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Liberales Judentum · 1909-01-01 · 13 (1909) · p. Seite 303

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Journal
Liberales Judentum
Volume
1 (1908-1909)
Issue
13 (1909)
Date
1909-01-01
Page
Seite 303 (sequence 15)
Language
German
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o o Iv. I. Goldschmidt: Motion oder Religion? Ans Judentum um Scheidewege 303 stimmige Meinung des deutschen liberalen Judentums zum Ausdruck. „Liberalismus ist Duldsamkeit", sagt der Verfasser selbst. Unser Uamxf gilt der Unduldsamkeit, der selbstgerechten Anmaßung, die Andersdenkenden das Judentum abzustreiten sich erdreistet — nicht aber der ehrlichen und friedliebenden Altgläubigkeit. Was aber den Kampf gegen Materialismus anbelangt, so möchten wir Serrn Dr. Katzenstein Folgendes zu bedenken geben, solange wir uns nicht auf den National- oder Nassenstandpunkt stellen, hat das Judentum Existenzberechtigung nur als Religion. Es muß darum — zu seiner Selbsterhaltung — den Kampf aufnehmen gegen antireligiöse Weltanschauung. Dieser Kampf ist kein Kampf gegen Individuen, ist kein Zurückstoßen Einzelner, die in ehrlichem Ringen sich zu einer vor der jüdischen abweichenden Weltanschauung durchgerungen haben, sondern eine Bekämpfung der Weltanschauung selber. Freudig heißen wir Jeden willkommen, der sich in unsere Reihen stellt und prüfen nicht „Serz und Nieren" auf Rechtgläubigkeit. Aber das liberale Judentum als Weltanschauung ist der geschichtliche Protest gegen die Weltanschauung des Materialismus. Flafion oder Religion? — Das Judentum am Scheideroege. Von Dr. J. Goldkhmidt-Offenbach a. Hl. I. em politischen Zionismus ist die Religion Privatsache; dem Kultur - Zionismus kann die Religion nicht mehr Privatsache sein, denn die Religion gehört zu den Kultur- Funktionen der Volks-Seele. Die Religionsgeschichte, die Theologie des Zionismus ist es, die uns in einem Buche entgegentritt, das den Titel führt: Das Judentum am Scheidewege. Das Buch ist mit einem leidenschaftlichen Ernst geschrieben. Man merkt es, daß der Verfasser mit sich gekämpft hat, als er das Buch für die Deffentlichkeit niederschrieb. Am Schlüsse des Vorwortes sagt er selbst: „In der vollen Erkenntnis dessen, was ich tue, übergebe ich dies Buch der Geffentlichkeit. Nach vielen Bedenken und reiflicher Erwägung. Denn stärker als alle Bedenken erwies sich der Drang meines Serzens, der Drang meines Gewissens. Um nicht Schuld auf mich zu laden, muß ich reden. In tiefer Bewegung lege ich die Entscheidung in die Sand Gottes" (S. X.). So spricht nur jemand, der etwas sehr gefährliches wagt, was ist dies so furchtbar Gefährliche? Die Zeiten sind vorüber, da es für einen Rabbiner eine Schicksalsfrage war, sich schriftstellerisch zum Zionismus zu bekennen, wozu also der Lärm? warum die Aufregung? Dr. Joseph hat recht. Er hat ein Kühnes gewagt; er hat den Mut, die Theologie und Religionsgeschichte des Judentums aus der Sand der protestantischen Kathedertheologie, im Gegensätze zu allen jüdischen Theologen und Rabbinern, herüber- und in das Programm des Zionismus die These aufzunehmen : Die jüdische Religion ist kein Universalismus, sonderngehört in die Klasse der National- Religionen! Ja, er geht weiter als Wellhausen und Stade, während diese Schule die Propheten als Vertreter des Universalismus auffaßt und nur das foxherischpharisäische Judentum von der Nachfolge des Prophetismus ausschließt (welche Nachfolge sie als die Mission des Thristentums hinstellt, so daß doch im Thristentum wenigstens der Universalismus der pro-

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