sie auf den Kultus und auf die Ehegesetze Bezug haben, angenommen wurden. Damit war für alle folgende Zeit der Grund zum amerikanischen fortschrittlichen Judentum gelegt und aller Halbheit, die die klaffenden Gegensätze bloß vertuschen will, ein Lnde gemacht. Unterdessen hatte sich das von (865 bis 1858 erschienene Einhorn'sche Gebetbuch Olath Tamid, das durch seine erhabene und schwungvolle Sprache, seine wunderbare Begeisterungskraft und seinen wahrhaft prophetischen Geist in den verschiedenen deutschredenden Gemeinden echte Ueberzeugungsglut entfachte, im Westen wie im Osten Amerikas eingebürgert und die kaum mehr verstandenen hebräischen Gebetbücher, die man nach deutschem Muster für den Reformkultus zurechtgestutzt hatte, allmählich in den Schatten gestellt. Nur die deutsche Sprache des Einhorn'schen Gebetbuchs wie seiner predigten und Schriften stand der Verbreitung seiner leitenden Ideen von der Offenbarung Gottes im Menschengeist und von der Priesterheiligkeit des jüdischen Volkes, „des Völkermessias", im Wege. Sein (866 in Philadelphia veröffentlichtes Religionsbuch: Ner tamid mit seinem reichen, anregenden Inhalt blieb erst recht den Meisten verschlossen. Die große englisch - redende jüdische Masse verstand den Mann nicht, der zu keinerlei Kompromissen sich verstehen wollte und niemals nach Volksgunst haschte. Ihm blieb die deutsche Sprache die Muttersprache des Reformjudentums, und nur von deren pflege erhoffte er das Gedeihen des Letzteren. Noch weniger verstanden die eigenen Genossen den, der sich gerne Radikalreformer nannte und zugleich gegen die Mischeheneinsegnung eiferte als eine Darbietung eines Nagels zum Sarge der winzigen jüdischen Rasse, wie er sich ausdrückte. Lr, der öffentlich über Speise- und Sabbatverbote sich hinwegsetzte, eiferte gegen die, die eine Leviratsehe (die Ehe mit der Witwe des verstorbenen Bruders gleichviel ob dieselbe kinderlos oder mit Kindern bedacht war) einsegneten und damit eine verbrecherische Ehe sanktionierten. Keiner der modernen Rabbiner opferte für den Gott Israels mit solchem Feuer wie Einhorn. Keiner setzte sein ganzes Leben, Gut und Blut, für die Ehre des Judentums und die Hoheit des Menschentums ein, wie er; und Keiner sprach mit solch glühender Begeisterung von Amerikas Größe und Amerikas Großen als er, der deutsche Mann. Rührend ist, was er in seiner Gedächtnisrede auf Abraham Geiger sagte: „Es werde Licht! Dies ist Abraham" sagen die Alten. Dies gilt auch von Abraham Geiger, welcher Licht brachte in das Tohuwabohu des Judentums. Doch er ward verkannt. Undank, Mißachtung und Verfolgung war ja immer das Los der größten Propheten. Erst am Schlüße ihrer Laufbahn erscheinen sie früher oder später in ihrer wahren hoheitsvollen Gestalt. Erst der Tod sühnt das verbrechen, als Geistesriese viele Tausende zu überragen und der Beschränktheit und Eitelkeit ein Dorn im Auge zu sein." Ls spiegelt sich hier Einhorns eigenes Lebensbild ab. Als er im siebenzigsten Lebensjahre seinen Abschied von der Kanzel nahm, nahm er zum Text das Wort: „Ein Hebräer bin ich" und gab unter diesem Wahlspruch einen großartigen Rückblick auf sein segens-, aber auch dornenreiches Leben. Er erfuhr noch die Bewährung des Spruchs: „wenn Gott an den wegen eines Mannes Wohlgefallen