Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 1 (1908-1909)
- Issue
- 16 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 368 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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368 Ar. Milde: Ci« Zwiegespräch zwischen Charmkslicht und WrrhnachtsLrcht °° So wollt Ihr nicht mit uns feiern, sprachen die großen Lichter? Nein! wir dürfen es nicht und können es nicht. So haßt Ihr uns wohl? sprachen die Weihelichter. Aber die Lhanukalichter erwidern: Nein! wir hassen Luch nicht. wohl haben Eure Bekenner uns oft mit bitterem Hasse verfolgt und verfolgen uns noch heut, wollen uns mit List und Gewalt verlöschen, damit Ihr nur allein strahlt. Noch heute setzt man Preise aus für die Juden, die nichts mehr wissen wollen vom alten Gott, die sich schämen dem Volk der Priester anzugehören, die sich schämen des Makkabäerblutes, die sich schämen ihrer Ahnen. Aber darum hassen wir Luch nicht; denn nicht Lure Religion, sondern nur Lure Bekenner haben uns Böses getan, weil sie ihre eigene Religion nicht verstehen. Wir hassen Luch nicht, weil unsere Religion uns gebietet, du sollst nicht Nachträgen, du sollst nicht hassen in deinem Kerzen, du sollst Böses mit Gutem vergelten. Nachdenklich schwieg das große Licht; dann aber stellte es eine neue Frage: Aber gleichgültig steht Ihr uns doch gegenüber? Doch entschieden, schüttelte das Lhanukalicht sein Flammenhaupt: wir sind gegen Luch nicht gleichgültig. Seid Ihr doch die lebendigen Zeugen für das, was wir für die ganze Menschheit bedeuten. Ihr habt sa gesorgt, daß Hunderte Millionen von Menschen wissen und lernen vom Gotte Abrahams, Isaks und Jakobs, Ihr habt unsere Gebote der halben Menschheit gebracht, durch Luch sind unsere großen Männer die großen Männer geworden für ungezählte Völker. Moses ist auch für sie ein Prophet, unsere Propheten sind auch für sie Verkünder der Wahrheit. David ist auch für sie der königliche Psalmensänger. Unsern Ruhm als Volk der Bibel, als Volk der Propheten habt Ihr der Menschheit verkündet. Darum freuen wir uns über Luch, wie wir uns freuen, daß noch eine Weltreligion vielen Völkern unsere Wahrheit wieder in anderem Gewände verkündet. wir wollen auch nicht in Luere Däuser kommen, um Luch dort zu verdrängen. Nie haben wir andere bekehren wollen, nur in unseren Däusern wollen wir leuchten, wir wollen nur, daß die Juden uns nicht vergessen. Gott wird wissen, warum er das Volk der Juden erhält, wird uns noch zu feinem weltenplane gebrauchen, zum Heil für die ganze Menschheit. Da schwiegen die Lichter und in ihren Flammen spiegelten sich die Bilder vergangener Zeiten. Klein, aber ruhig und fest stand die Flamme des Ghanukalichtes, hoch und unruhig leuchteten die Flammen des weihnachtslichtes. Da flammte dieses plötzlich noch höher und strahlender auf, als ob es ein neuer schöner Gedanke durchzuckte. Und also sprach das weihnachtslicht: So können wir beide leuchten, ohne einander zu stören, ohne einander zu hassen oder zu beneiden. Ihr leuchtet den Juden, wir den anderen Völkern. Wir sehen in Luch die Lichter für das alte, heilige Volk, das den Glauben behalten 'soll, wie Mose und .die Propheten es sie gelehrt. Doch Ihr achtet in uns das Licht für die Völker, die von den Heiden abstammen. So wollen wir beide leuchten. Glaube und Treue, Kraft und Liebe wollen wir in die Kerzen unserer Bekenner hineinstrahlen, daß sie wetteifern in Achtung der Menschenrechte und in Menschenliebe. Dann wird der ewige Gott vom Himmel niederschauen und in beiden Lichtern seine Lichter erkennen. So grüßten einander die beiden Lichter, Lhanukalicht und weihnachtslicht, und wie Heller, froher Schein lag es über der Lrde.