Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 1 (1908-1909)
- Issue
- 16 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 366 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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366 Ar. Milde: Ein Zwiegespräch zwischen ChanukaUcht und MeihnnchtsUcht °° die ihrer Ueberzeugung nach gewillt sind, im Sinne des religiösen Liberalismus zu lehren und zu predigen und deren Lebensführung ihrer Lehrtätigkeit entspricht. <£s muß wieder Wahrheit einziehen in unsere Gotteshäuser und Lehrhäuser, Wahrheit in die religiöse Lebensführung der Familien, gegründet auf die Übereinstimmung zwischen Lehre und Leben. Dann gibts auch wieder freudiges Bekennen und ihres Judentums frohe Bekenner, da wo jetzt Indifferentismus und Apathie herrschen. 6n ^wiegesprääi zroifchen Chanukalidif und Weihnachtslicht. Von Rabbiner Dr. Georg Wilde-JTlagdeburg. uf dem ganzen Erdenrund strahlen ungezählte Lichter und künden hundert Millionen von Menschen, daß das Heil geboren sei. Still und bescheiden brennen daneben die Lhanukalichter. Sie blicken hinaus durch die Fenster und sehen wie draußen die Erde erfüllt ist vom Schein der anderen Lichter. Mit welchen Gefühlen blicken die Lhanukalichter auf die weihelichter? Blicken sie neidisch von ihrem stillen Drt auf jene, die den halben Erdkreis erleuchten? Sind sie gar haßerfüllt, wie der Schwache gegen den Starken, der Besiegte gegen den Sieger? Stehen sie gleichgültig fern ab, weil ihnen jene großen Lichter fremd sind und ihnen nichts gellen? Oder sprechen sie: „Nie kann es hell genug auf der Erde sein und j)latz ist für Lichter mannigfacher Art." vermögen die Lhanukalichter sich gar zu freuen über die großen Lichter? Wir wollen hören was Lhanukalicht und weihelicht zueinander sprechen, was sie einander zu sagen haben. Es sprechen die großen Lichter: Heute wurde geboren das Licht der Welt, vor 2000 Jahren sind wir hinausgezogen zu der Heidenwelt, ihre Nacht zu erleuchten. Man hat das Licht in Blut ersticken wollen. Aber wir waren stärker. Und nun leuchten wir fast über den ganzen Erdenrund. Zu hundert Millionen kommen wir, in j)alast und Hütte und verkünden, daß Gott geboren, daß Liebe und Friede auf die Erde gekommen. Doch was vermöget Ihr zu sagen? Die Lhanukalichter erwidern: wir leuchten nur wenigen Millionen Juden und wissen nur wenig zu erzählen. Einst, längst, längst vor Euch hat im fernen Land Gott Menschen erweckt, die an ihn allein glaubten, die ihm dienten durch Recht und Liebe, wie der Stammvater Abraham. Dann hat Gott den Mose berufen mit den zwei steinernen Tafeln, auf denen nur zehn Sätze geschrieben waren. Für diese hat Salomon einen Tempel gebaut, daß die Tafeln darin liegen. Und hat ein ewiges Licht entzündet; das brannte und verkündete: Hier ist die Stätte, wo man nur beten darf zu dem einig-einzigen Gott, dem Gott der zehn Gebote, dem Gott des Rechts und der Liebe, von jenen Lichtern stammen wir ab. Heiden kamen, zerstörten den Tempel, verlöschten das Licht. Doch nach siebzig Jahren ward der Tempel wieder erbaut, das Licht wieder entzündet. Doch wieder kamen andere Heiden, entweihten den Tempel, verlöschten wieder das Licht, verboten bei Todesstrafe, dem einig-einzigen Gott zu dienen, und belohnten reichlich die, die den heidnischen Göttern sich zuwandten. Denn die Heidengötter waren die Götter der Mehrheit, die Götter des Staates, viele folgten ihnen, wären alle gefolgt, das Volk der Juden wäre zu Grunde gegangen. Dann würden wir Lhanukalichter nicht brennen. Aber auch Ihr würdet nicht leuchten, denn Euer Heil kommt von uns. Euer Heil ist geboren im jüdischen Volk, durch den jüdischen Glauben, wäre