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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 14 (1909) · p. Seite 325

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
14 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 325 (sequence 13)
Language
German
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o o o o Nr. Mrrr Freudrnthat: Gottesdienst und Gebetbuch 325 Ligen Ersatz für den ehemaligen Gxfertempel, so kann gar kein anderer als ein Israelit darin des Amtes als Priester und Levite walten. Aber alle diese Orgelfragen treten als geringfügig zurück hinter die großen Reformziele, auf die Berliner selbst mit seinen wissenschaftlichen Darlegungen uns hinweist. Was er und E l - bogen geschichtlich aufgezeigt haben, ist die berechtigte Notwendigkeit und zugleich die berechtigte Möglichkeit weitererReformenim Gottesdienst und Gebete. Aus der Reform wird richtiger fortab eine Retroform; wir haben nur einfach unter Vermeidung aller geschichtlichen Ab- und Irrwege zu den schlichten, anspruchslosen Urformen der Vergangenheit zurückzukehren, um den Idealen eines jüdischen Gottesdienstes und Gebetbuches, wie sie uns Liberalen vorschweben, uns anzunähern! Was unser Gottesdienst da zunächst noch oder vielmehr wieder braucht, ist die stärkere Mitwirkung der Gemeinde selber an der Liturgie. „Der jüdische Gottesdienst," sagt Elbogen/) „hatte eine durchaus demokratische Verfassung." Er hatte sie auch .darin, daß die Gemeinde selber in den ältesten Zeiten ihn abhielt, während sie ihn heute durch den Vorbeter, als den „Abgesandten der Gemeinde", oder durch den Rabbiner abhalten läßt. Ein Vorbeter amt gab es damals überhaupt nicht. Aber selbst wenn ein Gemeindemitglied, das imstande war die' Gebete zu sprechen, auf Einladung aus der Gemeinde heraus als Vorbeter fungierte, so war diese selbst damit nicht ausgeschaltet. Der Vorbetende begann nur den Satz, die Gemeinde setzte ihn laut und gemeinsam fort; oder der Vorbeter rezitierte, die Gemeinde wiederholte, nicht, wie heute, meistens umgekehrt. Zu Anfang des Gottesdienstes forderte der vorbetende die versam- 4) Studien, S. J3. melten auf, Gott zu preisen (das jetzt meist in der Mitte des Gebetes stehende Borchu!); „auf diese Aufforderung tat die Gemeinde dadurch Bescheid, daß sie an dem nun von ihm vorgetragenen Gebet teilnahm."^) In unseren modernen Synagogen ist die selbständige Anteilnahme der Gemeinde am Gottesdienst dem Bestreben nach Würde und Ordnung und dem eingeführten Runstgesang leider noch stärker zum Opfer gefallen. Eine Retroform erscheint hier durchaus geboten, und sie ist nicht schwer. Unerläßlich dafür ist freilich die musikalische Form; nur im gleichmäßigen Rezitativ oder im Gemeindegesang ist eine geordnete Beteiligung der Gemeinde am Gottesdienste möglich. Aber wir besitzen ja eine unversiegbare Ouelle für solche Gemeindegesänge und -Gebete, nämlich unsere Psalmen. Wir unterschreiben alles, was Berliner über den Wert dieses Besitzes und die Notwendigkeit seiner Rückeroberung zu sagen weiß.b) „Wir haben ein gewaltiges Mittel zur Befestigung des frommen Sinnes und der Erhöhung der Gemütsruhe verloren, dadurch, daß wir immer mehr das köstliche jDsalmbuch aus fänden gegeben haben. Es gilt, ein verlorenes Gut auch für gebildete Rreise von neuem zu gewinnen." Gewinnen wir es dadurch wieder, daß wir in unserem Gottesdienst recht viele Psalmen an die Stelle überflüssiger oder aus unserem religiösen Empfinden entschwundener Gebete setzen! In unserem Gebetbuch sollten in guter moderner Uebersetzung die schönsten Psalmen zusammengestellt sich finden, und jeder Gottesdienst sollte in wechselnder Auswahl mit einem erhebenden s)salm als Gemeindelied beginnen und schließen. Für die Rezitationen zwischen Vorbeter und Gemeinde können Psalmen sogar im hebräischen Urtext nach wie vor beibehalten werden; 5) Das., S. 19. 6) Randbemerkungen, S. 20 ff.

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