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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 14 (1909) · p. Seite 322

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Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
14 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 322 (sequence 10)
Language
German
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322 Ar. MsL FrruLrnthst' Gsttrsdirnst und Gebetbuch Die Reform selbst hat nur einen Sinn, wenn sie geeignet ist, Menschen der heutigen Zeit dem religiösen Leben wieder zuzuführen, dem sie entfremdet sind und dem sie gleichgiltig oder ablehnend gegenüberstehen. Das Bedürfnis ist zweifellos vorhanden, die Aufgabe der Reform soll es fein, dieses Bedürfnis in modernen Formen und in modernem Geiste zu befriedigen. Wer das will, wird in die Arabesken jahrtausendelangen Denkens scharf schneidend eingreifen müssen. Ohne Wegräumen des Geröllschuttes kann von Reform überhaupt keine Rede fein. Die erste Voraussetzung muß dabei sein, daß der Jude nicht in erster Linie Jude, sondern Deutscher ist. Auch bei der religiösen Erziehung muß das Deutschtum vorangestellt bleiben. Der deutsche jüdische Geistliche soll junge Deutsche heranbilden, die in ihrem Glauben an einen einzigen Gott, nicht aber in äußeren Formen des Lebens sich von ihren christlichen Mitbürgern unterscheiden. Soll dieses Ziel erreichbar sein, dann muß auch der Geistliche nicht mehr außerhalb des freier denkenden Teils seiner Gemeinde stehen, er muß mit ihnen und nach ihrer Art leben und auch speisen dürfen. Er muß ferner die Möglichkeit haben, den Hauptgottesdienst an dem Tage abzuhalten, an dem die Gemeinde Zeit hat, d. h. am Sonntag und der Gottesdienst muß rein deutsch sein. Wie auch die Reformen heißen mögen, die kluge und sachverständige Männer vorschlagen werden, ihre Grundlage wird immer sein müssen, daß die Bedürfnisse der heutigen Zeit für sie im Vordergründe stehen. Wer eine Gemeinde sammeln will, muß sich in den äußeren Dingen ihren Lebensgewohnheiten anpassen, um von diesem Boden äußerer Uebereinstimmung aus das geistige und religiöse Bedürfnis nach dem tiefen Grundgehalte der Lehre zu befriedigen. Reine einzige der zahlreichen Erwiderungen auf Dr. Nordens Anregung hat mich in der Ueberzeugung wankend machen können, daß der Sonnabend aufgehört hat, in der Gegenwart als „Sabbat" dienen zu können. Religiöse Gefühle sind nicht an den Tag gebunden, wohl aber können sie durch das Festhalten an alten Normen, nur um der „j)ietät" willen, erstickt werden. Das ist der Kernpunkt der Sache. Hat man den Mut nicht, von Grund auf zu reformieren, dann wird es bei schönen Reden und interessanten Aufsätzen bleiben, und der günstige Augenblick, dem liberalen Judentum eine Einheit höherer Art zu schaffen, wird für viele Zahre verpaßt sein. Reform heißt: die Bahn frei machen für neue Entwickelung. Wer diese nicht will, wer der suchenden und so dankbaren Jugend statt des lebendigen Lebens uralter Gedanken die toten Formen geben will, in denen ein Teil dieser Gedanken erstarrt ist, der darf sich nicht wundern, wenn der Suchende verloren geht. Der Reformator muß die Fähigkeit haben, die Jugend zu gewinnen. Nicht Widerspruch gegen das moderne Leben, sondern nur die Einheit mit ihm kann diese Aufgabe erfüllen. öottesäienlt unä 6ebetbuöi. Von Vr. Max 5reuäentkaI-Nürnberg. wei Schriften über unser Gebetbuch haben in der letzten Zeit einiges Aufsehen in der wissenschaftlichen Welt hervorgerufen und zu erneuter Beschäftigung mit der Frage der Entwicklung unseres Gottesdienstes angeregt. Das ist eine Frage, deren Bedeutung, wie ohne weiteres einleuchtet, für unsere liberale Bewegung prominent ist, und

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