Liberales Judentum
- Journal
- Liberales Judentum
- Volume
- 1 (1908-1909)
- Issue
- 14 (1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Oberelles Judentum JTlonafsfdirift für die religiösen Interessen des Judentums herausgegeben van der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutfchland unter der Redaktion van Dr. Cacfar Seligmann, Rabbiner in frankfurt a. M. No. 14. Jahrgang 1. 1909. Liberales Judentum und moderne FFlädchenerziehung. Van Regina Neiher-6reslau. „VOas du ererbt von deinen Patent hast, Erwirb es, um es zu besitzen!" Goethe. eber und Wort sind euch gegeben, so gut wie bem ZTtanne! schreibet, redet, erziehet im Dienste der Menschheit! vergesset es nicht, daß selbst euer kleinstes und bescheidenstes Wirken ein der Menschheit geleisteter Tribut ist!" So rief vor fast einem halben Jahrhundert eine der bedeutendsten und begabtesten Vorkämpferinnen der deutschen Frauenbewegung, Luise Büchner, ihren Mitschwestern zu und ihre Worte fanden lebhaften Widerhall in den Kerzen ihrer Geistes- und Gesinnungsgenossinnen, allen voran in denen dreier Anhängerinnen des liberalen Judentums, Frau Dr. Henriette Goldschmidt, Leipzig, Frau Lina Morgenstern, Berlin, und Fräulein Jenny Hirsch, Berlin, gesegneten Andenkens. Ohne ihre Eigenart als Jüdinnen aufzugeben, ohne jemals ihrIudentum zu verleugnen, wurde dieses Dreiblatt über die Grenzen des Vaterlandes hinaus bekannt und berühmt als Trägerinnen und Führerinnen der deutschen Frauenbewegung, und ihr Beispiel und Vorbild fand begeisterte Nacheiferung bei ihren jüngeren Glaubensgenossinnen, denen in ihren Bahnen bescheiden nachzuwirken Ehrensache wurde! „Liberales Judentum!" Für mein Ghr war diese Bezeichnung Musik! Für mein Herz ein Iubelruf! Gehöre ich doch selbst seit einem halben Jahrhundert, ja noch länger, dem „liberalen Judentum" durch Vererbung und Ueberlieferung, durch innige eigene Sympathie seitdem ich denken kann, an. In meine Rinderstube leuchtete schon die „Allgemeine Zeitung des Judentums", und der Name „Ludwig jDhilippson" tönte an mein Ghr, und ich las — nein ich verschlang — ein enfant terrible, noch sehr jung, seine und seines Bruders j)höbus wundervolle Erzählungen, die als „Saron" erschienen. In das Paradies meiner Rindheit fielen zwar sehr friedlich auch schon die Gegensätze von „orthodox" und „liberal", die meine beiden Großväter, gesegneten Andenkens, jeder in seiner Art gleich fromm, gleich verehrungswürdig, verkörperten. „Liberales Judentum!" wie ein rotgoldener Faden zieht sich dieser Begriff durch