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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 15 (1909) · p. Seite 353

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Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
15 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 353 (sequence 17)
Language
German
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o o o o Prof. Ar. Ludwig Geiger: Girre Nrnkfchrifi von Zunz 353 verfallen, wo Humanität, Bildung, wissen, Sittlichkeit weniger pflege erhalten als Schulengehen. Lieber gar keine Rabbiner- Anstalt als eine neue pflanzschule der Heuchelei, der Finsternis und der verfolgungssucht. ad 5) Fest angestellt werden: ein Seminardirektor, ein Vorsteher der Rabbiner-Anstalt und fünf Lehrer, nämlich zwei für das Seminar, zwei für die Seminarschule, einer für die Rabbinats-Beflissenen. Die beiden Anstalten gemeinschaftlichen Fächer können auch gemeinsam gelehrt werden. ad 6) Diejenigen, welchen Einrichtung und Geist der dortigen Universität und des evangelischen Seminars besser bekannt ist, werden bestimmen können, ob etwa bei Turnübungen, botanischen Spaziergängen, oder im Fache der Naturlehre eine Beteiligung der Zöglinge an dem Unterrichte und den Uebungen jener Institute ausführbar und ratsam erscheint. Ich würde eine derartige Beteiligung immer nur auf das Notwendigste beschränken, und wo der vorteil klar ist. Line Scheidung der jüdischen von den nichtjüdischen Lehrgegenständen schadet dem Geiste des Ganzen, ist auch aus pädagogischen Gründen mißlich. Ls wäre nicht zweckdienlich, die Lehrer in einer Anstalt vorzubereiten, wo sie nachher nicht zu unterrichten haben. Daß die Rabbinats-Zöglinge passende Vorlesungen an der Universität hören, ist ganz angemessen. ad 7) Der in das Institut eintretende Zögling nmß durch Anlage und Vorbildung seinen Beruf bewähren. Rkan sei streng gegen Unsittliche, milde gegen Gebesserte. Das Minimum von Kenntnissen für jeden Aufzunehmenden dürste sein: Lesen und schreiben (deutsch — latein — jüdisch kursiv); deutsch geläufig lesen, Diktate ohne sonderliche Fehler niederschreiben, leichte Aufsätze anfertigen; rechnen in den sogenannten vier Spezies; die geographischen Elemente; Bekanntschaft mit den gewöhnlichen gottesdienstlichen Gebräuchen; hebräisch lesen; leichtere Stellen in Pentateuch und Gebetbuch übersetzen; Raschi und Rlischna dürfen nicht ganz unbekannt sein. von dem Zöglinge der Rabbinats-Anstalt ist größere Fertigkeit in Bibel und Talmud zu fordern. ad 8) Für jede Anstalt währt der Kursus vier Jahre, zwei Jahre in jeder Klasse. Die Aufnahme der Zöglinge findet alle zwei Jahre statt. Im Schreiben, Zeichnen und Singen ist die Klassen-Abteilung unnötig, und nur für den Gesang wäre zeitweilig eine Einübung der Anfänger in besonderen Stunden erforderlich. Für den Klassenunterricht in den: Seminar füge ich hier als vorläufigen Entwurf, folgende Uebersicht bei: A. Untere Klasse: Religion Bibel hebräisch Geschichte Erdkunde Naturgeschichte Deutsch Latein Rechnen Geometrie 2 Biblische Geschichte; Gottes- und Sittenlehre. 5 Pentateuch. Die historischen Bücher. Raschi. 2 Lautlehre, Konjugation und Deklinatton — Uebungen — Rfischna-Abschnitte. 2 Bis zu Ende des Dritte!alters. 2 Gebirgs- und Wasser-Systeme. Die politische von Europa. 2 Mensch und Tier — erster botanischer Kursus — psianzenbeschreibungen. H Sprach-, Analysier- und schriftliche Uebungen — Lesestücke, Grammatik. 3 Übersetzungen und Uebungen — Grammatik. 3 bis einschließlich Proportionen mit praktischer Anwendung, Wechselrechnung rc 2 Elemente der Planimetrie nebst Kreisberechnung, prakttsche Aufgaben. wöchentlich 25 Lehrstunden.

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