Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 1 (1908-1909)
- Issue
- 15 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 352 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3126481-3126482-3126498--0373-3127149- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
352 Prof. Ar. Ludwig Geiger: Eine Aenkfchrift von Zunx o o o e ist, kann zu einer Vereinigung beider Anstalten nicht geraten werden; die eine würde leiden, wenn ein Rabbiner, die andere wenn ein Pädagoge an der Spitze stünde. Zwei Direktoren aber heißt zwei Anstalten. Für die jungen Leute würde ein Institut mit zwei Abteilungen bedeuten, daß diese entweder eine über der andern, oder eine neben der andern bestehen. Zn dem letzteren Falle wählt man sich eine Abteilung, oder wird einer zugewiesen, d. h. der junge Mann wird entweder Lehrer oder Rabbiner. Aber in dem erstern Falle rückt man von der niedern Abteilung in die höhere hinauf: Wer möchte entscheiden, ob die Lehrer- oder die Rabbiner-Abteilung die höhere sei? Dieser Verlegenheit entgeht man durch die Errichtung zweier von einander getrennter Anstalten. Immerhin könnten, dieser Trennung unbeschadet, die Zöglinge in solchem Unterrichte vereinigt werden, der beiden Anstalten auf gleiche Weise nötig ist. Wenn nicht persönliche Beziehungen störend einwirken, hat die Linerleiheit des Lokals, wenn dieses nur zweckmäßig ist, nichts Nachteiliges. Aus demselben Universitätsgebäude gehen Gelehrte, Aerzte, Richter, Geistliche, sogar verschiedener Religionen hervor. ad 2) Gb Einnahmen genügen, dies ist von den Ausgaben abhängig, und der Etat der Ausgaben von dem plan für die zu errichtenden Anstalten. Jede Anstalt muß zwei Klassen und die zur Bildung von Lehrern eine Seminarschule von wenigstens drei Klassen haben. Wenn keine Mieten für nötige Lokalitäten zu zahlen sind und die Stipendien nicht zu viel wegnehmen, dürften fünftausend Taler Gold jährlich für sämtliche Anstalten vollkommen ausreichen. ad 3) Für die Rabbiner-Anstalt ist der Ausdruck collegium rabbinicum gebraucht, der vermutlich dem in padua bestehenden Institute entlehnt ist, obwohl bei uns collegium, nicht wie in Italien und Frankreich, eine Lrziehungs- oder Schulanstalt bedeutet, und selbst in der Sprache der Fakultäten collegium rabbinicum nur eine über rabbinische Gegenstände gehaltene Vorlesung bezeichnen würde. Was indes die mehreren jüdischen Lehrer- Seminare in Deutschland betrifft, so verdiente es genauer ermittelt zu werden, wo dergleichen wirklich vorhanden, mit Angabe über Etat, Lehrplan, Einrichtung, Frequenz. Mir scheint es nicht, als sei man hinlänglich in diesem Punkt unterrichtet, ja die Ausstattung und Wirksamkeit der wenigen Institute dieser Art machen ein neues, das tüchtig ist, nicht überflüssig, nachdem selbst das hier errichtete an bsitze der Feinde und Frost der Freunde gestorben ist. Kann man jene statistische Ermittelung nicht anstellen, und kann man nur eine Anstalt ins Leben rufen, so antworte ich auf die Frage: welche? daß die leichtere und wohlfeilere das Rabbiner-Institut, die nützlichere und teurere das Seminar ist. Man befrage die bedeutenderen Gemeinden, wenn auch nicht ausschließlich ihre Rabbiner und Lehrer, vielleicht gewähren die antwortenden Stimmen für das zu errichtende Institut die feste Grundlage des wirklichen Bedürfnisses. Bereits in dem Gutachten, das über jüdische Kultusverhältnisse im Sommer ^8H5 der Regierung abgegeben wurde, ist auf die Wichtigkeit von Seminarien aufmerksam gemacht worden, die zur Vorbildung der Religionslehrer und Rabbiner an Universitäts - Orten anzulegen seien. ad H) Ein Alumnat ist kostspielig, lockt Unberufene an und führt zu allerlei in dem Kloster und Kasernenwesen begründeten Mißbräuchen. In einer solchen Anstalt zieht man vor und setzt hinten an, beides meist ohne Grund; dem Nepotismus wird Tür und Tor geöffnet und unter den Zöglingen ein bevorzugter Stand geschaffen. Durch das unmittelbare eintretende Bedürfnis einer Haus-Synagoge wird man unvermerkt in den Schlendrian der alten Bet-hamidrasch