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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 15 (1909) · p. Seite 349

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
15 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 349 (sequence 13)
Language
German
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Krsf. Ar. Ludwig Geiger: Eine Irnkschrift von Zun; 349 6ne Dcnkfchriff von Zunz. mitgeteilt von Hudroig Geiger. unz unter den Liberalen? — Diese verwunderte Frage dürfte von Rennern mit um so größerem Staunen aufgeworfen werden, wenn sie unter dem folgenden Aktenstücke die Jahreszahl (853 sehen. Denn sie erinnern sich dann, daß der kühne Forscher und lichte Geist, der später nach (870 seine Verehrer mit jugendlichen, rücksichtslosen bibelkritischen Forschungen überraschte, gerade in jenen Jahren seit (8H5 sich ganz der Altgläubigkeit in die Arme geworfen hatte, daß er im Gegensatz zu der allerorten und nicht zum geringsten gerade in Berlin so lebhaft aufkommenden Reformbewegung die strengste Befolgung der Vorschriften, z. B. der Beschneidung und der Teffilin rigoros verlangte, und selbst ganz anders als so viele Neuorthodoxe den Worten die Tat folgen ließ, und zunächst durch Umwandlung seines Haushalts selbst ausführte, was er predigte. Und doch — der echte Mann der Wissenschaft und besonders der des Judentums muß liberal sein, wenn er nicht eben bloß antiquarische Schnitzel sammelt. Und so war es auch bei Zunz. Trotz seines heftigen polterns gegen die Neuerer, bei denen das Ungeschichtliche des Vorgehens, die rücksichtslose Nichtachtung der Vergangenheit ihm mißfiel, zeigte er doch im Grunde seines Herzens Neigung zu ihnen und Billigung ihrer Tendenzen, sobald diese sich der geschichtlichen Entwickelung anschlossen. So erscheint er auch in dem folgenden Aktenstück. Es ist den Akten des Breslauer Rabbinerseminars (aus dem Archiv des Ruratoriums der Fraenckelschen Stiftungen) entnommen^) und bedarf zu seiner Erklärung nicht vieler Worte. i) Ich statte an dieser Stelle dem wohllöblichen Kuratorium der Fraenckelschen Stiftung meinen Dank für die Erlaubnis ab, diese hoch- Der (8H6 verstorbene RommerzienraL 3- Fraenckel in Breslau, der sein großes vermögen hauptsächlich zu wohltättgen Anstalten bestimmte, hatte unter den zu errichtend enInstitrtten auch eine Lehrerbildungsanstalt und ein Rabbinerseminar genannt. Fraenckel, der mit Abraham Geiger persönlich wohl bekannt war, möglicherweise erst durch ihn, der schon (838 für die Begründung einer theologischen Fakultät plädiert hatte, zur Schaffung einer mit derartigen Plänen verwandten Einrichtung überredet worden war, hatte vermutlich den Genannten als Leiter ins Auge gefaßt?) Er hat aber darüber keine Verfügung getroffen, sondern den drei von ihm eingesetzten Ruratoren, denen das Recht zugebilligt worden war, sich zu ergänzen, das volle, uneingeschränkte Recht der Einrichtung des Instituts und der Berufung der Lehrer überlassen. Die drei Ruratoren, die den Auftrag hatten, erst (85(, nach Auflösung des Fraenckelschen Geschäfts, auch diese Angelegenheit in die Wege zu wichttge Sammlung benützen zu dürfen. Sie hat mir nicht nur für diese Mitteilungen treffliche Dienste geleistet, sondern auch sehr bemerkenswerte Aufschlüsse über die Gründung des Seminars gegeben, die ich in der Biographie meines Vaters zu benutzen gedenke. 2) Ich sage ausdrücklich ,,vermutlich", denn in den Akten findet sich davon nichts. Ich stütze mich dabei auf Andeutungen meines Vaters, der in seiner völligen Ausschaltung aus dem Rabbinerseminar nicht bloß eine sachliche, sondern eine persönliche Rränkung sah. Er und seine Anhänger waren der festen Ueberzeugung, daß er nach dem wirklichen, wenn auch nicht ausdrücklich ausgesprochenen willen des Testators der auserlesene Mann gewesen sei. Der Umstand, daß Fraenckel sich veranlaßt sah, eine bestimmte Summe zu bestimmen, die Geiger zu seinem Gehalte zuzulegen war, der fernere, daß dieser ausdrücklich damit betraut war, den Trauergottesdienst zu leiten, der bei den Iahrzeiten Fraenckels und der Seinigen veranstaltet werden sollte, bestätigt diese Vermutung.

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