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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 14 (1909) · p. Seite 328

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
14 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 328 (sequence 16)
Language
German
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328 e © Av. Mar Fveudenthal: Gottesdienst und Gebetbuch lich bestehend als aus dem Schema- Bekenntnis, das von einer schlichten Benediktion erössnet und von einer schlichten Bestätigungsformel geschlossen wurde.19) Und das Schema hatte damals noch nicht einmal den Umfang, den es später als Gebet mit seinen drei Teilen gewonnen hat! Seine ganze Wucht lag und liegt heute noch in den beiden wundervollen Eingangssätzen: „Höre Israel, der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einzig; du sollst lieben den Ewigen, deinen Gott, von ganzem Kerzen, von ganzer Seele und von ganzer Kraft!" Diese beiden Sätze sollten — ohne den jetzigen trennenden Zwischensatz, dessen Entstehung Elbogen aufs neue einleuchtend erklärt — eng und groß in unseren Gebetbüchern aneinander gerückt werden; denn sie gehören in sich zusammen, und sie beide sind es auch, von denen die folgenden Schemasätze gebieten, daß sie in unseren und in unserer Rinder Kerzen seien, daß sie unser Tun und Denken im Hause und in der Veffentlichkeit regeln und leiten sollen. Ganz trefflich führt das Elbogen aus,17) und ebenso trefflich legt er dar, wie erst dann, als man diesen natürlichen und eigentlichen Sinn der im Schema gebrauchten Bilder verschob und die Ausdrücke wortwörtlich für den äußerlichen Zeremonienkult der Tefillin, der Rlesusoth usw. in Anspruch nahm, der jetzige zweite Teil des Schema angeschoben ward, der mit denselben zeremoniell ausgelegten Hinweisen schließt, und wie noch später erst der dritte Teil hinzukam, als man an das Bekenntnis des Gottesgtaubens auch das der großen geschichtlichen Gottestat, der Erlösung aus Egypten, anschließen wollte. „Es ist nicht ausgeschlossen," meint Elbogen von diesem dritten Abschnitt,19) „daß in ältester Zeit einmal nur der Schluß-Satz rezitiert wurde; späterhin wurde der ganze Abschnitt ausgenommen, und nun hatte die Symbolik Anlaß und Spielraum, die besondere Stellung der Zizit in der bekannten Weise zu behandeln." Welche glänzende Rechtfertigung für unser heutiges Empfinden bilden alle diese wissenschaftlichen Darlegungen! Uns liegt jede zeremonielle Ausdeutung des Schema ebenso fern, wie seine Warnung vor dem Abfall zu fremden Göttern und die dafür angedrohte Strafe des Ausbleibens des Früh- und Spätregens keine Beziehung mehr auf unser Leben haben. Aber um so stärker tönen in uns die Sätze nach, die einst den wesentlichsten Inhalt des alten Gemeindegottesdienstes gebildet haben: der Glaube an den Einen, die rechte Liebe zu ihm, die Heiligung durch seine Sittengebote und die Anerkennung seiner großen Erlösungstat, und wenn Berliner als letzte Konsequenz der liberalen Gottesdienstreform in Aussicht stellt, daß auch der geheiligte Ruf „Schema Israel" auf den Index gesetzt oder irgendwie geändert werde,19) so fordern wir im Gegenteil, daß er endlich einmal wieder in derselben Reinheit des Gedankens ohne alle künstlichen Auslegungen und ohne alle äußerlichen Zutaten den Kern und Inhalt unseres Gottesdienstes bilden möge, wie einstmals im ersten Gottesdienst der israelitischen Gemeinde! Reinheit des Gedankens! So möchte überhaupt das dritte Ziel unserer Retroform zu benennen sein, für dessen Gewinnung die moderne jüdische Wissenschaft uns ihre Dienste leiht. Weist sie doch nach, wie aus den jeweiligen Zeitströmungen heraus selbst Abirrungen von den reinen Ideen des Judentums ihren Niederschlag in der Entwicklung des Gottesdienstes und Gebetes gefunden haben. Es ist erstaunlich genug, wie stark und tief z. B. nach den Forschungen Elbogens und Berliners der «) Das., S. 29. 17) Das., S. \6. 18) Das., S. \7. 19) Randbemerkungen, S. 5.

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