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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 14 (1909) · p. Seite 318

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Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
14 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 318 (sequence 6)
Language
German
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318 Nr. med. Malthrr Faqrrerrr: Mas bedeutet das liberale Judentum und Bestrebungen, das Wesen des Judentums in ein anderes Gewand zu kleiden, nicht nur für schädlich und sündhaft, sondern für unjüdisch erklärt, die allen von ihrer eignen Auffassung abweichenden Juden das Judentum abspricht! Gegen diese Richtung gilt es einen Kampf bis aufs Aeußerste, einen Kampf mit allen Waffen des Geistes! Hängt von seinem Ausgang doch nicht mehr und nicht weniger als das Bestehen des Judentums ab. Ist nur das Judentum, was sich in den starren Rahmen jener äußersten Orthodoxie fügt, bedeutet jeder versuch, diesen Rahmen zu dehnen und zu weiten, eine Lossagung vom Judentum, behält jener Religionslehrer einer kleinen, aus Orthodoxen und Liberalen bestehenden Gemeinde Recht, der einem nicht orthodox erzogenen Kinde erklärte, wenn es nach dem Essen nicht hebräisch bensche, so sei es überhaupt kein Jude — ein mir persönlich bekannter Fall —, dann ist der Untergang des Judentums besiegelt und nur mehr eine Frage der Zeit. Denn daß das rastlos und unaufhaltsam sich weiter entwickelnde Leben über die ihm widerstrebende, in starrer Unveränderlichkeit beharrende Lehre triumphierend hinwegschreitet, daß es in die Reihen ihrer Anhänger von Tag zu Tage größere Lücken reißt, das zeigt die Geschichte der letzten Jahrzehnte mit unerbittlicher Deutlichkeit. Unermüdlich und unverdrossen also gilt es protest einzulegen gegen den gänzlich unzutreffenden, weder religionsphilosoxhisch, noch historisch zu rechtfertigenden Satz: Nur orthodoxesIudentumistwahresIudentum! Immer wieder und wieder muß demgegenüber betont werden, daß wahres Judentum eine „Idee" bedeutet, daß die Zugehörigkeit zum Judentum auf der Erkenntnis dieser Idee und dem Willen, ihr zu dienen beruht! Ebenso müssen wir liberalen Juden mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln Front machen gegen die grundverkehrte, uns in den Augen der eigenen Glaubensgenossen, wie in denen der Christen, in ein ganz falsches Licht setzende Behauptung: Wir seien vielleicht auch Juden, keinesfalls aber fromme Juden! Jude ist, wer die „jüdische Idee" im lebendigen Bewußtsein trägt, wer diese Idee nach bestem Wissen und Gewissen, auf welche Art immer, zu verwirklichen trachtet! Und so dürfen wir Liberalen mit weit größerem Rechte sagen, so paradox es auch den Ohren unserer Zeit noch klingen mag: die Orthodoxen sind auch Juden, soweit sie nämlich über all den veralteten, toten, durch die unerbittliche Macht zeitlicher Entwickelung des innern Sinnes und wertes beraubten äußeren Formen, den wahren, echten, unversieglich sprudelnden Lebensquell des Judentums nicht vergessen haben: die jüdische Idee und die.jüdische Mission! Diese Idee, diese Mission des Judentums aus der überlieferten Lehre herauszuschälen, sie klar und rein, Jedermann faßlich darzustellen, ihr Wirken und walten in der Geschichte aufzuzeigen, das gesamte unendlich reich gestaltete und vielverschlungene moderne Leben, das eine äußere weite und Breite, eine innere Gliederung und Tiefe angenommen, von der unsere Vorfahren nicht mal die Möglichkeit ahnen konnten, unsern ganzen Lebenskreis mit der jüdischen Idee zu durchdringen und zu beseelen, das ist die erste der beiden Aufgaben des liberalen Judentums, auf die ich am Schlüsse des vorigen Aufsatzes hinwies. Gar vieler und bedeutender Männer wird es bedürfen, die Lebensarbeit von Generationen wird erforderlich sein, um in Wort und Schrift, in predigt und Unterricht dieser Aufgabe gerecht zu werden. Und niemals kann sie als völlig gelöst und beendet gelten; denn das Fortschreiten des Lebens wird immer ein Fortschreiten der Lehre bedingen und erzwingen. Doch ist die

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