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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 15 (1909) · p. Seite 344

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Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
15 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 344 (sequence 8)
Language
German
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344 Nie freie indische Vereinigung urteilt; z. B. „Die Wissenschaft des Judentums ist das Leben des Judentums." wir dachten bis heute, daß die Wissenschaft des Judentums die Erklärung und Beleuchtung des Judentums bedeute, sein Leben aber sei die religiöse Tat, die der religiösen Gesinnung entstammt, da es ja auch ein lebendiges Judentum vor der Wissenschaft des Judentums gab. Zu den religiösen Taten gehört allerdings auch die emsige Beschäftigung mit der Gotteslehre und der Wissenschaft des Judentums, jedoch die Feier der Feste, der andächtige und stimmungsvolle Gottesdienst, die Ausübung von Liebesdiensten, der Wandel in den wegen Gottes heißen im eigentlichen Sinn Leben des Judentums. weil aber die Verfasser des Aufrufes vom Leben des Judentums sprechen, sei damit ein Vorwurf in Zusammenhang gebracht, der der Liberalen Vereinigung gemacht wird: „Unter dem Schlagwort des Liberalismus hat sich ein verband gebildet, dessen Programm die Verbindlichkeit der Bibel und der Tradition nur insoweit anerkennen will, als diese Quellenschriften mit dem Leben in Einklang stehen." Selbstverständlich! antworten wir. Das Judentum soll eben leben! Wir wollen das Leben des Judentums, die religiöse Tat, die der religiösen Gesinnung und Ueberzeugung entstammt. Wollt ihr dies nicht auch? Habt ihr nun eine andere Ueberzeugung, trachtet sie uns beizubringen, wie wir uns bemühen, unsere Ueberzeugung euch 'beizubringen! Zeigt ' einmal, wie eure Ueberzeugung mit dem Leben nicht im Widerspruch ist. Welches sind aber eure Ueberzeugungen? Ihr sprecht von „Hypothesen, die mit Unrecht als sichere Ergebnisse der Wissenschaft ausgegeben werden," welches sind eure sichere Ergebnisse der Wissenschaft. Eure Ueberzeugung scheint die der Orthodoxie zu sein, eure sichere Ergebnisse scheinen die der Orthodoxie zu sein, und die Orthodoxie wollt ihr auch nicht, weil ihr euch ihrer schämt — was wollt ihr eigentlich? „Verhängnisvolle Lehren" nennt der Aufruf das Streben, dem Judentum wieder Kraft, Schönheit und schaffendes Leben zu geben, eine „Verwirrung der Zugend" das Streben, den Religionsunterricht, moderneren Anschauungen entsprechend, zu gestalten. Wodurch wollt i h r den Abfall zu verhindern suchen? Es genügt nicht zu sagen: „wir wollen danach trachten, der Religion die wacht über die Gemüter wieder zu gewinnen, damit sie wie in den Tagen unserer Väter das Leben wieder heilige und verkläre," das sind nur leere Worte, wenn nicht auch die Wittel dazu angegeben werden. Die liberale Partei zeigt nicht nur das Ziel, sondern auch den weg zum Ziele, und darum ist gerade die liberale Partei die Partei der Versöhnung und der Treue, die die Vergangenheit nicht verleugnet und alle Heiligtümer der Vergangenheit, die auch in der Gegenwart das Herz erwärmen, beschützt und bewahrt, was aber in unserer Zeit das Leben der Gesamtheit verkümmert, was den Geist, statt ihn zu befreien, einengt, gehört der Zeit an, in der es einst heilsame und segenspendende Institution war, heute aber nur noch fromme Erinnerung sein kann. Der Aufruf der Freien Vereinigung erklärt in sehr gewundenen Worten der Bibelkritik den Krieg und stellt sich dadurch in die Reihe jener, die den wodernismus bekämpfen. Bis heute waren wir der Ansicht, man betrachte im Judentum die Bibelkritik als eine Wissenschaft, die man betreiben oder auch nicht betreiben kann. Wan kann als radikaler Bibelkritiker gläubig und religiös fein, man kann ohne Bibelkritik ein Atheist sein. Wan kann die Ergebnisse der Bibelkritik und der vergleichenden Religionswissenschaft benützen, um den Skeptizismus zu unterstützen, man kann aber ihre Lrgeb-

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