Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 1 (1908-1909)
- Issue
- 14 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 314 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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314 Liberales Judentum und moderne Mäd chrnerziehung mein langes, ernstes aber auch reiches Leben! was Wunder, daß ich die Bewegung, die seit kurzem durch die Iudenheit geht, mit höchstem Interesse begleite! Und wohin mein Blick fällt, wohin mein Ghr hört, überall, in den Reihen aller derer, die „liberale" aber doch „treue Juden" sind, findet dieser frische, kräftige bsauch begeistert Anklang! Aber nicht nur von „Brüdern"! Auch von „Schwestern"! Ueberall, in allen deutschen Großstädten pilgert die Frauenwelt in Scharen zu den Versammlungen und jubelt den Rednern mit frohem Hochgefühl zu! Und Männer und Frauen sind gleichermaßen von dem Bewußtsein durchdrungen, „wir sind gute und treue Juden" und lassen uns nicht von den Gegnern als „minderwertig" betrachten und behandeln! Die Begeisterung der Frauenwelt für das neu erwachende religiöse Leben im deutschen Judentum wird hoffentlich Blüten und Früchte in der Heranwachsenden Generatton, insbesondere der weiblichen Jugend zeitigen. Es tut not, daß ein Geschlecht selbstbewußter, ihres Judentums froher jüdischer Mütter heranwächst. Die „Schmach des Jahrhunderts" sind die „Iudentaufen". Diesen Einhalt zu gebieten, liegt in den Händen der Mütter vermöge ihres erzieherischen Einflusses auf ihre jungen Töchter. Line Hauptaufgabe der Mütter ist es in unseren Tagen ihren „modernen" Töchtern die sie selbst erfüllende Liebe und Begeisterung für das „liberale Judentum" für ein Judentum, das sie lieben und für das sie sich begeistern können, in die jungen Herzen zu pflanzen, sie mit der Lharakterfestigkeit, Gpferfreudigkeit und Eingebung auszurüsten, die sie befähigen, nicht nur die verständige und verstehende Gefährtin und Beraterin, die treue Helferin ihres Gatten zu werden, sondern als Mutter ihren Söhnen und Töchtern vor Augen zu führen, welch eine Schande und verächtliche Handlung es ist, den Glauben seiner Väter um äußerer Vorteile willen zu verleugnen und zu verlassen! Leider geht ein bemerkenswert negierender Geist durch die Reihen unserer „modernen" Jüdinnen. Eine unsagbare Gemütlosigkeit dokumentiert sich darin, daß ihnen nichts heilig ist, daß sie so äußerlich, so materialistisch geworden sind, ihre Rinder, „um ihnen die Wege zu ebnen", bald nach der Geburt dem Judentum zu entführen! Möchte die Bewegung „Liberales Judentum" so tiefe wurzeln in den Herzen der Mütter fassen, daß es ihnen gelingt, hier Wandel zu schaffen. Mit aller Begeisterungskraft, die dem „liberalen Judentum" mit seinen hohen prophetischen Idealen inne wohnt, müssen sie gegen den dem Judentum in der Taufe und dem Indifferentismus drohenden Feind zu Felde ziehen und somit dem Abfall einer späteren Generation vorbeugend steuern! In den fänden der Frauen und Mütter liegt die Zukunft der Nationen, in den fänden der Mütter liegt die Zukunft des „liberalen Judentums"!