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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 14 (1909) · p. Seite 333

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Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
14 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 333 (sequence 21)
Language
German
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Professor Ar. Senator über das Judentum 333 lichkeit des Judentums, als seine Kultureigenschaft empfunden. In der Polemik gegen das (Christentum sprechen jüdische Denker des Mittelalters es aus, daß in ihrer Gemeinschaft auch die Kultur, die durch die Wissenschaft gebracht wird, verständnisvoll anerkannt werde. Darum wurde es den Juden auch, als sie aus dem Ghetto heraustreten durften, leicht, fast selbstverständlich, daß sie ohne Zögern, ja enthusiastisch, der neuen weltlichen Kultur, die das achtzehnte Jahrhundert endgültig heraufgeführt hatte, sich erschlossen. Den besten Geistern im Judentum gibt es ihre Eigenart, daß sie, getreu den großen Denkern des Mittelalters, sich dessen bewußt waren, wie sie durch die weltliche Kultur sich bereicherten und damit ihre Religion bereicherten. Die Religion konnte bleiben, was sie im Mittelalter wesentlich war: Sache der innersten Persönlichkeit und weihe des Dauses, der energische Ausdruck des seelischen, sittlichen Selbsterhaltungstriebes, der Sehnsucht danach, sich in heiligen Aufgaben auszuleben. Weil sie das war, konnte sie Anteilnahme und Freude an der allgemeinen Kultur fordern. Geh.-Rat Profefior Dr. Senator m Februar-Heft von „Nord und Süd" findet sich eine Abhandlung: „Religiöse Grundgedanken und moderne Wissenschaft. Eine Umfrage." Im Vorwort bemerkt der Herausgeber unter anderem: „. . . . wir wandten uns zu diesem Zwecke an die gesamte Gelehrtenwelt Deutschlands .... Männer vom höchsten, wissenschaftlichen Range. . . Unter den eingegangenen Antworten findet sich auch die hier folgende von Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Senator, die für uns von besonderem Interesse ist. „Im Wesentlichen stehe ich mit meinen religiösen Anschauungen auf dem Boden der großen jüdischen Propheten (Jesajas bis Micha), die den reinen Monotheismus verteidigen, keine Auferstehung, keine persönliche Fortdauer der Menschen nach dem Tode, sei es im Himmel oder auf der Erde, kennen. (Iesaj. XXVI, \% XXXVIII, 18,) aber auf eine dereinstige messianische Zeit hoffen, in der sich die Menschen nicht über da5 Judentum. mehr bekriegen, sondern ihre Schwerter zu Sensen, ihre Speere zu Winzermessern schmieden werden usw. (Iesaj. II, XI, Micha IV usw.), eine Zeit, an deren Herbeiführung mitzuwirken aller Menschen Pflicht sein soll. Jene Propheten predigen immer wieder als Grundlage der Moral, Ethik und Gesetzgebung jeder menschlichen Gesellschaft die mosaischen Gebote, nämlich: die Zehngebote, das Gebot der Barmherzigkeit und Nächstenliebe, die Gerechtigkeit und Haftpflicht, nach welcher jede Schuld ihre angemessene Sühne finden soll (Aug um Auge usw.) und nur dem bereuenden Sünder vergeben wird. Jene Propheten bewerten die Zeremonialgesetze nur gering (Ies. I, LVIII, 5 ff., Micha VI, Ieremia VII, Ezechiel XVIII, Hosea VI, Amos V), und verlangen dafür vielmehr Tugend und Gerechtigkeit. Mit diesen religiösen Anschauungen stehen meine wissenschaftlichen Anschauungen in gar keinem Widerspruch. (gez.) H. S e n a t o r."

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